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Asien

Der neue Hoffnungsträger

Auf dem Petersberg haben die Delegierten die Einrichtung einer Übergangsregierung für Afghanistan beschlossen. Der neue Regierungschef ist Paschtune und gehört damit der größten Volksgruppe des Landes an.

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Hamid Karsai wird als Regierungschef die Einberufung der Loya Dschirga, der Großen Versammlung der Afghanen, vorbereiten

Sayed Hamid Karsai heißt der neue Hoffnungsträger für Afghanistan. Als Chef der neuen Übergangsregierung soll er das Land am Hindukusch in den kommenden sechs Monaten in eine friedlichere Zukunft führen. Die Delegierten auf dem Petersberg einigten sich damit auf einen Mann, der an der Konferenz selber gar nicht teilgenommen hatte. Statt dessen stand Karsai "auf dem Schlachtfeld", wie ein Konferenzteilnehmer zitiert wird.

Gewinner des Machtpokers

Nur einmal, zu Beginn der Konferenz, ließ sich der 46jährige per Konferenzschaltung mit den Delegationen auf dem Petersberg verbinden. "Wir sind ein Volk und eine Kultur", sagte Karsai. Danach ward er nicht mehr gesehen und gehört. Dennoch ging er als Gewinner aus dem Machtpoker um die politische Zukunft seiner Heimat hervor. "Er ist im Vielvölkerstaat Afghanistan mit niemandem verfeindet", begründet ein Beobachter aus Teheran die Sogkraft Karsais. Zudem werde er von der Nordallianz, die nach ihrem Siegeszug gegen die radikal-islamischen Taliban faktisch die Macht in Afghanistan hat, und den Monarchisten um Exil-König Sahir Schah (87) unterstützt. Mehr noch: Karsai gehört dem Königsclan an – "also im weitesten Sinne zur Königsfamilie".

Moderater Moslem

Viele Gemeinde-Älteste der Bevölkerungsmehrheit der Paschtunen erkennen Karsai an. Der moderate Politiker gilt auch als Protegé der USA. Hartnäckig halten sich Gerüchte, der Paschtune werde vom US-Geheimdienst CIA finanziert. Karsai hatte in der Vergangenheit vergeblich versucht, die Taliban zur kampflosen Auslieferung des Terroristenchefs Osama bin Laden zu bewegen. Dabei hatte der Paschtune, der sich selbst als moderaten Moslem beschreibt, anfangs die Taliban unterstützt. Zu ihrem Gegner wurde er, weil er den offensichtlichen Einfluß Pakistans und anderer Ausländer, wie Osama bin Laden, auf die Bewegung der Taliban missbilligte. Hinter der Ermordung seines Vaters vor zwei Jahren in Peschawar werden gemeinhin die Taliban vermutet.

Anhänger des Ex-Monarchen

Karsai kehrte schon kurz nach Beginn der amerikanischen Luftschläge in Afghanistan aus dem pakistanischen Exil in seine Heimat zurück. Dort warb er um Unterstützung für den früheren König Sahir Schah und um die Einberufung der traditionellen Großen Versammlung der Afghanen, der Loja Dschirga. Er spricht fließend Englisch und war bereits stellvertretender Außenminister in Afghanistans erster Mudschaheddin Regierung 1992.

  • Datum 05.12.2001
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1S8H
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