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Musik

Der Party-Poet wird nachdenklich

Liedermacher, das Wort klingt noch immer nach Protest und tieferem Sinn. Doch längst begegnet eine neue Generation deutscher Liedermacher der politischen Verbissenheit der 70er Jahre mit Spaß und Ironie.

Götz Widmann mit Gitarre (Foto: www.goetzwidmann.de)

Götz Widmann der Party-Poet

"Viel lachen und möglichst viele andere glücklich machen", diese Textzeile aus Götz Widmanns neuem Album "Hingabe" drückt wohl am besten aus, worum es dem Bonner Liedermacher geht: Lebensfreude vermitteln und mit anderen teilen. Deshalb schreibt er Lieder und zieht mit ihnen beinahe pausenlos kreuz und quer durch den deutschsprachigen Raum. Götz-Widmann-Fans sind treu, identifizieren sich zutiefst mit seinen Texten und streuen seine Musik häufig durch youtube-Clips und illegale Downloads. Das weiß Götz Widmann und nimmt es verständnisvoll hin, denn er lebt nicht von großen Werbekampagnen und CD-Verkäufen, sondern von Mund-zu-Mund-Propaganda. Um volle Konzertsäle muss er sich heute nicht mehr sorgen.

Gegen die politische Bitterkeit

Götz Widmann (Foto: www.goetzwidmann.de)

Pogo zur Gitarre

Als Götz Widmann Mitte der 90er Jahre mit seinem mittlerweile verstorbenen Band-Kollegen Martin Simon als Duo "Joint Venture" an den Start ging, reagierten Clubbesitzer noch sehr skeptisch. Der Begriff "Liedermacher" war schuld: Götz musste zunächst beweisen, dass er damit nicht die politisch motivierte Szene der 70er meinte, sondern einen neuen Ansatz, der Studenten genauso gefällt wie Punks von der Straße. Mit Themen wie "Legalisierung von Cannabis", "Arbeitsverweigerung" und "körperliche Liebe" konnte er tatsächlich in beiden Lagern punkten: Auf Studentenpartys und bei Veranstaltungen der alternativen Szene. Doch seine ararchistischen Mitsing-Lieder zogen über die Jahre "sehr viel verstrahltes Publikum an", wie er selbst sagt.

Jeden Moment wie eine Zitrone auspressen

Götz Widmann (Foto: www.goetzwidmann.de)

Zur Ruhe gekommen auf La Palma

Götz Widmann ist 44 Jahre alt und möchte keine Konzertbesucher mehr anlocken, die ihm alkoholisiert in die Pointen hineingrölen. Nachdenklichkeit und Zwischentöne sind ihm beim neuen Album "Hingabe" wichtig. Zum Songschreiben hat er sich auf die Kanareninsel La Palma zurückgezogen: Mit dem einsamen Blick über Bananenhaine und das Meer komponierte er unter anderem leise Töne über innige Verliebtheit, Menschlichkeit, die Natur und die ganz großen Sinnfragen. Neben einiger Ernsthaftigkeit überrascht Götz Widmann aber immer wieder mit einem ihm ganz eigenen Witz: In "Laptopwebcammann" legt er sich zum Beispiel mit der Technisierung des Alltags an, die ihm seine Freiheit einengt. Für unberechenbare Launen der Midlife-Crisis kann er nur eine Erklärung finden: Er ist "schwanger".

Rauheit als Prinzip

Die CD "Hingabe" ist während verschiedener Live-Konzerte im Kölner Theater im Bauturm entstanden. Trotz detailverliebter Arbeit im Hintergrund klingen die Songs wie eine zufällige und völlig ungezwungene Wohnzimmer-Aufnahme. Götz Widmann begleitet sich an seiner Nylon-Gitarre: Mal mit zartem Balladen-Zupfen, mal mit harten Riffanschlägen. Sein Gesang wirkt immer unkultiviert und rau, doch genau das macht seine Musik glaubhaft. Durch Leonhard Cohen, Rio Reiser und Bon Scott (Ex-AC/DC) ist er gesanglich geprägt. Diese Spanne präsentiert er beispielsweise auch dann, wenn er in "Jesus Freak" mit seinem Rivalen Gott ringt, der das Zusammenkommen mit einer tiefgläubigen und keuschen Frau verhindert. Insgesamt zwölf Geschichten hält Götz Widmann auf "Hingabe" bereit: Oft mit entlarvend anschaulichen Bildern und einer erfrischend unverbrauchten Sprache.

Autor: Daniel Hauser

Redaktion: Matthias Klaus

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