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Saterfriesisch

Der letzte Saterfriese

Marron Fort, von den Einheimischen nur "Professor" genannt, ist Sprachwissenschaftler. Er will Saterfriesisch vor dem Vergessen bewahren. Niemand dürfte das Saterfriesische so gut kennen wie er.

Marron Fort trinkt Tee

Dass ausgerechnet ein Linguist aus dem US-Staat New Hampshire es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, das vom Verschwinden bedrohte Saterfriesisch zu dokumentieren, ist ungewöhnlich.Fast drei Jahrzehnte verwendete Marron Fort darauf, das Saterfriesische zu dokumentieren, in mühsamer Kleinarbeit.

Ein starker Wille und Durchhaltevermögen liegen bei den Forts wohl in der Familie. Vater Fort war der erste Afro-Amerikaner, der am renommierten 'Massachussetts Institute of Technology' promovierte, in physikalischer Chemie. Das war in den 20er Jahren.

Exil im Saterland

Auch der junge Marron sammelte in den USA akademische Auszeichnungen und Stipendien, stieß aber auch an Grenzen. Seine Akademikerkollegen etwa, die seine Gesellschaft sonst durchaus schätzten, diskriminierten ihn wegen seiner Hautfarbe und baten ihn, auf Besuche in ihrem Haus zu verzichten, damit sie keine Schwierigkeiten mit den Nachbarn bekämen.

Für sein Germanistikstudium ging Fort nach Deutschland, zunächst als Student, später als Austauschlektor. Seine Doktorarbeit schrieb er über die niederdeutsche Mundart Vechtas. Über diese Arbeit bekam er Kontakt zu engagierten Saterfriesen, die sich für die Rettung ihrer Sprache einsetzten. Fort begann mit der Dokumentation des Saterfriesischen.

Zwischen Kanzlei und Schweinestall

35.000 Wörter hat er im Laufe von Jahrzehnten mit Hilfe seiner meist betagten Informanten aufgezeichnet und in einem Wörterbuch veröffentlicht. Seine wohl anspruchsvollste Arbeit war die Übersetzung des Neuen Testaments. Fort, selber Christ, legte Wert darauf, dass die Sprache der Heiligen Schrift im Saterfriesischen "weder nach Amtsstube oder Kanzlei noch nach Taverne oder Schweinestall" klang.

Sechs Sprachen – akzentfrei

Marron Fort besitzt seit längerem die deutsche Staatsbürgerschaft und lebt mit seiner Frau im ostfriesischen Leer. Er spricht sechs verschiedene Sprachen, darunter das Saterfriesische und das Plattdeutsche – akzentfrei.

Neben seiner Forschung betreute er fast zwei Jahrzehnte lang als akademischer Oberrat die plattdeutsche und saterfriesische Bibliothek der Universität Oldenburg. Seit seiner Verabschiedung im Oktober 2003 widmet er sich verstärkt seinem jüngsten Projekt: einem Handbuch der niederdeutschen Mundarten Ostfrieslands.

Autorin: Martina Keller

Redaktion: Raphaela Häuser

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