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Sport

Der Pakt von Recife

Nein, betonen Jogi und Klinsi einhellig, es werde beim Duell in Recife kein zweites Gijon geben. Doch DW-Sportredakteur Joscha Weber hat da einen Verdacht - und dafür auch ein paar hanebüchene Begründungen.

Alles ist verdächtig dieser Tage. Da wäre zum Beispiel diese Meldung: "Bundesbank-Reserven: Bundesregierung will Gold in den USA lassen". Aha. Die Forderung, die deutschen Goldbarren aus ihrem derzeitigen Lager in New York wieder nach Deutschland zu bringen, sei - mal frei aus der Politikersprache ins Deutsche übersetzt - Unsinn. Schließlich passen die Amerikaner hervorragend auf unser Gold auf, so die Begründung. So, so. Wir parken also weiterhin unsere milliardenschweren Barren-Türme in einem gut gesicherten New Yorker Keller. Einfach so, weil wir den Amerikanern ja vertrauen. Oder steckt mehr dahinter?

Dass diese Meldung nur zwei Tage vor dem WM-Spiel zwischen Deutschland und den USA über die Ticker ging, macht mich stutzig. Hier ist doch etwas faul. Schließlich geht es um viel in dieser Partie: um den Einzug ins WM-Achtelfinale - mit Gold praktisch gar nicht aufzuwiegen. Und der Verdacht ist ja auch schon längst in aller Munde: Gijon heißt er. Die spanische Hafenstadt am Atlantik mit ihren schönen Kirchen und ihrem noch schöneren Strand ist ein Symbol: für einen fußballerischen Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und Österreich.

Das Grauen lebt weiter auf Youtube

Das war bei der WM 1982, die ich dummerweise verpasst habe: Ich war noch gar nicht geboren. Jetzt muss das große WM-Buch mit historischen Details helfen - doch das war mir für die Reise nach Brasilien leider viel zu schwer. Also schnell auf Youtube geklickt, das Videoarchiv des Fußballs. Dort sehe ich Grausiges: Ein ziemlich matschig-unscharfes 4:3-Bild zeigt neben einem Tor von Horst Hrubesch vor allem eins - unzählige Querpässe. So geht das 6:37 Minuten lang, zum Glück sind es keine 90. Die Zuschauer im Stadion tun mir noch heute leid.

Horst Hrubesch köpft aufs Tor im Spiel Deutschland gegen Österreich bei der WM 1982 in Gijon (Foto: imago/WEREK)

Nichtangriffspakt bei der WM 1982 in Gijón: Horst Hrubesch köpft aufs Tor der Österreicher, aber natürlich ohne Erfolg

Und jetzt also Recife, wieder eine Hafenstadt, wieder am Atlantik gelegen. Und wieder hat diese Stadt doch tatsächlich schöne Kirchen und einen noch schöneren Strand. Sehr verdächtig. Gut Horst Hrubesch spielt nicht mehr und auch niemand, der seinem Stil im Entferntesten ähneln würde, aber das lassen wir jetzt mal außer Acht. Es passt nicht in die schöne Verschwörungstheorie. Eher schon das hier: Die Trainer beider Mannschaften - Jürgen Klinsmann und Joachim Löw - kennen sich nicht nur, waren nicht nur Kollegen und sind immer noch Freunde, sondern sind auch noch beide: Schwaben. Und die sind schließlich bekannt für ihre Sparsamkeit. Kräftesparend eine Runde weiterkommen mit einem schiedlich-friedlichen Unentschieden unter Freunden - "abr gern do!" Ach, Löw ist kein Schwabe, sondern ein Badener? Naja, knapp daneben ist auch manchmal drin.

Im Auftrag der deutsch-amerikanischen Beziehungen

Die Indizien sind erdrückend, doch ich lege gerne noch einen oben drauf. Man muss sich doch nur mal - ganz amerikanisch - das "bigger picture" anschauen: Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind schwer beschädigt. Spionagenester am Brandenburger Tor, Lauschangriff auf deutsche Bürger, Bespitzelung des Kanzlerinnenhandys. Wer, wenn nicht der Fußball, kann nun noch schlichten? Die deutsch-amerikanische Freundschaft liegt in den Händen zweier Trainer-Freunde - und die fußballerische Kumpanei wird zur Staatsräson. Angeordnet von ganz oben. Warum wohl besuchte die Bundeskanzlerin kürzlich die Nationalelf in der Mannschaftskabine? Nur für ein Twitter-Foto? Wohl kaum… Meine Ermittlungen ergeben: Er ist längst beschlossene Sache, der Pakt von Recife.

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