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Nahost

Der letzte Herrscher auf dem Pfauenthron

Schah Resa Pahlavi war einer der brutalsten Despoten der Nachkriegszeit und Machthaber von Washingtons Gnaden. Als er vor 30 Jahren ins Exil ging, hatte Khomeini schon eine neue Verfassung für den Iran entworfen.

Schah Reza Pehlevi, im Januar 1965 Foto: AP

Ging am 17.1.1979 ins Exil: Reza Pahlevi

Man hielt ihn für einen denkbar ungeeigneten Kandidaten, als er seinem Vater am 16. September 1941 im Alter von nur 22 Jahren auf den Thron folgte. Mehrsprachig in einem Internat in der Schweiz erzogen, galt Mohammed Reza Pahlavi als Kosmopolit, aber auch als Playboy, der einen ausschweifenden Lebensstil genoss. Für Schlagzeilen in der westlichen Regenbogenpresse sorgten vor allem seine drei prunkvollen Hochzeiten, unter anderem mit Königin Soraya, die wegen Kinderlosigkeit wieder geschieden wurde.

Der Schah Mohammad Resa Pahlevi von Persien mit seiner Frau Farah Diba und seine Kindern während des Winterurlaubs in St. Moritz in der Schweiz 1970, Foto: AP

Liebte das luxoriöse Leben: Reza Pahlevi

Der Königssohn hatte Wirtschaftswissenschaften studiert und so waren die Hoffnungen auf Reformen bei seinem Amstantritt im Land zunächst groß. Der junge Herrscher auf dem Pfauenthron kündigte an, den Iran zu einer Großmacht am Golf formen zu wollen. Er konnte dabei auf die Wirtschafts- und Militärhilfe der USA bauen. Doch damit haftete fortan beharrlich der Ruf an, er sei eine bloße Marionette der Amerikaner, die ihren Machteinfluss in der Region verstärken wollten. Diese Kritik wies der Schah stets zurück mit den Worten: "Wir tun nur, was im Interesse unseres Landes liegt. Aber es stimmt, dass die Interessen der Vereinigten Staaten mit unseren übereinstimmen; dass sie keine imperialistischen oder kolonialistischen Ziele verfolgen. Vielleicht haben sie manchmal Fehler begangen, die jeder kennt. Aber insgesamt ist die amerikanische Politik als günstig für die iranische Politik zu bewerten."

Mossadegh, der einzige Demokrat

Tatsächlich saßen damals etliche amerikanische Militärs an wichtigen Schalthebeln der Macht, so die Einschätzung des Islamwissenschaftlers Bahman Nirumand. Gegen diesen Einfluss aufbegehrend, hatte sich in den 1950er Jahren eine nationale Bewegung formiert, angeführt von Mohammad Mossadegh. Dieser versuchte, den Einfluss des Westens auf den größten Wirtschaftsfaktor des Landes zu verringern, indem er die Verstaatlichung der iranischen Erdölfelder vorantrieb, erklärt Nirumand: "Er war der einzige Staatsmann, der wirklich demokratisch war. Der die Gesellschaft demokratisiert hat und freie Wahlen durchgeführt hat. Dieser Mossadegh war zwei Jahre lang Ministerpräsident unter dem Schah und hat tatsächlich die Nationalisierung des Öls durchgesetzt. Die Briten mussten abziehen aus dem Iran."

Der Schah von Persien, Mohammed Resa Pahlevi, mit seiner Familie. (2. v. l. Farah Diba) Offizielles undatiertes Foto, AP

Sorgten für Schlagzeilen in der weltweiten Regenbogenpresse: Der Schah und seine Familie

Diese Veränderungen in Teheran zogen die Aufmerksamkeit der US-Regierung auf sich. Die Vereinigten Staaten sahen ihre Interessen gefährdet und mit Hilfe des amerikanischen Geheimdienstes CIA startete am 16. August 1953 die so genannte "Operation Ajax": Mossadegh bekam den Befehl des Schahs, er sei abgesetzt und stattdessen wurde General Zahedi neuer Premierminister: Ein Putschversuch, der jedoch scheiterte. Der Schah musste nach Europa fliehen und tagelang blieb die Lage in Teheran unübersichtlich. Dann jedoch gewannen die Putschisten die Oberhand: General Zahedi ließ Mossadegh verhaften und etliche Schah-Gegner hinrichten. Der Schah selbst kehrte wieder aus dem Exil zurück, sah sich in seiner Macht gefestigt und genoss weiter die verstärkte Unterstützung der USA.

Verfolgung und Hinrichtung von Oppositionellen

Der iranisch-deutsche Publizist Bahman Nirumand, aufgenommen am 5. Februar 2005, Foto: dpa

Der iranisch-deutsche Publizist Bahman Nirumand

Doch er stand an der Spitze eines korrupten Systems, das in die eigene Tasche wirtschaftete und die Sorgen der Bevölkerung nicht Ernst nahm. Die Menschen litten unter der schlechten medizinischen Versorgung, Hunger, Armut und dem repressiven System. Die Verfolgung und Hinrichtung Oppositioneller verteidigte der Schah regelmäßig auch in den westlichen Medien. Dissidenten würden hingerichtet zum Schutz des Landes, so der Schah. "Weil sie Marxisten waren und dieses Land nicht unterstützt haben. Ich kann denjenigen verzeihen, die mich töten wollen und meine Frau und mein Kind attackieren. Aber nicht denjenigen, die sich gegen unser Volk stellen", betonte er häufig.

Die Unterdrückung des persischen Volkes sorgte bei einem Deutschlandbesuch des iranischen Königspaares im Juni 1967 für massive Proteste, bei denen der Student Benno Ohnesorg erschossen wurde. Doch auch innenpolitisch verschärfte sich in den folgenden Jahren der Druck auf den Schah. Eine vornehmlich von der islamischen Geistlichkeit angeführte Oppositionsbewegung prangerte das Fehlen religiöser Werte im Regime an. Mit der Ernennung eines neuen Ministerpräsidenten versuchte Schah Reza Pahlavi Ende 1978 der Opposition noch einmal den Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch die gewalttätigen Massendemonstrationen erhielten im ganzen Land immer mehr Zulauf. Und so war er am 16. Januar 1979 ein zweites Mal gezwungen, ins Exil zu gehen. Nach einer Odyssee durch mehrere Länder verstarb der letzte Machthaber auf dem Pfauenthron am 27. Juli 1980 in Ägypten an Krebs.

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