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Politik

Der Marathon ums Leben

Genau zwei Jahre sind seit dem Weihnachtstsunami von 2004 vergangen. Kann man nun sicher urlauben an den Orten, die zerstört wurden von den Wellen?

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Vier Meter hoch die Wellen. Eisig die Winde. Die ja auch direkt aus China kommen. Drohen sie die Hauptsaison zu vereinnahmen, nach denen sich viele Hoteliers, Restaurantbetreiber und Clubbesitzer gesehnt hatten. Immerhin leiden an vielen Orten der Westküste Thailands – an der Andamanen-See, vor zwei Jahren so schwer getroffen vom Weihnachtstsunami 2004 – noch immer an den Spätfolgen der Naturkatastrophe.

Die Gäste bleiben auch diesen Winter weitgehend aus. Zwar sind die Strände Phukets und anderer Gebiete an der Andamanenküste gut gefüllt mit Sonnenhungrigen, doch die Besucherzahlen sind nichts im Vergleich zu denen vor dem Tsunami vor zwei Jahren. Der pure Horror, die schmerzhaften Erinnerungen an Bilder, die unvergesslich verhaftet bleiben, und die Angst vor einer möglichen Wiederholung lassen die westlichen Urlauber zur Weihnachtszeit andere Ziele besuchen – Vietnam zum Beispiel boomt.

Erneut böses Beben

Und dann kam vergangene Woche auch noch das arge Erdbeben von Sumatra, dessen Folgen zwar weit weniger spektakulär waren als die von vor zwei Jahren, aber: dennoch. Schon wieder ein Erbeben zur Weihnachtszeit. Das Meteorologische Amt Thailands war in höchster Alarmbereitschaft, war aufs Schlimmste gefasst – das dann glücklicherweise ausblieb.

Den Touristen in den Strandhotels Phukets war die Meldung in den Nachrichten ziemlich egal – nicht aber den Anwohnern in den Gebieten, die vor genau zwei Jahren die Katastrophe hautnah miterlebten (und überlebten). Die Bewohner von Takua Pa, nahe der damals völlig zerstörten Gemeinde von Khao Lak, reagierten auf die Nachricht vom Sumatra-Beben instinktiv. Rannten – scheinbar um ihr Leben. Flüchteten in nahe, höher liegende Dörfer.

Da fragt man sich natürlich, warum sie dem international so gepriesenen Vorwarnungssystem des Landes nicht trauen. Den Bojen 1100 Kilometer westlich von Phuket. Den 80 Beobachtungstürmen, die entlang der thailändischen Westküste installiert wurden.

Man kann die Reaktion der Einheimischen durchaus mit deren Instinkten, deren Überlebenswillen erklären. Doch sie selbst haben andere, einleuchtendere Gründe.

Rost und idiotische Routen

In einigen Gebieten wurde zuletzt im Frühsommer eine Katastrophenübung abgehalten. Viele Dörfler behaupten, sie hätten noch nie an einer teilgenommen. Noch nie Sirenen vernommen. Im Dorf Ban Bang Khaya glaubt fast niemand an das System. Dort wurde es zuletzt vor über einem Jahr getestet. Seitdem sei der örtliche Turm nicht gewartet worden. Die Einwohner des Dorfes fürchten, dass der Turm direkt am Strand nun vor sich hin rostet, dass vom Turm im Nachbarsdorf Geräte gestohlen worden seien.

Ein Netzwerk von Tsunamiopfern sammelt seit geraumer Zeit die Beschwerden on Einheimischen. Die Liste der Mängel wächst mit der Zeit. Sie selbst scheint zu einem Tsunami zu mutieren, der den zuständigen Behörden so einiges um die Ohren hauen könnte – hörten diese hin. Evakuierungstürme fordern da einige Gemeinden. Evakuierungsübungen und –strecken, die der Logik folgen anstatt Willkür fordern andere. So folgten, dem Opfernetzwerk zufolge, einige Evakuierungsrouten, kilometerweit der Küste, während so mancher Wegweiser direkt zum Strand führt.

Die Übung der Finger

Die dafür zuständigen Behörden – von denen es nicht wenige gibt – betreiben brav die Übung des Finger-auf-andere-Zeigens anstatt sich der gravierenden Probleme anzunehmen. Einige schieben jammernd Geldmangel vor, obwohl die Regierung Thailands schon einige Wochen nach dem Tsunami 2004 etliche Finanzspritzen abgelehnt hatte, da genug Geld für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete vorhanden war.

Einzig die Insel von Phuket scheint sich des Übens anzunehmen. Das lokale Gouverneursbüro jedenfalls behauptet, es teste das Warnsystem täglich. Seltsam aber, dass – fragt man die am Strand liegenden Touristen danach, diese sagen, sie hätten noch keine Sirenen vernommen, seitdem sie in Thailand gelandet seien. Leibt also nur die Hoffnung, dass Schlimmeres ausbleibt. Diese Hoffnung darf ruhig in Gebete aufgenommen werden.