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Kultur

Der Macher

"Ich denke Fußball, schlafe Fußball, träume Fußball." So beschreibt sich Yomi Kuku selber. Und einen Fußballverrückten braucht es, um ein ehrgeiziges Projekt wie Search and Groom auf die Beine zu stellen.

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Auf ihn hören sie alle - Yomi Kuku

In Lagos am 19. Juni 1972 geboren, verbringt Yomi seine ersten Jahre in der Hauptstadt Nigerias. Das Leben ist gut, dies sind die Jahre des Ölbooms, und es gibt ausreichend Arbeitsplätze. Der Vater besteht auf eine gute Erziehung, und so verbringt Yomi seine Schuljahre in einem Internat in seiner Heimatstadt Ijebu-Ode. 1981 zieht die Familie Kuku von Lagos in den Vorort Ajegunle. Bei seinen Besuchen in Lagos muss Yomi mit ansehen, wie viele seiner (Fußball-) Freunde die Schule vernachlässigen, sich herumtreiben und zu Kleinkriminellen werden. Ansporn genug, die Ausbildung voranzutreiben.

Porträt Yomi Kuku Streetfootball

Nicht nur als Projektmanager immer auf Ballhöhe

Yomi selbst besucht das angesehene Yaba College of Technology in Lagos, das er mit einem Diplom in Business Administration abschließt. Neben seinem Studium schreibt er erstmals für eine Sportzeitung. Als er eine Ausbildung bei der Versicherungsgesellschaft Niger Insurance Plc. antritt, braucht es nicht viel Überredung, bis er die Sportseite des Inhouse-Magazins betreut. 1998 dann wird aus dem Sportbegeisterten der Sportjournalist: Yomi übernimmt im nationalen Rundfunk eine Sportsendung mit dem Namen "Kaleidoscope" und wechselt noch im selben Jahr zum staatlichen Fernsehsender NTA, wo er als Moderator und Reporter wichtige Sportereignisse verfolgt. Nach einem Abstecher ins Sportmarketing kehrt der fußballverrückte Yomi für Radio Lagos 107.5fm ans Mikrofon zurück. Seit 2003 produziert Yomi ein "nigerianisch-afrikanisches" Fußballmagazin, das in 25 der 36 Bundesstaaten Nigerias ausgestrahlt wird.

Kein Mangel an Ideen

Keine Frage: Yomi hat es geschafft. Die smarten Oberhemden und das neue Handy sind eindeutige Zeichen im statusverrückten Nigeria. Und genau dieser Erfolg ist die Motivation des jungen Sportjournalisten. Er will denen etwas mitgeben, die er damals in Ajegunle zurückgelassen hat. "Hier", sagt Yomi und deutet auf ein dreistöckiges Haus, "hier bin ich aufgewachsen. Im Haus neben dran war ein Bordell – da war immer was los."

Porträt Yomi Kuku Streetfootball

Die Straßen im Viertel Ajegunle

Heute ist er zusammen mit seiner jungen Familie - Sohn Daniel ist 14 Monate alt – in einen anderen Vorort von Lagos gezogen, "wegen der Kriminalität", sagt Yomi. Sein Bruder wohnt noch immer hier, bei ihm werden wir später mit der gesamten Mannschaft zum Mittagessen einfallen... Ist man mit Yomi in den matschigen Straßen von Ajengunle unterwegs, kommt man selbst kaum zu Wort, so sprudelt der Mann vor Ideen: Um Aidswaisen will er sich kümmern, um Schulschwänzer, die nicht wollen oder nicht können, weil das Schulgeld zu teuer ist. Eine eigene Zeitschrift soll Search and Groom bekommen, die über die Arbeit des Projektes berichtet. Privatfirmen sollen Projekte sponsern, Nigerias Sport- und Musikidole ideelle – und gerne auch finanzielle – Unterstützung geben. Und dann soll natürlich Talentförderung betrieben werden, damit aus den Rohdiamanten, die heute noch barfuß kicken, Hochkaräter wie Jay Jay Okocha, Samson Siasia, Jonathan Akpoborie oder Emmanuel Amunike werden, die inzwischen im Ausland – unter anderem in der deutschen Bundesliga – gutes Geld verdienen.

"Warum hat Bayern Hitzfeld gehen lassen?"

Das alles könnte Yomi nicht auf die Beine stellen ohne ein Team von freiwilligen Helfern. Noch gibt es kein Budget für Gehälter, und so legen Yomi und Co. immer mal wieder aus eigener Tasche drauf. Gerade ist der Benzinpreis in die Höhe geschnellt – so werden die Fahrten hinaus nach Ajegunle noch etwas teurer. Yomi scheint das nicht weiter anzufechten, schon wieder hat er eine Idee, "man könnte vielleicht ..."

Wenn wir nicht gerade Ideen schmieden, Fotos schießen, Radioaufnahmen machen oder mit den Kindern plaudern, dann greift der fußballverrückte Yomi die Gelegenheit beim Schopf, aus erster Hand Informationen rund um den deutschen Fußball abzugreifen: Ist der neue Nationaltrainer Klinsmann okay? Und warum hat Bayern München bloß den hierzulande verehrten Hitzfeld gehen lassen? ("So einen bekommt Ihr nie wieder"). Und zum Abschluss noch einen Seitenhieb auf das Duell der Fußballdamen Deutschlands und Nigerias in Athen: "Wir waren die bessere Mannschaft, aber Ihr hattet mehr Glück." Dann mahnt Yomi zum Aufbruch. Der nächste Termin wartet...