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Politik

Der letzte Ausweg

Verkehrte Welt: Israel ist ein klassisches Einwanderungsland. Immer mehr Israelis entfliehen jedoch der Nahost-Krise und der wirtschaftlichen Not, indem sie auswandern.

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Terroranschläge treiben immer mehr Israelis zur Auswanderung

Jarif Schawitt weiß nur eines - er will weg. Weg aus Israel, wo er keine Arbeit findet und wo die politische Situation ihm völlig aussichtslos erscheint. Darum war er an diesem Morgen schon bei der kanadischen Botschaft, um sich die Unterlagen für die Immigration zu besorgen. Aber Kanada ist nicht das einzig mögliche Ziel.

Eigentlich sei ihm egal, wohin er auswandert, sagt Schawitt: "Überall dahin, wo ich Arbeit finde und meine Familie dementsprechend gut leben könnte." Auch in Deutschland hat er sich bereits umgehört, seinen Lebenlauf an Freunde weitergegeben und Bewerbungen an Firmen geschickt.

Arbeit und Sicherheit

In Israel findet Jarif Schawitt derzeit keine Arbeit, denn die wirtschaftliche Lage hat sich aufgrund der politischen Spannungen dramatisch verschlechtert. Im letzten Jahr haben mehr als 2.000 High-Tech-Firmen Konkurs angemeldet. Und die Arbeitslosigkeit steigt ständig. "Ich habe Diplom-Ingenieur gelernt, Elektrotechnik hier in Tel Aviv", erzählt Schawitt. "Ich suche im Bereich von Mobilfunk jede Arbeit. Ich habe Erfahrungen bei Motorola, zweieinhalb Jahre."

Seit zwölf Jahren lebt der 31jährige Jarif Schawitt in seinem Geburtsland Israel. Vorher hat er 14 Jahre lang mit seinen Eltern und Geschwistern in Deutschland gelebt und auch die deutsche Staatsbürgerschaft erworben. Er ist damit einer von mindestens 70.000 Israelis, die auch noch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.

Veränderte Einstellung zur Emigration

Früher nannte man die Auswanderer abfällig "Jordin", zu deutsch "Absteiger". Doch inzwischen hat sich die Einstellung zur Emigration radikal geändert. Für viele Israelis ist die Auswanderung ein legitimer Weg, der Krise im Nahen Osten zu entkommen, einen gut bezahlten Job zu finden und die Kinder ohne Ängste vor Terror und Krieg aufzuziehen. Politische und wirtschaftliche Motive sind dabei nicht immer zu trennen.

Auch für Jarif Schawitt besteht ein Zusammenhang zwischen der Gewalt im Nahen Osten und dem wirtschaftlichen Niedergang Israels: "Überall sagt man, dass die wirtschaftliche Situation sich verbessern wird in der Welt oder auf dem Weg ist, sich zu bessern. Hier in Israel wird es noch lange dauern. Wird die politische Lage nicht besser, wird es die wirtschaftliche auch nicht."

Diese Überzeugung teilen Zehntausende Israelis, die sich derzeit bei den ausländischen Konsulaten um Visa und Einwanderungspapiere bemühen.

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