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Bücher

Der neue Bücherfrühling

Der Bücherfrühling 2004 steht ganz im Zeichen der Vergangenheit. Kindheitserinnerungen, Familien- und Gesellschaftsromane widmen sich deutscher Geschichte seit dem Ersten Weltkrieg.

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Viel Neues von deutschen und ausländischen Autoren

Nach dem Filmerfolg von "Good By Lenin" hat auch die "Ostalgiewelle" wieder einen neuen Schub bekommen. Angefangen bei der Frage, wie schmeckte der Osten (Ulla Heise: Rotkäppchen hat Mumm) oder warum Ost- und West-Frauen unterschiedlich sind (Martina Rellin: Klar bin ich eine Ostfrau!) bis hin zu Alltagsgeschichten aus der DDR (Michael Tetzlaff: Ostblöckchen - Neues aus der Zone).

Aber auch in der Belletristik zählt die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit noch zu den Top-Themen. Den Anfang hat im Januar Christoph Hein gemacht mit seinem Roman "Landnahme". Das ist die Geschichte eines Vertriebenen, der als Kind in eine sächsische Kleinstadt kommt, sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Hass durchsetzt und schließlich - mit nicht immer ganz legalen Mitteln - Karriere macht: Die Biografie eines Außenseiters verschränkt mit den Wegmarken der DDR von der Zwangsenteignung der Bauern bis zum Mauerfall.

Eine Außenseiterin steht auch im Mittelpunkt des Debütromans von Kerstin Mlynkec: "Drachentochter" spielt in den 1960er-Jahren bis nach der Wende. Eine rebellierende Jugendliche - die es ja offiziell nicht geben durfte - bäumt sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen das System auf.

Westdeutschland im Visier

Aber auch im Westen wird zurückgeschaut: Burkhard Spinnen erinnert sich in "Legosteine" an seine Kindheit um 1968. Der Schweizer Urs Widmer setzt seinem Vater, einem leidenschaftlichen Literaturliebhaber, ein literarisches Denkmal ("Das Buch des Vaters"). Sozusagen die Fortsetzung zu "Der Geliebte der Mutter", in dem Widmer vor vier Jahren seine Mutter porträtiert hat.

Auch Georg Klein, der mit "Libidissi" und "Barbar Rosa" in die Profiliga der jüngeren deutschen Autoren aufgestiegen ist, wendet sich in seinem neuen Roman zum ersten Mal der Vergangenheit zu: "Die Sonne scheint uns" reicht zurück bis zum Zweiten Weltkrieg.

Schlafen ist uncool

Ganz in der Gegenwart, und damit fast schon eine Ausnahme in diesem Frühjahrsprogramm, spielt Kathrin Rögglas Roman "Wir schlafen nicht". Röggla, knapp über 30, gehört eher zu den experimentellen Autoren, lebt in Berlin. Zuletzt hatte sie in "really ground zero" ihre Erfahrungen mit dem 11. September verarbeitet, den sie in New York miterlebt hat. In "Wir schlafen nicht" geht es jetzt um die moderne Arbeitswelt, in der Arbeit zur Droge geworden ist, in der es nur noch um Job, Karriere und Konkurrenz geht - und Schlafen eben uncool ist.

Ein Blick auf die internationale Literatur

Unter den Neuheiten von ausländischen Autoren finden sich prominente Namen: Neues von dem Peruaner Mario Vargas Llosa ("Das Paradies ist anderswo"), dem Portugiesen José Saramago ("Der Doppelgänger" - ein Kriminalstück), ein neuer Afrikaroman von Henning Mankell "Das Auge des Leoparden" und das Neueste vom aktuellen Nobelpreisträger John Maxwell Coetzee: "Elisabeth Costello", das Porträt einer ungewöhnlichen alten Dame.

USA stark im Trend

Stark sind auch wieder die Amerikaner vertreten; besonders bei Rowohlt, der dieses Programmsegment besonders pflegt: Ein neuer Paul Auster "Nacht des Orakels", und nach dem Erfolg von "Middlesex", jetzt neu aufgelegt der erste Roman von Jeffrey Eugenides von 1993 "Die Selbstmord-Schwestern". Das Thema ist der schöne Schein und die frustrierende Realität in einer amerikanischen Kleinstadt Anfang der 1970er-Jahre.

Wie überhaupt Bücher über die amerikanische Provinz und die seelischen Abgründe hinter den schmucken Reihenhaus-Fassaden en vogue sind. Zum Beispiel im Roman des britischen Autors DBC Pierre "Jesus von Texas". Das Buch ist 2003 mit dem renommierten Booker-Preis ausgezeichnet worden und hat gute Chancen, auch in Deutschland ein Erfolg zu werden. Eine bitterböse Satire, die thematisch an Michael Moores "Bowling for Columbine" anschließt.