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Wirtschaft

Der lange Kampf des Kapitän Vassilis

Investieren in Griechenland ist mit vielen bürokratischen Hürden verbunden. Wer da einen langen Atem beweist, kann aber auch zum Held werden, wie diese Geschiche aus dem Peloponnes beweist.

Vassilis Constantakopoulos - selbst der Flughafen von Kalamata trägt den Namen des Mannes, der hier wegen seines langen Kampfes mit der griechischen Bürokratie verehrt wird. Es ist ein Akt später Anerkennung für Constantakopoulos' Investition in Messini, einem touristisch vergessenen, aber schönen Ort mit unzähligen Olivenbäumen und Zypressen auf dem westlichen Peloponnes.

Kapitän Vassilis, wie er überall genannt wird, stammt aus Messini. Geboren in sehr armen Verhältnissen, kam er als Reeder zu Reichtum und hat es trotz Schuldenkrise, Grexit-Angst und Kapitalbeschränkungen geschafft, sich einen Lebenstraum zu erfüllen: Mit einer Luxus-Öko-Hotelanlage hat er seinen Heimatort auf der Karte des internationalen Tourismus platziert.

Der Name, Costa Navarino, stammt von der unweit gelegenen Bucht, wo 1827 eine Seeschlacht Griechenlands Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich einleitete.

Kampf gegen die Bürokratie

Kapitän Vassilis musste lange für seinen Traum kämpfen. Die Vorbereitung seiner Investition war eine Art Zehnkampf gegen die bürokratische Hydra eines Landes, in dem Regierungen jeder parteipolitischen Couleur systematisch Investoren verschrecken.

Mehr als 3000 Unterschiften aus Ministerien, Behörden und zuständigen Stellen waren nötig, um die erste Phase des Projekts im Jahr 2009 zu starten - nach fast 15 Jahren Vorlauf. Unzählig sind auch die Ministerialbeschlüsse für das Investitionsprojekt von insgesamt 1,2 Milliarden Euro.

Griechenland Costa Navarino

Durchhaltevermögen: Kapitän Vassilis Constantakopoulos

"Damals brauchten die Leute unglaubliche Geduld, unerschöpfliche Kraft und großen Willen", sagt Stefanos Theodoridis, Chef der Entwicklungsgesellschaft Temes, in einem Gespräch mit der DW. "Aber sie haben es geschafft. Heute sind wir alle sehr stolz darauf."

Wenn alle Bauphasen abgeschlossen sind, sollen bis zu 3.300 neue Arbeitsstellen entstehen, vor allem für Menschen, die in Messini zu Hause sind.

Widerstand gab es anfangs nicht nur von Behörden, sondern auch von Anwohnern, Bauern und Umweltverbänden. Sie alle befürchteten eine Beeinträchtigung der Natur. "Εs war ein richtiger Krieg", erinnert sich heute der Agrarwissenschaftler Sotiris Tsekas, Mann der ersten Stunde bei Costa Navarino.

"Sie haben Straßen blockiert, damit die Bauarbeiter nicht zur Arbeit kommen konnten", erzählt Tsekas. "Aber als die Vision von Kapitän Vassilis allmählich Wirklichkeit wurde, haben die Menschen verstanden, worum es ging. Sie haben aufgehört, Feinde des Projekts zu sein."

Tourismus und Naturschutz

Costa Navarino besteht aus mehreren Anlagen, bei deren Planung auf Umweltverträglichkeit und Naturschutz geachtet wird. Fertiggestellt ist bisher Navarino Dunes: Zwei Luxushotels, The Westin und Romanos, fügen sich in die Natur ein, dazu exklusive Villen mit eigenem Pool, zwei Golfplätze und ein Konferenzzentrum für 2000 Gäste. Restaurants und ein Kafenion, ein griechisches Kaffeehaus, bieten Bioprodukte und Olivenöl aus eigener Produktion an. Am kilometerlangen kernsanierten Strand sind seltene Vögel und Meeresschildkröten zu Gast.

"Am Anfang waren wir sehr feindlich eingestellt gegenüber Costa Navarino. Die Gefahr war einfach zu groß für die Schildkröten", sagt Panagiota Theodora von der Umweltschutzorganisation Archelon.

"Danach haben wir mit den Verantwortlichen an einem Tisch gesessen und haben strenge Auflagen für den Strand verlangt. Und sie waren sehr kooperativ", erzählt die Umweltschützerin. "Am Strand gibt es keine Bar, keine Stühle während der Nacht, kein Licht, kein Nachtleben. In dieser Hinsicht ist Costa Navarino eine vorbildliche Hotelanlage."

Griechenland Costa Navarino

Einer von Tausenden Olivenbäumen, die während der Bauarbeiten umgepflanzt wurden

Während der Bauarbeiten wurden auch mehr als 5000 zum Teil Jahrhunderte alte Olivenbäume ausgegraben und nach Fertigstellung in die Ferienlandschaft umgepflanzt. Zusätzlich gibt es auf der 1000 Hektar großen Anlage Obstbäume, Platanen, Blumen und Kräuter, die nicht viel Wasser verbrauchen.

Für die Wasserversorgung der Gäste und die Bewässerung der Golfplätze wird Regenwasser in zwei riesigen Auffangbecken gewonnen. Das Abwasser wird ökologisch aufbereitet. Strom produziert eine Photovoltaik-Anlage, die Überschuss in das lokale Stromnetz einspeisen kann.

Besonders ambitioniert ist das Erdwärme-System: Unter den Golfplätzen wurden 150 Kilometer Wasserleitungen verlegt - in zwölf Metern Tiefe, weil hier die Temperatur immer bei 18 Grad liegt. Je nach Bedarf wird das Wasser dann energiearm aufgeheizt oder abgekühlt, etwa für die Klimaanlage. "So sparen wir Zeit und Energie", sagt Sotiris Tsekas. "Wir achten sehr auf die Umwelt. So wollte es Kapitän Vassilis", fügt er hinzu.

Kein Wachstum ohne Investitionen

Dank Costa Navarino wirkt die Gegend, als sei sie aus einem langen Dornröschenschlaf erwacht. Der regionale Flughafen von Kalamata erwartet für diesen Sommer 25 Prozent mehr Touristen als im Vorjahr. Es gibt Direktflüge aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Russland, Schweden und die ehemals jugoslawischen Republik Mazedonien. Dadurch erlebt die ganze Region einen Entwicklungsschub mit neuen Arbeitsplätzen.

"Ich bin dem Kapitän Vassilis sehr dankbar", sagt Vassiliki, eine Supermarkt-Inhaberin in Gialova, und bekreuzigt sich. "Am Anfang war ich skeptisch. Aber das, was hier entstanden ist, gleicht einem Jahrhundertwerk. Wir werden jetzt überall bekannt. Costa Navarino hat uns mit neuem Leben erfüllt."

Griechenland Costa Navarino

Villa mit Pool in Navarino Dunes

Doch dabei soll es nicht bleiben. Stefanos Theodoridis, der Chef der Entwicklungsgesellschaft Temes, hat große Pläne für weitere Hotelanlagen in der Gegend. "Nach Navarino Dunes werden wir Navarino Bay bauen, in der Nähe von Pylos, mit luxuriösen Suiten und Villen. Danach kommt Live Style Navarino Waterfront mit vielen Wasserelementen für jüngere Leute, dann Navarino Hills, wo ein Golfplatz mit 38 Löchern in der Entstehungsphase ist, und dann das Navarino Blue in der Bucht von Kalamata."

Schätzungen zufolge benötigt Griechenland in den nächsten sechs Jahren weitere 120 Milliarden Euro an privaten Investitionen, um zumindest wieder das wirtschaftliche Niveau von 2009 zu erreichen. Mitte Juni verabschiedete das Parlament ein neues Investitionsgesetz, das die Gründung von Unternehmen vereinfachen soll und feste Steuersätze vorschreibt. Die Opposition kritisiert das Gesetz als Wachstumsverhinderung, weil Investitionen von weniger als 3,6 Milliarden Euro unverhältnismäßig hoch besteuert würden.

"Wir brauchen für unsere Investition einen stabilen politischen und wirtschaftlichen Rahmen, eine stabile Steuerpolitik und verlässliche Wirtschaftsdaten", sagt Temes-Chef Theodoridis. Und doch ist er optimistisch, das am Ende alles gut wird. "Griechenland hat schon schwierigere Situationen überlebt", sagt er. "Das Land wird es schaffen."

Kapitän Vassilis Constantakopoulos hat zumindest die Eröffnung der Hotelanlage noch erlebt. Er starb Anfang 2011 im Alter von 75 Jahren.

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