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Kultur

Der Mann für die Nebenrollen

Burghart Klaußner sieht aus wie ein braver Beamter und ist einer der meist beschäftigten Schauspieler Deutschlands. Das fällt aber kaum auf, weil er selten in Hauptrollen brillieren darf. Ein Porträt.

Szenenbild aus dem Film Der Mann von der Botschaft

Burghart Klaußner in "Der Mann von der Botschaft"

Burghart Klaußner ist 59 Jahre alt und hat eine eher schleichende Karriere absolviert. Er hatte zwar das Glück, öfter in sehr erfolgreichen deutschen Filmen mitzuspielen, wie „Rossini“, „Crazy“ oder „Good bye, Lenin!“. Dort war er jedoch meist nur in Nebenrollen zu sehen. Und als er dann zum Beispiel die Hauptrolle in dem Drama „Der Mann von der Botschaft“ unter der Regie von Dito Tsintsadze spielte und dafür 2006 beim Filmfestival in Locarno als „Bester Darsteller“ ausgezeichnet wurde, fand ausgerechnet dieser Film anschließend keinen Verleih.

Zweimal Klaußner, einmal Rückblick

Nun aber schlägt Burghart Klaußner gleich doppelt zu. Im Januar kommt mit „Alter und Schönheit“ ein Film in die Kinos, in dem Klaußner endlich mal wieder eine Hauptrolle hat. Und im Schauspielhaus in Bochum feiert er seine Premiere als Theaterregisseur. Das Stück „Marigold“ handelt kurioserweise vom Traum russischer Schauspieler, Karriere in Hollywood zu machen. Grund genug einmal auf die Karriere von Burghart Klaußner zu blicken.

1949 in Berlin geboren, beginnt er dort mit 20 Jahren ein Schauspielstudium an der Max-Reinhardt-Schule. Anfang der 70er Jahre arbeitet er unter Peter Stein an der Schaubühne am Halleschen Ufer, dann am Hamburger Schauspielhaus, dem Schillertheater und dem Maxim-Gorki-Theater in Berlin. Mitte der 80er Jahre taucht Klaußner erstmals in Fernsehproduktionen auf. Dort agiert er zwar auch als Hauptdarsteller, aber mit seiner Karriere geht erst Ende der 90er Jahre richtig aufwärts.

Kino als Karriereschub

Seit dieser Zeit übernimmt er auch kleine Kinorollen. Mit „Die fetten Jahre sind vorbei“ zum Beispiel gelingt dem Schauspieler ein großer Erfolg. Darin mimt er einen saturierten Unternehmer, der entführt wird und sich allmählich als ehemaliger Revoluzzer entpuppt. Einer, der in den späten 60er und frühen 70er Jahren bei den Studentenunruhen in der ersten Reihe stand. Der Film von Regisseur Hans Weingartner bleibt bei seiner Premiere 2004 in Cannes zwar ohne Preis, wird aber dennoch gefeiert. Und Burghart Klaußner gewinnt für seine Rolle später den Deutschen Filmpreis.

Klaußner, groß, aufrecht und etwas übergewichtig, mit kurzen, glatten Haaren, schmaler Nase und kantigem Gesicht, stellt fast nie Kriminelle oder Choleriker dar, sondern meist gediegene Charaktere: pflichtbewusste Beamte, Richter, Bankangestellte, Geschäftsmänner oder auch einfach Familienväter. Zum Beispiel in „Requiem“ von Regisseur Hans-Christian Schmid. Darin bemüht er sich redlich aber erfolglos um seine Tochter, die allmählich in eine Psychose fällt.

Zu Unrecht in den Nebenrollen

Einen seiner überzeugendsten Auftritte hat der Schauspieler in dem Fernsehhit „Die Luftbrücke“. Darin spielt er den ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Ernst Reuter, der 1948 vor dem zerbombten Reichstag zu den Massen spricht, als die Sowjets West-Berlin abgeriegelt haben.

Sein kommerziell erfolgreichster Film war bisher „Good bye, Lenin!“ von Regisseur Wolfgang Becker. Über sechs Millionen Besucher sahen den Film in den deutschen Kinos. Darin spielt Klaußner einen Vater, der seine Familie in der DDR zurücklassen musste und diese erst nach dem Mauerfall wieder sieht. Es ist ein überzeugender Auftritt, wie so viele in seiner Laufbahn. Aber nur ein kurzer. Man könnte durchaus sagen, dass Burghart Klaußner einer der großen Männer für Nebenrollen ist.

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