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Afrika

Der Mann mit den Ringelsocken

Als am 20. August bei der WM in Berlin die Leichtathleten das Olympiastadion betraten, fiel einer ganz besonders auf: Gable Garenamotse, der mit seinen bunten Kniestrümpfen regelmäßig an die Weltspitze springt.

Gable Garenamotse (Foto: AP)

Fällt auf und springt gut: Gable Garenamotse

Im Schatten der kleinen Haupttribüne des Stadions stellt Gable Garenamotse seine Trinkflaschen ab, und markiert so seinen Absprung. Er wirft einen prüfenden Blick in Richtung der großen weißen Zahlen, die etwa 50 Meter entfernt den Zieleinlauf markieren. Garenamotse nimmt seine Kopfhörer von den Ohren und hängt sie sich um den Hals. Mit konzentriertem Blick fängt er an, einen Fuß vor den anderen zu setzen, um seinen Anlauf abzumessen. Er muss ganz genau wissen, wie lang sein Fuß ist. Denn dieses Jahr springt er immer zu weit vor dem Brett ab, ganze zwei Fußlängen. "Damit bin ich Weiten von 7,80 bis 7,90 Metern gesprungen. Ich kann mir nicht erlauben, diese Strecke zu verlieren." Zwei Fußlängen, das sind bei ihm 56 Zentimeter, die er verliert.

Seit seiner Leistenverletzung im Frühjahr hat Garenamotse Probleme mit seinem Timing beim Anlauf. Er versucht deshalb, die Erwartungen an ihn zu bremsen. Da er seine persönlichen Bestleistungen zuletzt immer in Deutschland aufgestellt hat, hofft er trotzdem auf einen besonderen Sprung. "Ich fahre nach Berlin ohne die ganz großen Erwartungen. Wenn ich meine persönliche Bestleistung bringe, dann werde ich es ins Finale schaffen." Trotz seiner Probleme mit dem Anlauf hofft er auf eine gute Weite. "Wenn ich das Brett treffe, kann ich 8,30 Meter springen."

Socken von Gable Garenamotse (Foto: AP)

Glückssocken zur Motivation

Teilzeitsportler mit Weltklassesprüngen

Im Finale stand Garenamotse auch schon bei den Olympischen Spielen in Peking und belegte am Ende Platz neun. Im Gegensatz zu vielen anderen Top-Leichtathleten hat er sich gegen eine Karriere als professioneller Weitspringer entschieden. Es reicht ihm, im Sommer drei Monate auf Wettkämpfen zu springen. Die restliche Zeit des Jahres arbeitet er in Botswana, wo er Sportler und Vereine fördert. "Während ich studierte dachte ich immer: Nach dem Studium konzentriere ich mich voll und ganz auf Leichtathletik. Aber das ist nie passiert." Nach dem Studium hat er eine Stelle bei der Sportbehörde bekommen. "Ich kann trotz des Jobs zwei Stunden täglich trainieren. Ich bin ein Teilzeit-Athlet." Nur drei Monate im Jahr konzentriert er sich ausschließlich auf Leichtathletik.

Gable Garenamotse (Foto: DW)

Auf der Suche nach dem richtigen Anlauf

Wenn der 32-Jährige doch auf dem Sportplatz steht, ist er der Liebling der Kameras. Sein Markenzeichen sind die bunt gestreiften Socken, die bis zu seinen Knien gehen. Garenamotse trägt die Socken aber nicht aus modischer Überzeugung, und erst recht nicht, weil er abergläubisch ist. Er braucht vielmehr die Aufmerksamkeit, um gute Leistungen zu bringen. "Als ich als Amateur anfing zu springen, war ich völlig unbekannt. Ich brauchte etwas, mit dem man mich identifizieren konnte." Also entschied er sich für diese Socken, die viel zu bunt waren, lacht er. "Dadurch haben alle Kameras auf mich geschaut und die Presse hat sich darüber lustig gemacht. Das hat mich unter Druck gesetzt, und das ist genau was ich brauche." Er springe einfach besser, wenn er unter Druck stehe. Für die Weltmeisterschaften wird er die Socken, die ihn so bekannt gemacht haben, aber nicht tragen. Er hat sich etwas Anderes ausgedacht. Was, will er allerdings noch nicht verraten. "In Berlin werden Sie die Socken nicht sehen, sondern etwas Anderes warten Sie nur ab."

Autor: Philipp von Bremen

Redaktion: Sarah Mersch

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