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Reise

Der Mann, der aus der Kälte kam

Mehrere hundert Schneemänner sind Teil einer Ausstellung im baden-württembergischen Esslingen. Der Kleinste misst nur wenige Millimeter, der Größte 3,5 Meter. Kein einziger von ihnen ist allerdings aus Schnee.

Schneemann

it's cool man!

Ein künstlicher Schneemann mit Skiern

Noch ein künstlicher Schneemann

Er ist berühmt, doch liegen schwere Zeiten vor ihm: Immer seltener sieht man den Schneemann in seinem natürlichen Lebensraum. Obwohl die weißen Kerlchen im Winter als Werbeträger grinsend an jeder zweiten Ecke stehen, sind sie seit Beginn der Klimaerwärmung kaum noch aus Schnee. Die Geschichte und Bedeutung der Sympathieträger würdigt das Stadtmuseum in Esslingen mit der Ausstellung "Coolturgeschichte des Schneemanns".

Plüsch, Gummi, Marzipan

"Ich sehe mich auch ein bisschen als Retter des Objekts", sagt der passionierte Schneemann-Sammler Cornelius Grätz aus Reutlingen. 3025 Exemplare aus Plüsch, Gummi, Marzipan oder von Prominenten wie Udo Lindenberg gezeichnet hat der 38-Jährige in 25 Jahren zusammengetragen.

500 Schneemänner bilden das Herzstück der Ausstellung. Der kleinste Schneemann misst nur wenige Millimeter und stammt von einer Modelleisenbahn. Der größte ist auf 3,50 Meter aufblasbar und durfte nicht mitreisen. Der unanständigste kommt als Kondom daher. Dazwischen gibt es fast nichts, was es nicht gibt: Schneemänner schmücken Strandlaken und Badezimmervorleger, warten als Hundespielzeug auf spitze Zähne, tragen Schriftzüge bekannter Firmen vor sich her - und und und. Sie wurden in den 1940er-Jahren sogar bewaffnet und für Kriegspropaganda missbraucht.

Michelangelo und der Schneemann

Eisbär im Wasser mit Schneemann-Puppe

Er will doch nur spielen!

Die Figur des Schneemannes ist bereits mehrere hundert Jahre alt, weiß Grätz, der es mit seiner Sammlung ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft hat. Schon der italienische Bildhauer Michelangelo habe einer Überlieferung zufolge 1492/93 einen Mann aus Schnee gebaut.

Der älteste schriftliche Beleg in der Ausstellung ist die Kopie eines Buches von 1770, in dem es heißt: "Der schöne Schneemann, eu wie groß, ein riesenmäßiger Koloss." Das erste gedruckte Porträt in einer Grafik ist nur zehn Jahre jünger.

Schneemann-Bastel-Set aus Kunststoff

Charlotte und Maximilian bauen einen echten Scheemann in Sonnenberg im Oberharz

Charlotte und Maximilian bauen einen echten Scheemann in Sonnenberg im Oberharz

Mit dem putzigen Grinsemännchen von heute haben die ersten Schneemänner noch nicht viel gemein. Der Mann, der aus der Kälte kam, war groß und grimmig - Symbol für den eisigen Winter mit seinen Gefahren und Entbehrungen. Erst als der Frost im 19. Jahrhundert zunehmend an Schrecken verlor, hat der Schneemann das Lächeln gelernt. Auf den Ansichtskarten des frühen 20. Jahrhunderts war er dann oft der Neujahrsglücksbringer. "Meine Vermutung ist, dass er in dieser Zeit seinen Zylinder bekommen hat", sagt Grätz. Welchen Hintergrund die Karottennase und die Kohleknöpfe hätten, sei nicht genau bekannt. Heute sind die runden Kohlen allerdings so rar geworden, dass findige Geschäftsleute inzwischen ein Schneemann-Bastel-Set aus Kunststoff anbieten. (dpa)

Die Ausstellung dauert noch bis zum 22. März 2009

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