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Politik

Der Papst und die Fettnäpfe des Nahen Ostens

Wenn einer eine Reise tut, kann er viel vermasseln. Stimmt auch – erst recht, wenn man Papst ist und im Nahen Osten unterwegs. Klaus Krämer kommentiert.

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Ob Papst Benedikt XVI. will oder nicht, das Papstamt ist nicht nur ein geistliches, sondern auch ein politisches. Immer wenn ein Papst das Heilige Land besucht, ist die Gefahr groß, dass man in den ein oder anderen Fettnapf tritt. Davon gibt es in diesem Teil des Nahen Ostens eine ganze Menge: Die religiösen und politischer Verhältnisse sind so vielschichtig, dass jemand, ganz gleich, wie er sich äußert, fast zwangsläufig anecken muss. Hinzu kommt, dass der Papst während seines fünfjährigen Pontifikats längst nicht immer sicheren Tritt hatte. Man denke an seine Regensburger Rede und sein Zitat über den gewalttätigen Islam oder an die peinliche Rehabilitierung der Pius-Brüder samt des Holocaust-Leugners Richard Williamson.

Fauxpas dieser Kategorie unterliefen Benedikt auf seinem Pilgerweg durchs Heilige Land nicht. Auf dem religiös-kirchlichen Parkett fühlt er sich wohl. Seine Gottesdienste begeisterten viele. Unüberhörbar sein Aufruf zur Versöhnung der Weltreligionen.

Glaubwürdigkeit wird er noch beweisen müssen

Anders der politische Teil der Reise. Dort gab es Stationen, an denen der 82-Jährige Chef der katholischen Weltkirche Eindeutigkeit vermissen ließ: Natürlich hätte er in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem von ermordeten Juden sprechen müssen und nicht nur von "getöteten". Gleichzeitig jedoch distanzierte er sich klar von jeder Form des Antisemitismus. Wie glaubwürdig er an dieser Stelle ist, in wieweit er sich künftig gegen jede Form einer Leugnung oder Relativierung des Holocaust einsetzt, wird sein weiterer Umgang mit Richard Williamson zeigen.

Natürlich hätte Benedikt an der Klagemauer, dem größten Heiligtum der Juden, die Versöhnungsgeste seines Vorgängers erneuern können. Johannes Paul II. hatte vor neun Jahren die Mitschuld der Christen an der Verfolgung der Juden eingestanden. Benedikt bat um Frieden in dieser Weltregion. Das ist zwar auch ein wichtiges Anliegen, doch erst recht von einem deutschen Papst wäre an dieser Stelle ein eindeutigeres Zeichen angebracht gewesen.

Der Papst und die Palästinenser

Bemerkenswert dann aber: der Papst als Fürsprecher der Menschen im Westjordanland und im Gazastreifen, indem er sich für einen eigenständigen Palästinenserstaat ausspricht. Seine Haltung war zwar bekannt. Doch an Ort und Stelle, im Schatten der israelischen Mauer, in Bethlehem dieses Bauwerk zu kritisieren, das Recht der Palästinenser auf eine souveräne palästinensische Heimat im Land ihrer Vorfahren zu bestätigen und den Gaza-Krieg vom letzten Jahr zu verurteilen, das ist mutig. Hier war der Papst an Deutlichkeit nicht zu übertreffen.

Wirkliche Ergebnisse eines solchen Besuchs zeigen sich in der Regel nicht sofort. Man wird Geduld haben müssen, um erkennen zu können, was die diplomatischen Gespräche bewirken, die fernab von Kameras und Mikrophonen passierten - ob der Friedensprozess neuen Auftrieb bekommt, ob die täglich kleiner werdende Schar der Christen davon profitieren wird, ob Menschen wieder gewaltfrei aufeinander zugehen.

Keine großen Gesten und Worte

Dennoch war diese Pilgerfahrt ins unfriedliche Heilige Land keine der großen Gesten und der herausragenden Worte. Bereits vor Antritt der Reise von Papst Benedikt XVI. wussten viele: Der Besuch seines charismatischen Vorgängers würde nur schwer zu toppen sein. Es hätte dennoch gelingen können. Schade.

Autor: Klaus Krämer

Redaktion: Oliver Samson