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Kultur

Der Papst besucht Polen

Papst Benedikt XVI. ist für vier Tage in Polen. Sein Besuch hat vor allem religiösen Charakter, verspricht aber auch politisch spannend zu werden.

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Hat sich viel vorgenommen: Benedikt XVI. besucht Polen

Bei seiner Polen-Reise wandelt Benedikt XVI. sozusagen auf den Spuren seines Vorgängers. Papst Benedikt XVI. besucht religiöse Zentren, die auch Karol Wojtyla als Papst Johannes Paul II. besucht hat. So fährt Benedikt unter anderem in das polnische Nationalheiligtum in Tschenstochau. Es ist nach Lourdes in Frankreich und Fatima in Portugal der bedeutendste Wallfahrtsort Europas.

Auch eine Visite in Wadowice, der Geburtsstadt Karol Wojtylas, steht auf dem Programm. Der polnische Pontifex hatte 1979 - bei seiner ersten Reise als Papst in seine Heimat - Warschau und Krakau besucht und die Massen gegen das herrschende System mobilisiert. Wenig später wurde die Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc gegründet.

Papst Benedikt fährt nach Polen

Warten auf Papst Benedikt

Einfluss auf die Politik?

Auch Benedikt XVI. wird wie sein Vorgänger vor über 25 Jahren in Warschau und Krakau Messen halten. Erwartet wird, dass er in der Hauptstadt auf die politische Entwicklung in Polen eingeht. Denn davon bleibt auch die Kirche im Land nicht unberührt.

Der Religion werde in Polen sehr große Bedeutung beigemessen, sagt Angelika Eder, Leiterin des Goethe-Instituts in Krakau. "Wir erleben in zunehmendem Maße öffentliche Veranstaltungen, denen noch ein religiöser Charakter dazugegeben wird. So war bei der Eröffnung der Galerie des 20. Jahrhunderts hier im Nationalmuseum in Krakau auch der Kardinal da und es wurde ein Vaterunser gesprochen." Es gäbe einige, die das gut finden, aber auch viele, die diese Vermengung von Politik und Religion für problematisch halten, erzählt Eder.

Radio Maria: Der Papst ist befangen

Seitdem die populistischen national-katholischen Kräfte in Warschau den Ton angeben, fühlt sich auch der ultrakonservative katholische Sender Radio Maria bestärkt. Der Sender, der wegen seiner anti-europäischen, anti-deutschen und anti-jüdischen Kommentare immer wieder in die Schlagzeilen gerät, machte jüngst mit seiner Kritik auch vor dem - in Polen sehr populären - Papst nicht halt: Der Sender warf Papst Benedikt XVI. vor, als deutscher Papst befangen zu sein, vor allem, wenn es um das Thema Antisemitismus gehe.

Papst Benedikt fährt nach Polen

Plakativ: der Papst kommt

Auch die anti-europäischen Töne aus Warschau dürften Benedikt nicht gefallen. Denn die Integration Polens in die EU war nicht nur seinem Vorgänger ein Herzensanliegen. Mit Spannung wird verfolgt, welche Worte der deutsche Papst in Auschwitz findet. Auch Angelika Eder ist auf die Papst-Rede gespannt: "Ich denke, aus seiner Perspektive ist es ganz selbstverständlich, dass er als Deutscher hier bestimmte Orte besucht, weil er nicht nur Papst ist, sondern auch Deutscher."

Es ist nicht der erste Besuch des Deutschen Joseph Ratzinger in Auschwitz. Aber es ist sein erster Besuch in der größten Vernichtungsstätte der Nationalsozialisten als deutscher Papst. Da haben seine Worte ein besonderes Gewicht.

"Er kann nicht im Namen der Deutschen sprechen"

Eine Premiere ist dagegen der Besuch des Papstes in dem katholischen Zentrum für Dialog und Gebet in Auschwitz. Es ist eine Begegnungsstätte überwiegend für Jugendgruppen aus europäischen Ländern und für jüdisch-christliche Gruppen. Anfang der 1990er-Jahre stieß die Einrichtung des Zentrums bei Angehörigen der jüdischen Religionsgemeinschaft auf Protest. Man hatte den Verdacht, die Kirche wolle den Ort für ihr eigenes Gedenken vereinnahmen. Diese Proteste sind mittlerweile verstummt, das Zentrum wird auch von jüdischer Seite akzeptiert.

Der deutsche Leiter des Zentrums, Manfred Deselaers, hält überhöhte Erwartungen an den Besuch des deutschen Papstes in Auschwitz allerdings für überzogen. Dieser könne nicht im Namen des deutschen Volkes sprechen, sondern er müsse ein Glaubenszeugnis geben. "Als deutscher Papst im katholischen Polen ein Glaubenszeugnis zu geben, ist wichtig für die deutsch-polnischen Beziehungen - und auch als deutscher Papst in Auschwitz," sagt Deselaers. Das sei nicht leicht, aber sehr wichtig. Der Papst müsse sagen, was es bedeutet, Kirche zu sein - nach Auschwitz. "Das wird seine Hauptaufgabe sein."

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