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Kirche

Der Papst, neue Kardinäle und die Globalisierung der Kirche

Es ist die neue Internationale. Papst Franziskus baut das Kardinalskollegium um. Nie zuvor waren so viele Länder im Kreis der Kardinäle vertreten, die an einer Papstwahl teilnehmen dürfen.

Für Pater Bernd Hagenkord bekommt die katholische Kirche derzeit ein neues, globales Gesicht: "Ja, so sind wir jetzt im 21. Jahrhundert", sagt der Chefredakteur der deutschen Abteilung von Radio Vatikan der Deutschen Welle. "Wir sind nicht zentraleuropäisch mit einigen Auslegern in Afrika, Asien, Lateinamerika. Sondern wir sind Weltkirche - und das darf man auch sehen."

Auch in den Reihen der Kardinäle. An diesem Samstag (19.11.2016) nimmt Papst Franziskus 17 Geistliche neu in das Kardinalskollegium auf. Und allmählich prägt das Kirchenoberhaupt vom - wie er selbst sagt - "Ende der Welt" das Kardinalskollegium und setzt auf Kräfte von anderen "Enden der Welt".

Vatikan Konklave in Rom Bernd Hagenkord (DW/B. Riegert)

Pater Bernd Hagenkord, Jesuit und Chefredakteur der deutschen Redaktion von Radio Vatikan

Der bald 80-Jährige verjüngt und internationalisiert das Kardinalskollegium. Bei seiner Wahl zum Nachfolger von Papst Benedikt XVI. im März 2013 nahmen am Konklave noch 115 wahlberechtigte Kardinäle aus 48 Ländern teil. Ab Sonntag werden es 121 potenzielle Papstwähler aus 60 Ländern sein. So viel Internationalisierung war nie. So global wollte sich die alte, europäisch-italienisch geprägte Weltkirche nie geben.

"Keine Karrieristen"

Und wie sieht ein idealtypischer Kardinal für Papst Franziskus aus? "Das erste Kriterium ist: Man will das gar nicht. Das sind keine Leute, die auf Karriere setzen", sagt Hagenkord. Und zudem seien es "alles eher Pastorale, Seelsorger. Alles eher Leute, die wissen, wie es so vor Ort ausschaut. Weniger Karriere-Kirchenjuristen." Und sie kämen, so der Radio-Vatikan-Chef, nicht aus den üblichen europäischen Großbistümern. Sondern sie kennen ganz verschiedene Realitäten und hätten mit Extremsituationen zu tun. So wurde 2015 überraschend Francesco Montenegro, der für Lampedusa zuständige Erzbischof  von Agrigent, zum Purpurträger. Und am Sonntag kommen unter anderen der Bischof von Port-Louis auf Mauritius, Maurice Piat, und der Erzbischof von Port Moresby auf Papua-Neuguinea, John Ribat dazu.

Dieudonné Nzapalainga (DW/S. Blanchard)

Erzbischof Dieudonné Nzapalainga aus der Zentralafrikanischen Republik: Er ist künftig der jüngste Kardinal der Weltkirche

Auch Dieudonné Nzapalainga wird neu in das Kollegium aufgenommen. Der Zentralafrikaner ist noch keine 50 Jahre alt und bald doch schon Kardinal. Das hat seit Jahrzehnten niemand so jung geschafft - der damalige Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki wurde im Jahr 2012 mit 55 Jahren das weltweit jüngste Mitglied des Kardinalskollegiums. Der Ordensmann aus der von Armut, Gewalt und politischen Wirren gezeichneten Zentralafrikanischen Republik verkörpert für Papst Franziskus die Kirche der Zukunft.

Mit dem Imam unterwegs

Vor knapp einem Jahr besuchte Franziskus bei der bislang gefährlichsten Etappe all seiner Papstreisen Nzapalainga in der unruhigen Hauptstadt Bangui. Dort öffnete er die erste der "Heiligen Pforten", die weltweit für Barmherzigkeit von Kirche stehen sollen. Diesen beeindruckenden Gastgeber, der in jüngeren Jahren einige Zeit als Missionar im französischen Marseille wirkte, hat Franziskus nicht vergessen. Ein Typ, der eines Tages auch erster schwarzer Papst werden könnte. Mutig, unkompliziert, ein Seelsorger. Er verhandelte schon persönlich mit Rebellen, bot tausenden bedrohten Muslimen auf Kirchengrund Schutz und Asyl. Und Nzapalainga reist mit einer ungewöhnlichen Delegation zur Kardinalserhebung nach Rom. Ihn begleiten Imam Oumar Kobine Layama, Präsident des Islamischen Rats der Zentralafrikanischen Republik, und Pastor Nicolas Guerekoyamene-Gbango, Präsident der Evangelischen Allianz. Schwer vorstellbar bei mitteleuropäischen Kirchenmännern. Aber die "Drei Heiligen von Bangui" engagieren sich seit langem gemeinsam für Frieden in ihrem so unruhigen Land und erhielten dafür 2015 auch gemeinsam den Aachener Friedenspreis.

Vatikan Papstwahl 2013 Wahl Messe (picture-alliance/dpa)

Das Rot der Kleidung von Kardinälen soll an das Blut der Märtyrer erinnern

Von den 13 neuen potenziellen Papstwählern kommen drei aus Europa und drei aus Nordamerika, das bei der letzten Runde der Ernennungen 2015 leer ausgegangen war. Vor knapp zwei Jahren kamen exakt 50 Prozent der mutmaßlichen Papstwähler aus Europa. Nun sind es gerade noch gut 44 Prozent. So wenig wie wohl nie seit der Antike. 

Es geht nicht um Folklore

So wird die katholische Kirche an ihrer Spitze erkennbar mehr und mehr zur Weltkirche. Das sogenannte Konsistorium, die offizielle Feier der Kardinalserhebung im Petersdom, wird bunter und familiärer. So saßen 2015, als Tongas Bischof Soane Patita Paini Mafi (55) den Kardinals-Titel bekam, der König des Inselstaats, Tupou VI., mit zahlreichen traditionell gekleideten Begleitern auf besten Plätzen des Petersdoms.

Und doch ist das alles andere als globale Folklore. Denn in einem so international besetzten Konklave wären Seilschaften und Deals weit schwerer möglich als bei früheren Papstwahlen. "Wenn - wann immer das sein wird - der nächste Papst gewählt werden wird", sagt Pater Hagenkord, "will Franziskus sicherstellen, dass wirklich die ganze Weltkirche dort repräsentiert ist, auch diejenigen, die in einer sich verändernden katholischen Kirche weltweit auch wirklich was zu sagen haben."