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Kultur

Der Mann, der zum "Fall Gurlitt" wurde

Monatelang hielt der spektakuläre Schwabinger Bilderfund die Welt in Atem. Der Kunsterbe Cornelius Gurlitt ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Seine Sammlung hat er dem Kunstmuseum Bern in der Schweiz vermacht.

Cornelius Gurlitt ist am Dienstagvormittag in seiner Schwabinger Wohnung im Beisein seines Arztes und seines Pflegers verstorben. Das teilten die Anwälte des Kunstsammlers mit. Der 81-Jährige war seit Monaten schwer krank. Erst vor wenigen Wochen musste er sich einer schweren Herzoperation unterziehen. Auf seinen Wunsch hin wurde er in seiner Schwabinger Wohnung rund um die Uhr pflegerisch betreut und versorgt. Mit dem Tod von Cornelius Gurlitt enden sowohl das Betreuungs-, als auch das Ermittlungsverfahren, das seit zwei Jahren wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung gegen Gurlitt läuft.

Belastetes Erbe

Zwei Reiter am Strand - Max Liebermann (Foto: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Max_Liebermann_-_Zwei_Reiter_am_Strand.jpg)

Das Gemälde "Zwei Reiter am Strand" von Max Liebermann war sein Lieblingsgemälde

Im September 2010 hatten Zollbeamte Cornelius Gurlitt auf einer Zugreise von Zürich in die Schweiz aufgehalten. Er trug zu diesem Zeitpunkt auffallend viel Bargeld bei sich. Als er angab, in Zürich Kunstwerke verkauft zu haben, gaben die Grenzer die Daten an die Steuerfahndung weiter. Der Name Gurlitt war nicht unbekannt. Sein Vater, der 1956 verstorbene Hildebrand Gurlitt, war während des Nationalsozialismus einer von vier prominenten Kunsthändlern gewesen, die vom NS-Regime beauftragt worden waren, in ganz Europa und in den besetzten Gebieten Gemälde und Kunstwerke für das geplante "Führermuseum" in Linz aufzukaufen und zu beschlagnahmen.

Im Gegenzug hatte Hildebrand Gurlitt gegen Devisen Bilder aus der Ausstellung "Entartete Kunst" ins Ausland verkauft, die die Nazis bei jüdischen Sammlern, in Galerien und Museen konfisziert hatten. Einige dieser Kunstwerke waren damals offenbar auch in der privaten Kunstsammlung Gurlitt gelandet. Diese ging nach dessen Tod an seinen Sohn Cornelius über.

Debatte um NS-Raubkunst

Gouache-Arbeit Löwenbändiger von Max Beckmann (Foto: VG Bildkunst)

Der "Löwenbändiger" von Max Beckmann wurde an die jüdischen Erben zurückgegeben

Fast 70 Jahre nach Kriegsende löste der "Fall Gurlitt" seit seinem Bekanntwerden Ende 2013 eine heftige öffentliche Debatte um die Restitution von Nazi-Raubkunst aus - in deutschen wie in internationalen Medien. An die 1500 Kunstwerke und die Geschäftsunterlagen von Gurlitts Vater Hildebrand waren in den vergangenen drei Jahren beschlagnahmt und bei der Staatsanwaltschaft Augsburg treuhänderisch eingelagert worden.

Am 7. April 2014

wurde die Beschlagnahme aufgehoben

. Cornelius Gurlitt hatte über seine Anwälte per Vertrag mit der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern zugesichert, alle Werke, die im Verdacht stehen, NS-Raubkunst zu sein, an die rechtmäßigen Erben zurückzugeben. Gurlitt lag eine faire Lösung auf der Grundlage der Washingtoner Erklärung "sehr am Herzen", betonte sein Sprecher Stephan Holzinger. Mit dem Abkommen wird seit 1998 an die öffentlichen Museen appelliert, von den Nazis geraubte Kunstgegenstände an die rechtmäßigen Erben zurückzugeben. Die Empfehlung gilt allerdings nicht für private Kunstsammlungen.

Schattendasein: Rätselhafte Person

Haus von Cornelius Gurlitt in Salzburg (Foto: EPA/BARBARA GINDL)

Auch in Cornelius Gurlitts Haus in Salzburg lagerten Kunstschätze

Bis zuletzt beteuerte Cornelius Gurlitt nichts von dem düsteren Schatten, der über seinem Millionenschatz lag, gewusst zu haben. Seine Person hat den Behörden Rätsel aufgegeben: Er war in Deutschland nicht gemeldet, er besaß kein Bankkonto, hatte kein Auto angemeldet und war auch beim Finanzamt nicht erfasst. Im Münchner Stadtteil Schwabing führte er ein völlig zurückgezogenes Leben. Nun rätselt die Welt, was aus dem Kunstbesitz werden wird. Lediglich 310 Gemälde sind über jeden Raubkunstverdacht erhaben, weil sie bereits vor 1933 von seinem Vater rechtmäßig erworben wurden.

Auch nach dem Tod des Kunsterben Cornelius Gurlitt wird weiter nach der Provenienz der Werke geforscht. Die entsprechende Vereinbarung sei auch für seine Erben bindend, teilte das Bayerische Justizministerium am Dienstagabend mit. "Er hat mit der Vereinbarung dafür Sorge getragen, dass die Erforschung der Herkunft der Bilder auf jeden Fall weitergehen kann", sagt Justizminister Winfried Bausback. "Damit kann Nationalsozialistisches Unrecht aufgearbeitet werden und Opfer des NS-Unrechtsregimes können ihre Ansprüche geltend machen und zwar auch über den Tod von Herrn Gurlitt hinaus."

Berichte über Testament

Gurlitt hat seine Bildersammlung schon Monate vor seinem Tod dem Kunstmuseum Bern in der Schweiz vermacht. Die Nachricht, die am Mittwoch (07.05.2014) bekannt wurde, sei "wie ein Blitz aus heiterem Himmel" eingeschlagen, sagte ein Sprecher des Museums. Es habe zuvor keinerlei Kontakt zu Herrn Gurlitt bestanden. Das Museum zeigte sich "dankbar und freudig überrascht". Allerdings sei die Schenkung mit einer Fülle schwieriger juristischer und ethischer Fragen verbunden.

Rückblick

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