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Amerika

Der neue Chef der Chile AG?

Sebastian Piñera ist auf dem Weg, in Chile eine Zeitenwende herbeizuführen: Der Milliardär könnte der erste rechte Präsident seit dem Ende der Militärdiktatur zu werden. Alles hängt jetzt von der Stichwahl im Januar ab.

(Foto: AP)

Moderner Konservativismus meist ohne Krawatte: Sebastian Piñera

"Eine Million neue Jobs, eine Million Hoffnungen", versprechen die Wahlplakate des Investors und Milliardärs Sebastián Piñera, dem Herausforderer des Regierungsbündnisses "Concertación". Transparente und Werbetafeln ziert das immer gleiche Siegerlächeln des Selfmademans und Sunnyboys, zumeist ohne Krawatte: "Wählt Piñera, wählt den Wandel!"

Piñera, der inmitten des Wahlkampfs am 1. Dezember dieses Jahres seinen 60. Geburtstag feierte, promovierte in den 70er-Jahren an der 'Harvard Business School'. Der Ökonom gilt als Prototyp eines erfolgreichen Unternehmers, Durchstarters und effektiven Administrators.

Sebastián Piñera zählt zu den zehn reichsten Männern Chiles. Sein Vermögen wird auf bis zu 1,3 Mrd. Dollar geschätzt; in der Forbes-Weltrangliste der Menschen mit dem dicksten Konto rangiert er immerhin auf Platz 700. Piñera nimmt bereits zum zweiten Mal Anlauf auf Chiles höchstes Staatsamt. Bei den Präsidentschaftswahlen 2005 erhielt er mit 25 Prozent das zweitbeste Ergebnis, unterlag aber in der Stichwahl der amtierenden Präsidentin Michelle Bachelet.

(Foto: AP)

Piñeras mit Familie beim Wahlkampfabschluss in Santiago am 10. Dezember

'Moderner' Konservativismus

Piñera kommt aus einer Familie der chilenische Oberschicht und wuchs in den USA auf. Seine erste Dollarmillion machte er in der Zeit der Diktatur mit der Privatisierung öffentlicher Banken. 1988 rückte er von Pinochet ab und bekannte, beim damaligen Plebiszit für das Ende der Diktatur zu stimmen. Dieses Wagnis Piñeras sorgte in der Pinochet-treuen Rechten für viel Wirbel, brachte ihm aber viel Respekt ein. Fortan stand der Unternehmer für einen "nicht-pinochetistischen", modernen Konservativismus (nach dem Vorbild von Spaniens "Partido Popular" oder der deutschen CSU).

Sein Durchbruch in die obere Liga der Business-Welt gelang Piñera in den 80er-Jahren mit der Gründung der Kreditkartenfirma Bancard und dem Einstieg bei Chiles privatisierter Fluglinie LAN. Die ehemals staatliche Fluggesellschaft machte er zu einer der rentabelsten Linien der Welt.

Zu Wahlkampfauftritten fliegt der passionierte Pilot, wann immer es geht, am Steuer des eigenen Hubschraubers. Von 1990 bis 1998 saß er für seine Partei "Renovación Nacional", "Nationale Erneuerung", im chilenischen Senat. Mit seinem Einstieg vor wenigen Jahren in einen Fernsehsender erstrecken sich seine unternehmerischen Aktivitäten inzwischen auf die Bereiche Investment, Immobilien, Flugverkehr, Medien und Versicherungsgesellschaften.

An der Spitze der "Chile AG"

(Foto: aspring)

Von Staatsbetrieb zur Spitzenairline: Piñeras Fluggesellschaft LAN

Gut 44 Prozent der Wahlberechtigten stimmten bei der Wahl für Piñera, damit liegt der Milliardär mit 14 Prozentpunkten deutlich vor Eduardo Frei, dem Kandidaten der Concertación. Dennoch reicht es nicht für einen Sieg: Eine Stichwahl am 17.Januar wird die Entscheidung zwischen Piñera und Frei bringen. Ein in Chiles Mittelschichtskreisen oft gehörtes Urteil über den erfolgreichen Unternehmer lautet: Ex-Präsident Frei habe seine Chance bereits gehabt, Piñera verdiene sie. Schließlich habe er viel Erfahrung und leite zahlreiche Firmen. Und was sei schon der Unterschied zwischen der Führung eines Unternehmens und eines Landes?

Selbst wenn es der Milliardär Piñera am Ende doch nicht in den Präsidentenpalast, die Moneda, schaffen sollte, bedeutete sein Etappen-Wahlsieg doch eine Zäsur - und könne die politische Kultur des Landes verändern. Die Zeit der Concertacion, die seit fast zwei Jahrzehnten das Land führt, läuft ab. Auch wenn es Frei in der Stichwahl am 17. Januar gelingen könnte, mit Hilfe der "MEO" (Ominam)-Wähler Piñera aufzuhalten, wird wenig sein wie es war.

Autor: Patricio Luna

Redaktion: Sven Töniges