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Politik

Der "Mann des Ausgleichs" als Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier ist nun offiziell Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. "Diese Gesellschaft hat die Kraft, sich aus Krisen zu befreien", sagt der 60-Jährige. Es wird seine Botschaft als Präsident sein.

Es ist fünf vor zwölf. Auch auf den Uhren auf der dritten Etage des Reichstages, der sogenannten Fraktionsebene. Hier, im politischen Kosmos, denkt man bei "fünf vor zwölf" an Krise. Aber für eine große Koalition im Vorwahlkampf ist es dann doch ein ganz normaler Mittag. 

Fast nie haben die drei Parteivorsitzenden der Koalition nur die Nebenrolle. Dies ist ein seltener Moment. Kanzlerin Angela Merkel als CDU-Vorsitzende, SPD-Chef Sigmar Gabriel und CSU-Frontmann Horst Seehofer präsentieren ihren gemeinsamen Kandidaten für die Nachfolge von Joachim Gauck als Bundespräsident. Frank-Walter Steinmeier, Außenminister - er ist "ihr Mann".

Das prägt die Rangordnung. Fünfzehn Sekunden dauert der Gang der vier Politiker aus dem Nordostturm des Reichstages zu den vielen wartenden Journalisten in der Mitte der Fraktionsebene. Ein Gang für die Kameras. Irgendwann geht Steinmeier voran, dann folgt Merkel, dann die anderen. Auch der große Seehofer verschwindet da fast. 

Merkel freut sich

Deutschland Steinmeier mit Parteichefs der Großen Koalition (picture-alliance/dpa/R. Jensen)

Merkel und die drei Männer. Einer ist jetzt Kandidat

Die Statements: Drei Mal sagt Merkel "Ich freue mich", was kaschieren mag, dass sie nicht die Hoheit über diese Kandidaten-Kür hatte. Sie lobt Steinmeier aus Erfahrungen in der Opposition und der Koalition. Aber das Wort, das am häufigsten fällt bei der gesamten Präsentation, ist Verantwortung. Viele Male. Alle vier wissen, dass das Land glaubwürdige Führung braucht und der Bundespräsident in diesen Zeiten enorme Bedeutung hat.

Merkel spricht knapp zwei Minuten, Gabriel mehr als drei, in denen er seinen SPD-Genossen als "Mann des Ausgleichs" für eine liberale und soziale Politik würdigt. Seehofer spricht keine Minute - das bisschen Feuer der Begeisterung, das SPD-Chef Gabriel in seiner Rede spüren ließ, ist bei den staatstragenden Worten des CSU-Chefs gleich dahin. Aber sie sind alle nur Vorredner. Frank-Walter Steinmeier nutzt die knapp sechs Minuten für eine Vorstellung - und diese Minuten werden schon sehr grundsätzlich. Ein "Mutmacher" will er sein als Präsident - es ist ein Schlüsselbegriff seiner Rede.

Der Blick der Welt

Und gleich zu Beginn schildert Steinmeier eine bestimmte Erfahrungen als Außenminister, die ihn umtreibt. Er sei von einer seiner Reisen in den Nahen Osten zurückgekehrt, und sei fuhr gleich in den heimischen Wahlkreis in westlichen Brandenburg gefahren. Dort ging es bei einem Auftritt um die Flüchtlingsdebatte, und ein Mann habe ihn gefragt: "Muss ich Angst haben um die Zukunft in Deutschland?"

Joachim Gauck und Frank-Walter Steinmeier (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

Der Präsident und sein vermutlicher Nachfolger: Joachim Gauck und Frank-Walter Steinmeier

Und Steinmeier? Er schilderte diesem Mann seine Zuversicht aus dem "Blick der Welt auf uns" in Deutschland. Deutschland verkörpere vielleicht wie kein anderes Land der Welt, die Erfahrung, dass aus Kriegen Frieden werden könne, aus Teilung Versöhnung, dass der Raserei von Nationalismus und Ideologie Vernunft folgen könne. Deutschland gehe es gut, lehre ihn der weltweite Blick. "Diese Gesellschaft hat die Kraft, sich aus Krisen zu befreien", fährt Steinmeier fort. "Weil wir uns den Schwierigkeiten gestellt haben und uns angestrengt haben. Wir haben es uns nicht leicht gemacht."

Es sind seine programmatischen Sätze. Sie können so etwas werden wie seine Botschaft von Bellevue. Denn mit aller Wahrscheinlichkeit wird der dann 61-Jährige am 12. Februar 2017 als Nachfolger von Joachim Gauck zum zwölften Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt.

Steinmeier endet mit einem Dank. Und auch die Kanzlerin bedankt sich schnell und wendet sich ab bevor noch Fragen gestellt werden können. Nicht, dass noch einer nach der erneuten Kanzlerkandidatur fragt. Draußen vor dem Reichstag steht Steinmeier gelassen am Auto, lehnt sich an die Tür des Fonds. 30, 40 Sekunden, gibt er den Journalisten Zeit für einige Fotos. Mit einem sehr gelassenen Lächeln. Weiter im Tag, Obama kann kommen.