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Musik

Der Panda legt nach

Im Sommer 2012 stellte Cro die Hip-Hop-Welt auf den Kopf: Mit Songs wie "Einmal um die Welt " eroberte er die Charts im Sturm. Jetzt veröffentlicht der 24-jährige Maskenträger sein zweites Album "Melodie ".

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Cro - die Rückkehr des Panda-Rappers

Es ist ein Anblick, der den meisten vergönnt bleibt: Hip-Hopper Cro, sonst stets hinter einer Panda-Maske versteckt, sitzt völlig unmaskiert in einem Hamburger Hotel, um über sein zweites Album "Melodie" zu sprechen. Er hat ein freundliches Gesicht, doch auf der Straße würde er vermutlich nicht weiter auffallen. Deutlich anders ist das, wenn der 24-Jährige seine Maske trägt. Sie wurde in den letzten zwei Jahren zu seinem Markenzeichen und Cro zu Deutschlands erfolgreichstem Rapper. Sein 2012 beim Independent-Label Chimperator veröffentlichtes Debütalbum "Raop" - der Titel umschreibt seine Genre-Mischung aus Rap und Pop - hielt sich fünf Wochen an der Spitze der deutschen Album-Charts. Es wurde mit Doppelplatin und mit Deutschlands wichtigstem Musikpreis, dem Echo, ausgezeichnet.

Eine Karriere, auf die Cro lange hingearbeitet hat. Carlo Waibel, wie der Schwabe bürgerlich heißt, wurde 1990 in Aalen geboren und begann schon im Alter von zehn Jahren, eigene Musik aufzunehmen. 2011 legte er sich die Panda-Maske und den Künstlernamen Cro zu und veröffentlichte seine ersten Mixtapes. Vor allem der Song "Easy" sorgte schnell für Aufregung - und wurde auf YouTube bis heute fast 40 Millionen mal angeklickt. "Ich werde oft gefragt, warum ich so viel Erfolg hatte", reflektiert Cro. "Dabei habe ich gar nicht versucht, etwas zu machen. Ich hab einfach gemacht. Ein Bäcker denkt ja auch nicht lange nach, sondern backt einfach. Was daraus wird, entscheiden die Menschen."

Produktion bei Mama im Keller

28.03.2014 DW popXport Chimperator Cro

Cro: "Ohne Maske wäre ich auf der Bühne nicht so locker"

Mit dieser Einstellung im Hinterkopf machte Cro sich an die Aufnahmen seines zweiten Albums. "Erfolgsdruck habe ich genau einen Tag lang gespürt", sagt er. "Ich hatte kurz Angst, denn alle werden auf dieses Album gucken. Aber mit den ersten Songs, die kamen, wurde ich immer cooler, weil ich merkte, dass ich's noch kann. "Genau wie sein Debüt entstand auch "Melodie" im Keller seiner Mutter, wo Cro sich ein kleines Studio eingerichtet hat. Bis auf ein paar Beats, die von dem Hip-Hop-Produzenten Shuko stammen, nahm er das Album komplett in Eigenregie auf.

Musikalisch bleibt sich Cro auf "Melodie" weitestgehend treu. Rap und Pop vereint er erneut zu einer verdammt eingängigen Mischung. Da sind Gute-Laune-Pop-Songs wie "Jetzt" oder die mit Bläsern verzierte erste Single "Traum", aber eben auch Rapnummern wie "Intro - I Can Feel It" oder "Cop Love". "Die besten Songs sind die, die ganz spontan kommen", so Cro. Für "Traum" zum Beispiel habe er keine drei Stunden gebraucht. "Danach ist der Kopf aber auch oft leer. Dann brauche ich kurz Abstand, und für ein oder zwei Wochen geht gar nichts. Das ist schlimm. Ich denke dann immer kurz ich höre auf, ziehe aufs Land und werde Schäfer. Aber dann habe ich plötzlich doch wieder eine gute Idee." Gute Ideen, davon gibt es auf "Melodie" eine Menge, auch textlich. Cros Lyrics sind zugleich clever, frech und voller Wortwitz. "Hey Girl" zum Beispiel ist ein aus lauter einfallsreichen Vergleichen bestehendes Liebeslied und "Intro - I Can Feel It" eine eiskalte Abrechnung mit all jenen, die Cro nicht als echten Hip-Hopper sehen. In "Never Cro Up" hingegen weigert er sich erwachsen zu werden und feiert alberne Kindergartenreime ab.

Cro will kein Moralapostel sein

Ansonsten geht es meistens darum, dass es Cro ziemlich gut geht. Man könnte auch sagen, seine Texte sind leichte Kost. Aber genau das ist Cros Mission: Er will seine Zuhörer unterhalten. "Ich will kein Moralapostel sein und den Leuten sagen, was sie tun sollen", erklärt er. "Ich habe zwar meine Meinung zu gewissen Dingen, und hinter der stehe ich auch voll und ganz, aber ich binde sie niemandem auf die Nase. Ich finde für die Erziehung der Leute sind immer noch die Eltern zuständig, das ist nicht meine Aufgabe. Ich bin eher ein Wegbegleiter für sie."

18.12.2013 DW popXport Cro

Cro hat über schon 60 Masken verschlissen

Und die Maske? Die wird Cro auch in Zukunft weiter tragen. "Sie fühlt sich ein bisschen wie ein riesiges Maskottchen-Kostüm an", verrät er. "Man kann damit machen, was man will. Ich könnte auch nackt sein und es wäre egal, denn man erkennt mich ja nicht. Das ist wie ein Schutzschild. Ohne Maske wäre ich auf der Bühne nicht so locker und cool. "Zudem habe er dank ihr in den letzten zwei Jahren viel über unsere Gesellschaft gelernt. "Die Leute haben ja keine Ahnung, wer ich bin. Ich könnte ihr Nachbar sein, der jeden Tag den Einkauf hochträgt", sagt er. "Im Alltag, wenn ich ohne Maske rumlaufe, sind manche Menschen erst nicht besonders freundlich zu mir. Aber wenn dann herauskommt wer ich bin, sagen auf einmal alle 'Ohh' und 'Ahh'." Über 60 Masken hat Cro übrigens schon verschlissen. Nachschub bekommt er von seinem Maskenhändler. Wie der heißt, wird allerdings nicht verraten. "Sonst sind die Masken ständig ausverkauft."

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