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Afrika

Der lange Weg zur Versöhnung

Knapp ein halbes Jahr nach der Wahl will Präsident Outtara sein Land einen und versöhnen. Die Menschen warten aber nicht auf die Justiz. Sie versuchen, durch praktische Projekte Frieden herzustellen.

Eine Gruppe Soldaten auf einem Jeep. (Foto: EPA)

Auch Ouattara-Truppen sollen an den Massakern in Duékoué beteiligt gewesen sein

Die Menschen in Fengolo haben das Anliegen ihres neuen Präsidenten Alassane Ouattara, eine "neue Ära der Versöhnung und der Einheit" zu beginnen, verstanden und wollen endlich Frieden machen. Das kleine Dorf im Westen der Elfenbeinküste liegt nur wenige Kilometer entfernt von der Stadt Duékoué. Noch vor wenigen Wochen machte sie weltweit Schlagzeilen: Nach Gefechten zwischen Anhängern von Ex-Präsident Laurent Gbagbo und Wahlsieger Alassane Ouattara fanden Hilfsorganisationen Massengräber mit Hunderten Toten. Nach den umstrittenen Parlamentswahlen im November, bei der sowohl Ex-Präsident Gbagbo und Herausforderer Ouattara den Sieg für sich reklamierten, kam es auch in Fengolo zu Zusammenstößen.

Präsident Ouattara. (Foto: AP)

Präsident Ouattara will versöhnen

Doch nun bemüht man sich im Dorf um Versöhnung. Dafür ist auch Sidiki Konaté gekommen. Der ehemalige Minister ist auf offizieller Versöhnungsmission. Und er hat eine Botschaft für alle, die bei der Wahl vor mehr als fünf Monaten für den abgewählten Staatschef Gbagbo gestimmt hatten: "Alassane Ouattara ist der Präsident aller Ivorer", betont er. "Auch wenn ihr ihn nicht gewählt habt, öffnet ihm eure Arme. Den Unterschied zu respektieren – das ist Demokratie!"

Konkurrenz um Land und Reichtum

Doch Akzeptanz und Versöhnung ist viel komplizierter als simples politisches Lager-Denken. Denn in Duékoué und der Region stehen sich nicht nur Anhänger des Gbagbo- und des Ouattara-Lagers und deren Truppen gegenüber. Es sind ganze Volksgruppen. Auf der einen Seite: Das Volk der Gere, auch Wê genannt. Sie sind so etwas wie die traditionellen Einwohner der Region. Auf der anderen Seite: Menschen aus anderen Landesteilen und den Nachbarländern. Lange Zeit zog die Elfenbeinküste Zuwanderer an - denn die Wirtschaft war stärker als irgendwo sonst in der Region. Doch die Migranten sind vielen Einheimischen nicht willkommen, werden als Konkurrenz im Wettbewerb um Land und Reichtum wahrgenommen. "Manche unserer Probleme hier sind schon mindestens 20 Jahre alt: Streit um Land, politische Manipulation, ethnische Unterschiede. Es gab keinen richtigen sozialen Zusammenhalt in Duékoué", sagt Cyprien Ahouré, Priester der Katholischen Mission von Duékoué.

Flüchtlinge tragen große Säcke auf ihren Köpfen. (Foto: AP).

Zahlreiche Menschen wurden vertrieben

Schon früher kam es daher zu Zusammenstößen zwischen den ethnischen Gruppen. Und nach der Wahl spitzte sich die Lage noch einmal zu: Denn während die Gere vorwiegend für Gbagbo gestimmt hatten, stand die Mehrheit der Zugewanderten hinter Ouattara. Der Mann aus dem Norden ist für sie eine Identifikationsfigur - denn lange wurde ihm die Kandidatur um das Präsidentschaftsamt verweigert. Begründung: Er sei ja gar kein echter Ivorer. Nachdem seine Truppen Ende März in die Region und in die Stadt Duékoué einmarschiert waren, fanden Hilfsorganisationen Hunderte Tote. Was genau passiert ist, muss noch untersucht werden. Klar ist aber: Es gab auf beiden Seiten Opfer. Tausende Menschen flohen vor den Kämpfen und aus Angst vor Racheakten.

Angst vor der Rückkehr

Gbagbo und Ouattara schütteln sich lächelnd die Hände (Foto: AP).

Trotz des Lächelns erbitterte Gegner: Ouattara und Gbagbo

Mehr als 30.000 Menschen sollen allein in die Katholische Mission in Duékoué geflohen sein. Manche Quellen sprechen sogar von 40.000. Sie haben bis heute Angst, nach Hause zu gehen. "Bevor wir in unsere Dörfer zurückkehren können, muss die Sicherheitslage geklärt sein", sagt ein Flüchtling in der Mission. "Die Leute müssen entwaffnet werden. Wenn das geschehen ist, kann ich heimkehren. Ohne Entwaffnung kann ich nicht zurück ins Dorf."

Doch nun soll Schluss sein mit der Angst – und mit dem Konflikt. Dazu soll die von Präsident Ouattara einberufene Kommission für Dialog, Wahrheit und Versöhnung beitragen. Doch die Menschen in Fengolo haben auch selbst schon ein Versöhnungskomitee ins Leben gerufen. Darin sind alle in dem Ort lebenden ethnischen Gemeinschaften vertreten.

"Wir werden sie mit offenen Armen empfangen"

Der Sprecher der zugewanderten Bevölkerung, Issa Ouattara, betont den Friedenswillen derer, die er vertritt. Er ruft die Ureinwohner zur Heimkehr in ihre Dörfer auf. Angst vor Repressalien oder Racheakten müsse niemand haben. "Die Malinké aus Fengolo, die Burkinabé aus Fengolo, die Senufo oder die Baulé aus Fengolo haben den Wê nichts vorzuwerfen. Wir werden sie mit offenen Armen empfangen."

Doch neue Morde und der Fund eines Massengrabes in Abidjan in dieser Woche zeigen in den Augen der Einwohner von Duékoué vor allem eines: Der Weg zu Frieden und Versöhnung in der Elfenbeinküste ist noch sehr, sehr lang.

Autoren: Yaya Boudani/Dirke Köpp
Redaktion: Daniel Pelz