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Politik

Der Papst gedenkt des Holocaust

Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Besuch in Jerusalem der von den Nationalsozialisten ermordeten Juden gedacht. Die Leiden der Opfer dürften niemals geleugnet, heruntergespielt oder vergessen werden.

Papst Benedikt XVI. und Schimon Peres (Quelle: AP)

Papst Benedikt XVI. wird in Israel von Präsident Schimon Peres begrüßt

Zaun aus Eisen (Quelle: dpa)

Der Prüfstein für den Staatsgast: Die Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem

"Ich bin hierher gekommen, um in Stille vor diesem Denkmal innezuhalten, das errichtet wurde, um die Erinnerung an die Millionen Juden zu ehren, die in der schrecklichen Tragödie der Schoah ermordet wurden", sagte der Papst am Montag (11.05.2009) bei seinem mit Spannung erwarteten Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem. Die Namen der Opfer dürften nie verschwinden, ihre Leiden nie negiert, verringert oder vergessen werden, mahnte der Papst. Begleitet wurde Benedikt XVI. von Israels Staatspräsident Schimon Peres.

"Für immer verankert in Gott"

Der Papst entzündete eine Flamme zum Gedenken an die Ermordeten und legte einen Kranz nieder. Die Opfer hätten ihr Leben verloren, aber nicht ihre Namen, sagte Benedikt XVI. Sie seien "für immer verankert im Gedächtnis des Allmächtigen Gottes". Zur Rolle der Kirche im Holocaust sagte der Papst nichts.

Zuvor war der Papst mit militärischen Ehren auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv empfangen worden. Neben Gastgeber Präsident Schimon Peres waren auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und ein Großteil des Kabinetts zum Empfang erschienen. Auf dem Programm seines fünftägigen Aufenthalts stehen der Besuch heiliger Stätten der drei großen monotheistischen Religionen sowie politische Gespräche und Treffen mit islamischen und jüdischen Würdenträgern. Benedikt wurde mit hohen Erwartungen in Israel empfangen. Groß waren die Irritationen, die er in letzter Zeit ausgelöst hatte. Teile der israelischen Presse sprachen gar von einem historischen Versöhnungsbesuch des Papstes.

Aufruf gegen Antisemitismus

Bei seiner Ankunft erinnerte das Oberhaupt der katholischen Kirche an das tragische Schicksal des jüdischen Volkes. Benedikt wies dabei auf die "fürchterlichen Folgen" von Ideologien hin, die die Würde des Menschen verneinten. Er versprach, die Erinnerung an die von den Nazis ermordeten Juden in Ehren zu halten. Der Papst rief auch zum weltweiten Kampf gegen Antisemitismus auf. "Traurigerweise erhebt der Antisemitismus in weiten Teilen der Welt weiterhin sein hässliches Haupt." Dies sei völlig inakzeptabel. Er sprach sich zudem erneut für einen palästinensischen Staat neben Israel aus.

Stadtbild Jerusalem (Foto: dpa)

Pilgerziele: der Tempelberg mit Klagemauer und Felsendom

Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und Israel waren zuletzt durch die Aufhebung der Exkommunikation von vier Priestern der erzkonservativen Pius-Bruderschaft, darunter der Holocaust-Leugner Richard Williamson, belastet. Mit Argwohn werden auch die Bestrebungen zur Seligsprechung des Weltkriegs-Papstes Pius XII. beobachtet, die Benedikt selbst mit vorantreibt. Pius XII. wird sein Schweigen zur Vernichtung des europäischen Judentums vorgeworfen. Bedauert wird aus jüdischer Sicht auch die Wiederzulassung der alten Karfreitags-Fürbitte, in der jetzt wieder für die Erleuchtung, das heißt für die Bekehrung der Juden gebetet wird.

Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen

Strenge Sicherheitsvorkehrungen begleiten den Papstbesuch. Allein in Jerusalem sind rund 80.000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Im Osten der Stadt wurde auf Anordnung des Ministeriums für innere Sicherheit ein palästinensisches Pressezentrum geschlossen. Es war in einem Hotel im besetzten Teil Jerusalems für palästinensische Journalisten eingerichtet worden. Ostjerusalem wurde 1967 von der israelischen Armee besetzt und später annektiert. Die Vereinten Nationen haben dies nie anerkannt. Da die Palästinenser Ostjerusalem als Hauptstadt eines eigenen Staates betrachten, untersagen die israelischen Behörden alle offiziellen palästinensischen Aktivitäten in Ostjerusalem.

Der Papst kam aus Jordanien. Dort hatte er zum Abschluss seines Besuchs Christen und Muslime zu religiöser Toleranz aufgefordert, die es den Mitgliedern verschiedener Gemeinschaften erlaube, miteinander in Frieden und gegenseitiger Achtung zu leben. Benedikt wird in den kommenden Tagen auch die Klagemauer, den muslimischen Felsendom und die Grabeskirche Christi aufsuchen. Außerdem reist er ins Westjordanland, wo er mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zusammentreffen wird. (sam/gmf/rri/kna/dpa/afp)

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