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Afrika

Der Machtkampf geht weiter

Die Lage in Madagaskar hat sich wieder verschärft. Offenbar haben meuternde Soldaten Panzer in die Hauptstadt gebracht. Präsident Marc Ravalomanana appellierte an die Bevölkerung, meuternde Truppen zurückzuschlagen.

Armeeeinheiten in Antananarivo (Foto: AP)

Nicht alle Soldaten stehen loyal zur Regierung

Die Soldaten kündigten an, gegen jegliche "Söldner" des Präsidenten vorzugehen. Die Panzer stünden in einem Versteck zum Einsatz bereit, sagte ein Sprecher der Soldaten, die unlängst unverhohlen mit einem Putsch gedroht hatten, am Freitag (13.03.2009). Präsident Marc Ravalomanana appellierte in seinem privaten Radiosender an die Bewohner der Stadt, gemeinsam meuternde Truppen zurückzuschlagen und den Präsidenten und seinen Palast zu verteidigen.

Armee offenbar gespalten

Der seines Amtes enthobene Armeechef Edmond Rasalofomahandry hatte am Dienstag von Regierung und Opposition gefordert, die seit Mitte Dezember andauernde Staatskrise binnen 72 Stunden zu beenden, ansonsten werde er putschen. Daraufhin war der Armeechef abgesetzt worden. Sein Nachfolger André Andriarijaona zog das Ultimatum nach seinem Amtsantritt wieder zurück. Die Armee sei nicht da, um die Macht zu übernehmen, erklärte er. Die Lösung der Krise müsse man der Politik überlassen. In seiner Antrittsrede deutete der neue Armeechef an, dass der Wechsel an der Spitze nach "Beratungen" ranghoher Offiziere vollzogen worden sei.

Verfeindete Parteien

Madagaskar Unruhen Andry Rajoelina Bürgermeister von Antananarivo

Vorwürfe gegen die Regierung - Oppositionschef Rajoelina

Normalerweise wird der Armeechef von der Regierung ernannt. Dass die Armee in diesem Fall eigenmächtig gehandelt hat, könnte ein Hinweis darauf sein, dass Präsident Marc Ravalomanana die Streitkräfte nicht mehr unter Kontrolle hat. Doch die Armee ist nicht sein einziger Kontrahent. Seit Ende 2008 liefert er sich mit Oppositionsführer Andry Rajoelina einen erbitterten Machtkampf. Rajoelina, ehemaliger Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo, wirft der Regierung vor, die Reichtümer des Landes an ausländische Firmen zu verschleudern. Außerdem klagt er den Präsidenten immer wieder wegen diktatorischer Methoden an.

Kein Wille zur Einigung

Demonstranten in Madagaskar (Foto: AP)

Gespannte Atmosphäre - immer wieder kommt es zu Unruhen

Die madegassischen Kirchen hatten die Konfliktparteien für Donnerstag zu einem Treffen aufgefordert, bei dem über die Lösung der Krise gesprochen werden sollte. Oppositionsführer Rajoelina sagte dieses Treffen inzwischen ab. Es sei nicht die "richtige Zeit" für Gespräche, außerdem fehle es den als Vermittlern auftretenden Kirchenvertretern an Glaubwürdigkeit, ließ er durch einen Sprecher verlauten. Der Rat der Christlichen Kirchen teilte mit, die Verhandlungen seien auf unbestimmte Zeit verschoben.

Auch aus dem Ausland kamen Vermittlungsversuche. Der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade lud die Konfliktparteien zu Gesprächen über einen dauerhaften Frieden nach Dakar ein. Doch ohne den Willen der an der Krise beteiligten Akteure ist kein Frieden im Inselstaat im Indischen Ozean in Sicht. Das Leid muss die Bevölkerung tragen. Seit Ende Januar kamen bei den Auseinandersetzungen bereits mehr als 100 Menschen ums Leben.

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