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Kunst

Der Mythos Vincent van Gogh

Keiner kannte ihn, als er sich umbrachte. Heute feiert ganz Europa van Gogh. Zu seinem 125. Todesjahr zeigen Ausstellungen den Einfluss des rastlosen Malers, der nicht nur in Frankreich großartige Werke schuf.

In Holland funkelt van Gogh sogar im Dunkeln. Abertausende Glassteinchen, die sich tagsüber mit Licht vollsaugen, sind in die Fahrbahn eines nagelneuen Radwegs eingelassen. Eine Hommage an van Goghs "Sternennacht". Der Radweg verläuft in der Nähe von "Van Gogh-Village". So nennt sich die Stadt Nuenen in der niederländischen Provinz Brabant mit den kleinen Backsteinhäusern und den gepflegten Vorgärten. Hier verbrachte van Gogh die längste Zeit seines Lebens. Geldnot und Einsamkeit trieben den wohl populärsten Künstler der Niederlande am 5. Dezember 1883 zurück in sein Elternhaus nach Nuenen. Viele seiner Motive gibt es noch heute dort zu entdecken.

Das Pfarrhaus vom Garten aus gesehen - mit dem Atelier rechts. Foto: Nordbrabant Museum

Das Pfarrhaus vom Garten aus gesehen - mit dem Atelier rechts

Die schönsten Orte, die er gemalt hat, hat das Van-Gogh-Zentrum "Vincentre" in Nuenen in dem Leitfaden "Auf Vincents Wegen" zusammengefasst. "Outdoor-Museum" nennt die Organisatorin des "Van-Gogh-Village", Simone van der Heiden, deshalb Nuenen. In Brabant malte er so soviel wie nie zuvor: "Es entstanden 550 Werke. Ein Viertel seiner gesamten Produktion", sagt van der Heiden stolz. 23 Monate blieb er, so lange wie nirgendwo sonst im Laufe seines Lebens. Das graue Steinhaus, in dem die Familie van Gogh lebte, steht noch. Für ihn muss es der pure Luxus nach Monaten der Entbehrung gewesen sein, denn er hatte erstmals ein eigenes Atelier. Nuenen bildet den Schlusspunkt dauernder Niederlagen und Misserfolge. Den Haag, Paris, London, Brüssel, Borinage, Drenthe: Meist bleibt er nur wenige Wochen am selben Ort. Er ist unfähig, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, hat kein gutes Händchen bei der Berufswahl: Er versucht sich als Marineoffizier, als Kunsthändler und als Pfarrer, bevor er schließlich zu malen beginnt.

Nuenen - das "Van Gogh-Village"

Gemälde Die Kartoffelesser

Die Kartoffelesser - das Gemälde hängt im Kröller-Müller Museum in den Niederlanden

"Pa und Mam haben mich genauso gerne wieder bei sich aufgenommen wie einen räudigen Hund," schrieb Vincent an seinen Bruder Theo. Dabei habe er nur weggewollt, "weg von der Hektik von Paris und London". Der kleine Ort Nuenen in der Nähe von Eindhoven kann sich nun darüber freuen. Im Gedenkjahr, das unter dem Motto "125 Jahre Inspiration" mit Ausstellungen und Veranstaltungen in ganz Europa an den bedeutenden Maler erinnert, ist es eine feine Adresse. Immerhin entstanden hier die "Kartoffelesser", eines der wichtigsten frühen Gemälde van Goghs. "Bauernmaler will ich sein", schreibt er in einem Brief bei seiner Ankunft in Nuenen. Van Gogh spricht durch seine Briefe zu uns. 2000 bis 3000 sollen es insgesamt gewesen sein, davon schrieb er allein 600 an seinen Bruder Theo. 820 sind erhalten geblieben. Es sind großartige Zeitdokumente, in denen er auf hohem theoretischen Niveau und mit beeindruckendem Reflexionsvermögen von Minenunglücken genauso berichtet wie von seinem Ringen um Erfolg als Künstler. Und von seiner unglücklichen Liebe zur Nachbarstochter Margot Begemann, die in Nuenen nur ein paar Häuser entfernt von den van Goghs wohnte.

Vincent van Gogh als Marke

Gemälde Die Brücke von Arles, Foto: Kröller-Müller Museum

"Die Brücke von Arles" gehört auch zur Sammlung des Kröller-Müller Museums

Van Gogh ist ein Name, den das Publikum weltweit liebt und kennt. 30 Institutionen haben sich zusammengeschlossen, um das Erbe zu würdigen. Belgiens Kulturhauptstadt Mons feiert die Geburt des Künstlers. Achtzehn Monate hielt Vincent im Bergbaurevier Borinage durch: damals eine der ärmsten Gegenden Europas. Er kam als Laienprediger und ging als Künstler. Die Begegnung mit den Arbeitern, die aussehen wie "Schornsteinfeger", wurde zur Initialzündung für ihn, mit dem Zeichnen zu beginnen. "Ich nehme den Bleistift wieder zur Hand", teilte er seinem Bruder mit. Erstmals waren diese Fingerübungen in der Ausstellung "Van Gogh in Borinage" in der Kulturhauptstadt Mons von Januar bis Mai diesen Jahres im "Musée des Beaux Arts Mons" zu entdecken.

Eine kleine Auswahl der Werke aus der Zeit in Nuenen präsentiert das Nordbrabant Museum in 's-Hertogenbosch. Dazu gesellen sich Bewunderer wie David Hockney, dessen dreiteilige Baumserie im Wechsel der Jahreszeiten eine Hommage an van Gogh ist. "Vincent lässt mich die Welt intensiver erleben", sagte der britische Maler, dessen farbstarke Bilder so wirken, als hätte der Geist des Niederländers neben ihm an der Staffelei gestanden.

Einfachheit und Natur

"Design im Land der Kartoffelesser" nannte das Nordbrabant-Museum eine zweite Ausstellung. Junge Designer aus Eindhoven nahmen Themen aus den Brabanter Werken als Leitfaden für technisch innovative Gestaltung. Dazu arbeiteten sie mit Grundstoffen wie Papierabfällen oder recyceltem Kunststoff.

Weiße Clogs, Foto: Nordbrabant Museum

Design aus dem Land der Kartoffelesser von Ineke Hans

Wer van Goghs Farbexplosionen sehen will, der muss ins Kröller-Müller Museum in Otterlo reisen. Das Museum trägt den Namen der Sammlerin Helene Kröller-Müller, die zusammen mit ihrem Ehemann Anton Kröller in den Jahren 1907 bis 1922 nahezu 11.5000 Kunstwerke ankaufte. Sie war von van Gogh so begeistert, dass sie die größte private Sammlung des Künstlers besitzt. Bis Ende September werden im Kröller-Müller Museum Werke von van Gogh neben denen von Zeitgenossen aus unterschiedlichen Schaffenszeiten ausgestellt.

Auch wenn van Gogh die bekanntesten Werke in Frankreich schuf, den Großteil des Gedenkjahrs bestreiten die Niederländer. Vor allem, wenn es um neuartige Blickwinkel geht: Ab dem 25. September stellt das van Gogh-Museum in Amsterdam die Werke von Edvard Munch und van Gogh gegenüber. Denn die weisen einige Parallelen auf, auch wenn sich beide Künstler nie begegnet sind.

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