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Politik

Der Papst vor der Tür

Warum fällt es so schwer, sich zu den Menschenrechten zu bekennen? Warum ist es so schwierig, einen Mann zu empfangen, der sich zur Gewaltlosigkeit bekennt? Was ist falsch daran, den Dalai Lama in Berlin zu empfangen?

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Seit Jahren ist er weit über die Grenzen Tibets hinaus bekannt und wird überall respektiert und verehrt – gerade weil er für Gewaltlosigkeit eintritt. Dass Peking so aggressiv auf den sanften Mönch reagiert, zeigt, wie groß die Angst der chinesischen Führung vor den besseren Argumenten ist.

Aber warum lässt sich die Bundesregierung von Peking einschüchtern? Bundeskanzlerin Angela Merkel hat doch bereits bewiesen, dass sie den Mut hat, den Dalai Lama im Kanzleramt zu empfangen. Vielleicht war das kein Zufall, denn Merkel hat am eigenen Leib erlebt, was Unterdrückung bedeutet und wie kraftvoll friedlicher Widerstand sein kann.

Unbequem

Doch nun ist Merkel auf Reisen und ihr Stellvertreter, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier wollte den Gast vom Dach der Welt nicht empfangen. Auch Bundespräsident Horst Köhler, der sonst keine Scheu hat, unbequem zu sein, fand keine Zeit für den Dalai Lama. An anderer Stelle berufen sich die Deutschen gern auf ihre Vergangenheit und auf die Lehren, die daraus zu ziehen seien. Aber gehört zu diesen Lehren nicht auch, dass Deutschland immer und überall für die Menschenrechte eintreten und sich für bedrohte und unterdrückte Völker einsetzen sollte?

Mit dem peinlichen Hin und Her in Berlin – erst will niemand den Dalai Lama empfangen, dann erklärt sich die Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Heidemarie Wieczorek-Zeul bereit und muss sich dafür von Parteifreunden rüffeln lassen – stellt sich die Politik ein Armutszeugnis aus. Sie beweist darüber hinaus, dass sie kein Gespür mehr hat für die Stimmungen im Volk. Denn der Dalai Lama genießt überall große Anerkennung und wird von vielen Bürgern tief verehrt.

Markenzeichen Güte

Sein Mut, sein Humor und seine Güte sind Markenzeichen geworden, die viele Deutsche zu schätzen wissen und die sie bei ihren eigenen religiösen und politischen Führern offenbar vermissen. Der Dalai Lama sei kein Staatchef, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Darum müsse er auch nicht wie ein solcher empfangen werden. Er sei ein Religionsführer, vergleichbar dem Papst. Aber ist es vorstellbar, dass der Papst, wenn er nach Berlin käme, vor verschlossenen Türen stünde?