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Kultur

Der neue Duden ist da

Er ist dicker denn je. Die 25. Auflage des Dudens enthält 5000 neue Wörter. Aber gehören "It-Girl" und "Komasaufen" wirklich in das Standardwerk der deutschen Rechtschreibung?

Der neue Duden, Auflage 25 (Foto: Duden)

Dicker denn je: Die 25. Auflage des Dudens

Schild mit dem deutschen Bundesadler und der Aufschrift Bad Bank (Foto: dpa)

In aller Munde: Die Bad Bank. Jetzt steht sie auch im Duden

"Abwrackprämie", "Twittern", "Bad Bank" - Sie wissen nicht, was das ist oder wie es ausgesprochen wird? Ab sofort können Sie es in dem Standardwerk der deutschen Rechtschreibung, dem Duden, nachschlagen. In der Jubiläumsausgabe - Ausgabe 25 - tauchen gleich 5000 neue Wörter auf. Insgesamt sind es 135.000 Stichwörter und eine halbe Million Beispiele, Bedeutungserklärungen und Angaben zu Worttrennung, Aussprache oder Grammatik. Darunter auch das neue Lieblingswort von Werner Scholze-Stubenrecht, dem Chefredakteur des Dudens: "Von den Neuaufnahmen gefällt mir Sommermärchen am besten - das Wort der Fußball-WM 2006. Es ist mit Sommer und Märchen nur positiv besetzt. Das ist eine sehr schöne Bezeichnung." Weniger schön, aber jetzt auch zum Nachschlagen: "Komasaufen" - also das Betrinken bis zur Bewusstlosigkeit.

Welche Wörter in den Duden aufgenommen werden, entscheidet ein Redaktionsteam. Wesentliches Kriterium: Wie oft wird ein Wort verwendet? Früher lasen Mitarbeiter sämtliche Zeitungen, Zeitschriften und Bücher, zählten Wörter, legten Karteikartensammlungen an. Heute erledigt diese Arbeit der Computer, sagt Scholze-Stubenrecht: "Wir haben jetzt ganze Zeitschriftenjahrgänge, ganze Bücher elektronisch aufbereitet. Wir können statistische Abfragen machen und so feststellen: Aha, dieses Wort wird sehr häufig verwendet."

Immer mehr Anglizismen

Porträtbild von Konrad Duden

Der Gründer: Konrad Duden brachte das Wörterbuch 1880 erstmals heraus

Nur im deutschen Sprachgebrauch häufig verwendete, etablierte Wörter kommen in den Duden - auch japanische, spanische, vor allem aber englische sind dabei. Gerade die Anglizismen nehmen zu. So stehen neben "Bad Bank" nun auch "It-Girl" oder "Twittern" im Duden-Wörterbuch. Sprachwissenschaftler sorgen sich deshalb: Stirbt die deutsche Sprache aus? Wird sie immer mehr verwässert?

"Wir kennen diese Sorgen natürlich", sagt Scholze-Stubenrecht. "Wir versuchen herauszufinden, bei welchen Wörtern es ein Nachschlagebedürfnis geben könnte - egal, aus welcher Sprache das Wort stammt." Der Duden sei nicht die Sprachpolizei, der Hüter der deutschen Wörter, sondern ein Werkzeug für alle, die sich über deutsche Sprache informieren wollen.

Manch ein Sprachwissenschaftler bemängelt das. Muss man die deutsche Sprache schützen? Brauchen wir eine Institution, die mehr neue deutsche Wörter schafft und aufpasst, dass fremdsprachige Einflüsse nicht überhand nehmen? Scholze-Stubenrecht sieht diesen Bedarf nicht: "Ich denke, mündige Bürger müssten eigentlich selbst entscheiden, welche Wörter sie verwenden und welche nicht. Außerdem gibt es durchaus auch Eindeutschungen: Neben dem Begriff Computer ist Rechner schon längst üblich geworden."

Freie Wahl: Aufzug, Fahrstuhl oder Lift?

Der Duden-Chefredakteur sieht die sprachliche Vielfalt sogar positiv: "Was ist schlimm daran, wenn wir neben Aufzug und Fahrstuhl auch Lift sagen können? Wir haben doch so viel mehr Möglichkeiten, und was einem nicht gefällt, das muss man ja auch nicht verwenden."

Damit das Wörterverzeichnis nicht ins Unermessliche anschwillt, werden auch immer wieder Wörter gestrichen. Kriterium hier: Kennt man das Wort noch? Benutzt es noch jemand? Bei "Jahrweiser" - ein anderes Wort für Kalender -, "Apostilb" - ein veralteter Begriff für eine physikalische Maßeinheit - oder bei "Portechaise" - ein französischer Begriff für Tragsessel - ging der Daumen der Wortschatz-Jury dieses Mal nach unten, sie wurden aus dem Duden gestrichen.

Autor: Benjamin Wüst
Redaktion: Dеnnis Stutе