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Deutschland

Der liberale Maulwurf

FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle hat seinen Büroleiter Helmut Metzner von allen Aufgaben entbunden. Der 41-jährige Metzner hat sich selber als geheimer Informant der US-Botschaft in Berlin enttarnt.

Porträt Helmut Metzner (Foto: FDP)

Maulwurf Metzner

Für den deutschen Außenminister ist die ganze Affäre mehr als peinlich. Aus den bisher von Wikileaks veröffentlichten vertraulichen Berichten der US-Botschaft in Berlin an das heimische Außenministerium ließ sich sehr eindeutig herauslesen, dass es bei der FDP eine undichte Stelle geben muss. Einen Maulwurf also, der die US-Botschaft in Deutschland mit Informationen versorgt hat.

Nach fünf quälend langen Tagen nun ein Name: Der Maulwurf heißt Helmut Metzner, seines Zeichens Büroleiter von FDP-Parteichef und Außenminister Guido Westerwelle. Wer ist dieser Mann? Und was hat ihn zum Spion gemacht?

"Eine gut platzierte Quelle"

Helmut Metzner ist 41 Jahre alt und stammt aus der Stadt Bamberg in Bayern. Er studierte Geschichte, Politische Wissenschaften und Philosophie in Bamberg und Erlangen. Das lichter werdende braune Haar zerzaust er sich gerne jugendlich mit Gel. Als wirklich unverkennbares Markenzeichen trägt der enttarnte US-Informant Fliege statt Krawatte. Er bevorzugt gelbe Fliegen, weil gelb auch die Farbe der FDP ist. Metzner ist Mitglied im Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland.

Das persönliche Lebensmotto des Helmut Metzner steht in seinem Lebenslauf: "Wer gackert, muss auch Eier legen!" Kostproben weiterer Lebensweisheiten gibt es unter "muntermachermetzner.de" (siehe Link unten). Auf dieser Seite bloggt der Mann mit der modischen Brille, den der US-Botschafter in Berlin laut Wikileaks als "gut platzierte Quelle" und als "jungen, aufstrebenden Parteigänger" beschrieben hat.

Maulwurf wühlt sich aus seinem Erdhügel (Foto: dpa)

So sieht ein echter Maulwurf aus

In einem vertraulichen Bericht, den US-Botschafter Philip Murphy während der konservativ-liberalen Koalitionsverhandlungen am 9. Oktober 2009 in die Zentrale nach Washington schickte, heißt es weiter:

"Begeistert von seiner Rolle als Protokollant der Koalitionsverhandlungen, schien er geneigt, seine Beobachtungen und Notizen zu teilen und uns direkt von seinen Mitschriften vorzulesen. Außerdem bot er Kopien seines Verhandlungsordners an."

So erfuhren die Amerikaner zum Beispiel davon, dass es einen heftigen Streit zwischen den Verhandlungsführern der FDP und dem damaligen CDU-Innenminister Wolfgang Schäuble gegeben habe. Die Liberalen forderten seinerzeit in den Verhandlungen vehement, dass der Abzug der letzten US-Atomwaffen aus Deutschland im Koalitionsvertrag festgeschrieben werden müsse. Schäuble war offenbar strikt dagegen, laut Wikileaks.

Die Phase der Leugnung

Doppelporträt von Guido Westerwelle und Dirk Niebel (Foto: AP, dpa, DW)

Guido Westerwelle und Dirk Niebel

Diese Details konnte nur einer weitergegeben haben, der hautnah dabei war. Die Liberalen schalteten nach der Wikileaks-Veröffentlichung aber trotzdem erstmal auf stur. Eine undichte Stelle in den eigenen Reihen? Ein Maulwurf, der pikante Details aus den vertraulichen Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und FDP ausgeplaudert hat? "Unmöglich", polterte anfänglich Dirk Niebel. Er war im Oktober 2009 noch FDP-Generalsekretär, heute ist er Minister für Entwicklungszusammenarbeit. "Viele Leute haben da draußen ständig telefonierend rumgestanden, die nicht in der FDP waren. Das ist total lächerlich, das ist fern jeder Realität", blaffte der Minister in der beliebten sonntäglichen TV-Talkshow "Anne Will".

Auch Guido Westerwelle erklärte einen Tag später, dass er die ganze Geschichte so nicht glauben könne. Auf einer Pressekonferenz betonte er stattdessen, dass er "unverändert in die gesamte Mitarbeiterschaft der FDP ein ganz großes Vertrauen" habe, "und erst recht in die, die bei den Koalitionsverhandlungen dabei gewesen sind".

Die Suche nach dem Leck

Allen Beschwichtigungen zum Trotz macht sich die FDP dann aber unter dem wachsenden Druck der Medien trotzdem daran, ihren Maulwurf zu enttarnen. Tagelang schweigt Helmut Metzner, dann offenbart er sich dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt in einem Vier-Augen-Gespräch.

Der liberale Maulwurf ist seit 1999 Mitarbeiter der liberalen Friedrich-Naumann-Stiftung. Von 2004 bis 2009 war Helmut Metzner "Abteilungsleiter Strategie und Kampagnen" in der FDP-Zentrale sowie in Personalunion der Büroleiter des Generalsekretärs. Nach der erfolgreichen Bundestagswahl machte ihn FDP-Chef Guido Westerwelle dann zu seinem Büroleiter. Metzner war zudem zuständig für die internationalen Kontakte.

"In eigener Verantwortung"

Doch das alles ist Geschichte. Denn Westerwelle hat das peinliche Leck in seinem Büro nach der Selbstenttarnung sofort gestopft. Die FDP hat dazu am 2. Dezember 2010 in einer Presseerklärung mitgeteilt:

"Der Mitarbeiter der FDP-Bundesgeschäftsstelle, der jetzt seine Gesprächskontakte zur US-Botschaft in Berlin offenbart hat, ist im gegenseitigen Einvernehmen von seiner bisherigen Funktion als Büroleiter des Bundesvorsitzenden der FDP entbunden worden."

Metzner habe bei seinen Kontakten mit der US-Botschaft allerdings "keine vertraulichen Dokumente übergeben oder zur Einsicht gewährt". Nach Angaben der FDP gibt es deshalb "für ein rechtlich angreifbares Verhalten keine Anhaltspunkte". Metzner habe vielmehr auf Bitten der US-Botschaft "in eigener Verantwortung und im Rahmen seiner Tätigkeit wie zahlreiche Mitarbeiter anderer Parteien auch mit der US-Botschaft im Gesprächskontakt" gestanden.

Autorin: Sandra Petersmann
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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