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Nahost

Der Mann fürs Laute

US-Verteidigungsminister Rumsfeld nennt er einen "Hund". Die Amerikaner sind für ihn "Milizionäre". Ein Porträt des irakischen Informationsministers El Sahhaf.

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Der Informationsminister gilt als treuer Gefährte Saddam Husseins

Informationsminister Mohammed Sajjid El Sahhaf, der die irakische Führung seit Beginn des Krieges vor der Presse vertritt, ist einer der treuesten Weggefährten von Präsident Saddam Hussein. Ähnlich wie der Staatschef scheint auch er sich in Krisen- und Kriegszeiten ganz in seinem Element zu fühlen.

Seit Beginn des Krieges ist er öfter im irakischen Fersehen zu sehen, als Saddam selbst. "Sie bewegen sich nicht mehr vorwärts", sagte er am Mittwoch (26.3.) Bereits am Sonntag hatte El Sahhaf verkündet, die Iraker hätten die alliierten Streitkräfte in der Umgebung der Stadt Nasirija in eine Situation gebracht, "aus der sie niemals lebend herauskommen werden".

Anschreien gegen die Sirenen

Mohammed Sajjid El Sahhaf ist durch nichts aus dem Konzept bringen: In der Nacht zum Samstag (22.3.) fuhr er, kurz nachdem im Sekundentakt die Raketen auf Bagdad niedergegangen waren, vor dem Informationsministerium vor, um Journalisten zur Besichtigung eines von den Amerikanern zerbombten Palastes einzuladen.

Während kaum ein Journalist bereit war, das Risiko einzugehen und mit ihm durch die unter Beschuss stehende Stadt zu fahren, feuerte El Sahhaf in den Trümmern des El-Salam-Palastes rhetorische Breitseiten gegen die amerikanischen "Milizionäre" und die israelischen "Zionisten" ab. Dabei musste er gegen das Heulen der Sirenen anschreien. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nannte er einen "Hund", eine im Arabischen üble Beschimpfung. Noch 1982 hatte El Sahhaf, zu jener Zeit Unterstaatssekretär im irakischen Außenministerium, einen Besuch Rumsfelds in Bagdad organisiert. Mit Hilfe von US-Geheimdienstinformationen sollte damals eine irakische Niederlage im Krieg gegen den Iran verhindert werden.

Obwohl El Sahhaf ein "Mann der ersten Stunde ist" und sich bereits 1963 Saddam Hussein und der Baath-Partei anschloss, musste er im Gegensatz zu den Regimegrößen Taha Jassin Ramadan und Isset Ibrahim, die schon früh dem Revolutionären Kommandorat angehörten, lange auf seinen ersten wichtigen Posten im irakischen System warten.

Stimmung gegen die UN machen

Der 1940 geborene El Sahhaf hatte ursprünglich Englisch studiert, um Lehrer zu werden. Trotzdem musste er sich bei seiner Pressekonferenz am Sonntag bei der Übersetzung des von den Amerikanern verwandten Begiffes der Strategie von "Shock and awe"- "Angst und Schrecken" - ins Arabische von den Journalisten helfen lassen.

Während des Staatsstreichs von 1968 vertrauten ihm die Verschwörer die Kontrolle über das staatliche Radio und Fernsehen an, die er später leitete. Später arbeitete er im Informationsministerium sowie als Botschafter in Indien, in Italien und bei den Vereinten Nationen. 1992 ernannte ihn Saddam Hussein zum Außenminister. In dieser Position war es eine seiner Hauptaufgaben, Stimmung gegen das Embargo der Vereinten Nationen und die Waffeninspektionen zu machen. Während der amerikanischen Bombenangriffe auf Ziele in Bagdad im Dezember 1998 erklärte Außenminister El Sahhaf: "Sie nennen es 'Operation Wüstenfuchs'. In Wirklichkeit handelt es sich um eine 'Operation Schurken in der arabischen Wüste'."

Als Außenminister bescherte er der irakischen Führung wegen seines ruppigen Stils einigen Ärger mit arabischen Staaten. Die Ernennung seines höflicheren Nachfolgers Nadschi Sabri im August 2001 wurde von Beobachtern als Abkehr des Irak vom Konfrontationskurs gewertet. (kap)

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