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Sport

Der Mythos Jochen Rindt

Er war der erste deutschsprachige Formel-1-Weltmeister. Der gebürtige Mainzer wuchs in Österreich auf. Mit 28 Jahren starb Jochen Rindt bei einem Unfall 1970 in Monza. Als Einziger wurde er posthum Weltmeister.

Der deutsche Rennfahrer Jochen Rindt vor dem Großen Preis von Deutschland am 2. August 1970 in Hockenheim (Foto: dpa)

Jochen Rindt

Es ist der 5. September 1970. Abschlusstraining zum Großen Preis von Italien in Monza. Seine finnische Ehefrau stoppt die Zeiten mit. Doch Nina wartet diesmal vergebens. Jochen Rindt, dominierender Formel-1-Pilot, überquert die Ziellinie nicht mehr. Jackie Stewart eilt herbei, der Titelverteidiger aus Schottland, und sagt die Worte, vor denen die junge Frau sich immer gefürchtet hat: "Jochen hatte einen schweren Unfall." In der Parabolica-Kurve ist Rindt mit seinem Lotus 72 in die Leitplanken gekracht. Er stirbt. Und die Formel 1 verliert eine ihrer charismatischsten Persönlichkeiten.

Idol und Mythos

Jochen Rindt sitzt am Lenkrad seines Lotus 72 (Foto AP)

Jochen Rindt in seinem Lotus 72

"Ich konnte lange Zeit nicht begreifen, dass es geschehen war. Er war mein Idol. Und ist ein Mythos geblieben", erinnert sich der Österreicher Niki Lauda. Rindt, der am 18. März 1942 in Mainz geboren wurde und seine Eltern bei einem Bombenangriff auf Hamburg 1943 verlor, wuchs bei den Großeltern im österreichischen Graz auf. Für die Alpenrepublik ging er auch im Motorsport an den Start. Und wurde nach seinem tragischen Tod als bislang einziger Fahrer posthum Weltmeister. Seinem ärgsten Rivalen, dem Belgier Jacky Ickx, gelang es nicht mehr, in den drei noch ausstehenden Rennen mehr Punkte einzufahren als Rindt bis zu seinem tödlichen Unfall gesammelt hatte. Schon bei Rindts Begräbnis, zu dem rund 30.000 Trauernde kamen, hatte Rennfahrer Jo Bonnier allen Piloten aus dem Herzen gesprochen: "Für alle von uns bist du der Weltmeister!" Den Pokal für den Titelträger der Saison 1970 nahm die Witwe des Piloten entgegen.

Rindt galt als eine schillernde Figur, wurde in Österreich als Nationalheld gefeiert. Ein Fahrer, der sich auch gern mal im Pelzmantel zeigte oder mit Zigarette. Ein Familienvater, dessen Tochter 1968 geboren wurde. Er erlebte Natascha nur zwei Jahre. "Heutzutage wäre er nicht gestorben", sagt Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone. Sicherheitsvorkehrungen wie heute gab es damals nicht. Nicht nur die Strecken bargen Gefahren, auch die Autos. Erst recht der ultraflache Lotus, wie viele meinten. Rindt selbst war sich dessen bewusst. "Bei Lotus kann ich Weltmeister werden oder draufgehen", sagte er. Dieses Risiko gehe er ein. Lotus-Teamchef Colin Chapman, der den Wagen konstruiert hatte, wurde Jahre später vom Verdacht der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

Angst vor einem Feuerunfall

Jochen Rindt kurz vor seinem tödlichen Unfall am 5. September 1970 in Monza (Foto: AP)

Rindt vor seinem tödlichen Unfall

Rindt war 1965 bei Cooper in die Formel 1 eingestiegen. In demselben Jahr hatte er sich mit dem Triumph bei den prestigeträchtigen 24 Stunden von Le Mans bereits weltweit im Motorsport einen Namen gemacht. Zur Saison 1968 wechselte er in den Rennstall von Jack Brabham und noch im gleichen Jahr dann zu Lotus. Insgesamt fuhr er 60 Formel-1-Rennen und gewann davon sechs, fünf alleine 1970 für das britische Lotus-Team - bis zu seinem tödlichen Unfall. Rindt gewann die Rennen in Monte Carlo, Zandvoort, Clermont-Ferrand, Brands Hatch und Hockenheim. Wenige Wochen zuvor war sein Freund Piers Courage ums Leben gekommen - verbrannt in seinem Auto beim Rennen im niederländischen Zandvoort.

Weil er selbst einen Feuerunfall fürchtete und schnell aus dem Auto flüchten wollte, legte Rindt den Gurt nicht korrekt an. Auch an diesem 5. September. Rindt überholt den Neuseeländer Denny Hulme. Beim Einbremsen bricht die Bremswelle. Der Lotus 72 kracht links in die Leitplanke. Rindt stirbt noch am Unfallort. In demselben Streckenabschnitt war neun Jahre zuvor Wolfgang Graf Berghe von Trips verunglückt und gestorben. Rindt selbst hatte einen Rücktritt erst nach dem WM-Titelgewinn in Aussicht gestellt. "Das Rennfahren soll nur ein Abschnitt meines Lebens sein. Es gibt noch so vieles, was ich tun möchte."

Autor: Arnulf Boettcher (sid, dpa)
Redaktion: Lutz Kulling

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