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Musik

Der lange Abschied der Scorpions

Mehr als 40 Jahre Leder, Nieten und Power-Chord-Riffs gehen zu Ende. Von 2010 bis 2012 nehmen die Scorpions rund um den Globus Abschied. Die Deutsche Welle hält die letzte Tournee in einem Dokumentarfilm fest.

Filmplakat BIG CITY NIGHTS Der Scorpions Film (@dw)

Die Geschichte der Band beginnt 1965, als Rudolf Schenker vor dem Schaufenster eines Plattenladens in Hannover eine Vision hat. Auf einem Plakat, das ein Rockkonzert ankündigt, meint er, seinen Namen zu lesen und beschließt, Rockmusiker zu werden.  

Das ist die Geburtsstunde einer der erfolgreichsten Hardrock-Bands aller Zeiten. 1972 nehmen die Scorpions ihr erstes Album auf: "Lonesome Crow". Aber irgendwie scheint Deutschland nicht gerade auf harte Klänge von der Leine gewartet zu haben, also beschließen die Musiker, dass sie raus müssen. Raus aus Deutschland. Über den legendären Marquee Club in London spielen sie sich in die Herzen amerikanischer und japanischer Fans. In Deutschland bekommt das kaum einer mit.
 
Germany? We go to America!
 
Die Scorpions 1988 in Leningrad (AP Photo)

Die Scorpions in jungen Jahren

Die Amerikaner sind so begeistert von den deutschen Rockern, dass Manager Künstler wie Jon Bon Jovi dazu verdonnern, sich jeden Auftritt der Scorpions anzuschauen. Genau so wie die Hannoveraner müsse man es machen, um erfolgreich zu sein. Rocken, Charisma und den richtigen Umgang mit dem Publikum, das haben die Scorpions eindeutig drauf.

 
Für viele Amerikaner versinnbildlichen Klaus Meine, Rudolf Schenker und Matthias Jabs den europäischen Hardrock-Livestyle: toupierte Haare, knallenge Hosen, Cowboy-Stiefel. So sieht es also aus, wenn Krauts auf Achse gehen. Die Scorpions bedienen das Bild gerne. Hauptsache raus auf die Bühne, Songs spielen und der Welt zeigen, wer man ist.
 
Lausiges Englisch, peinliche Performance, schlechtes Songwriting - so urteilen deutsche Kritiker. Bis die Scorpions Anfang der 80er Jahre mit ihrem eigenen Jumbo in Deutschland landen – als gemachte Weltstars. Seitdem haben die Hannoveraner über 100 Millionen Alben verkauft und weltweit circa 5000 Konzerte in über 80 Ländern gegeben.
 
Wind of Change
 
Die Scorpions: Das ist die Geschichte von Freunden, die immer ihren eigenen Weg gegangen sind. Zu einer gehörigen Portion Fleiß und Ehrgeiz kommt noch das gewisse Quäntchen Glück, im richtigen Moment das Richtige zu tun. Amerika und Asien liegen ihnen eh zu Füßen. 1988 gehen die Scorpions daher als eine der ersten internationalen Rockbands in die Sowjetunion. "Unsere Eltern kamen mit Panzern, wir mit Gitarren", kommentierte Klaus Meine damals. 
 
Klaus Meine und Rudolf Schenker posieren vor dem Brandenburger Tor (AP Photo/Herbert Knosowski)

Posieren vor dem Brandenburger Tor

Im damaligen Leningrad spielen die Scorpions vor mehreren hunderttausend Fans. Für die Band ist das ein unglaubliches Erlebnis. Auf der einen Seite steht der KGB, der sie auf Tritt und Schritt nicht aus den Augen lässt; auf der anderen Seite sind die Fans, die Silbe für Silbe mitsingen. Es liegt etwas in der Luft: ein Wechsel.

 
Im Jahr 1989 treten die Scorpions dann im Lenin-Stadion beim legendären "Moscow Music Peace Festival" auf. Ihre Eindrücke verarbeiten die Rocker in dem Lied "Wind of Change": eine typische Scorpions-Ballade, geeignet zum Feuerzeughochhalten und mitsingsicher. Ein Lied, das die Stimmung der Götterdämmerung des kalten Krieges einfängt. Das gepfiffene Intro wird Sinnbild seiner Zeit. "Wind Of Change" erscheint im November 1990 - gerade rechtzeitig, um nach dem Mauerfall als Wiedervereinigungs-Hymne Karriere zu machen. Im Februar erscheint der Track als Single und wird zum größten Erfolg in der Bandgeschichte.
 
Der Stachel der Medien
 
Mit den deutschen Medien werden die Scorpions in ihrer gesamten Geschichte nicht warm. Obwohl der Einfluss der Band auf die Musikkultur unübersehbar ist, werden die Alben mit genüsslicher Wonne verrissen, Albencover als sexistisch gebrandmarkt.
 
 
Die Band Scorpions mit Klaus Meine, Matthias Jabs, Rudolf Schenker und Pawel Maciwoda,(AP Photo/Kai-Uwe Knoth, Archiv)

40 Jahre lang schrieben sie Musikgeschichte: die Scorpions

Deutschland weiß seine Weltstars nicht zu würdigen. Während die Scorpions Anfang des Jahrtausends weltweit immer größere Stadien füllen, bleiben die Hallen in Deutschland meistens leer.

 
In Wacken zurück zu den Wurzeln
 
2006 kommt dann der Wendepunkt. In Wacken, wo das größte Metal-Festival der Welt stattfindet, zeigen die Band-Mitglieder, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Frenetisch feiert das Publikum die Lieder aus der vor "Wind Of Change"-Ära. Bei den Scorpions macht es Klick.
 
Klaus Meine in Prag. (CTK Photo/Stan Peska)

Erfolg mit "Sting in the Tail"

Mit den 2007 und 2010 erschienenen Alben "Humanity-Hour 1" und "Sting in the Tail" schöpfen sie noch einmal aus den Vollen. Und siehe da: Die Hallen füllen sich wieder, und sogar die Kritiken sind plötzlich gut. Die Scorpions sind wieder da.

 
Rudolf Schenker und Klaus Meine witzeln schon, dass es Zeit wäre aufzuhören, bevor sie wie der langlebige Showstar Johannes Heesters auf die Bühne getragen werden müssen. Und sie befolgen damit eine alte Show-Geschäft-Regel: Höre auf, wenn es am Besten ist. Sie kündigen ihr Karriereende an.
 
90 Minuten Scorpions pur
 
Seitdem sind die Haudegen der Powerballade auf der "Get Your Sting and Blackout
-Abschiedstour" durch die ganze Welt und füllen mühelos Hallen, Stadien und Festivals. Seit kurzem haben sie die Regisseurin Katja von Garnier im Gepäck. Im Auftrag der Deutschen Welle begleitet sie die Rentner in spe mit ihrer Kamera; auf der Bühne, im Tourbus und im Flieger. Das Ziel: den Abgang der erfolgreichsten deutschen Band aller Zeiten zu dokumentieren. 90 Minuten Scorpions. Partner der DW bei dem Filmprojekt sind das ZDF und Sony Music. Ausführende Produzentin ist die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete DOKfilm Potsdam.
 
Scorpions-Film: Dreharbeiten im Gorki-Park in Moskau (Foto: @dw)

Dreharbeiten in Moskau

"Big City Nights - Der Scorpions-Film" lautet der Titel der Dokumentation. Die Dreharbeiten haben im Februar 2011 begonnen und dauern bis ins Jahr 2012. Erste Stationen waren Thailand, Russland, England und Belgien; in den nächsten Wochen und Monaten stehen Deutschland, Griechenland und Südamerika auf dem Programm. Anfang 2013 wird "Big City Nights" dann Kino-Premiere feiern und später im Programm von DW-TV und arte zu sehen sein. Außerdem wird der Film auf DVD veröffentlicht.

 
Big City Nights in der Vorschau  
 
Wer nicht so lange warten möchte, kann sich auf den Sonderseiten der Deutschen Welle schon jetzt erste Eindrücke von den laufenden Dreharbeiten verschaffen (www.dw-world.de/scorpions). Hier finden sich Videos, Fotos und Texte zur Entstehung des Films. Es gibt einen interaktiven Tourkalender, Informationen zu den Musikern und weiterführende Links.
 
"Bei einem Film, dessen Produktion sich über mehrere Jahre erstreckt, bietet es sich an, Fans und Interessierte regelmäßig mit Informationen zu versorgen", so Rolf Rische, Projektverantwortlicher bei der Deutschen Welle in Berlin. Das Archivmaterial lasse wichtige Stationen der Band wieder aufleben. In Interviews erzählen die Protagonisten Klaus Meine, Rudolf Schenker und Matthias Jabs, wie aus einer Amateurgruppe in der Provinz eine der weltweit erfolgreichsten Bands werden konnte.
 
Das endgültige Aus der Kultband, die Rockgeschichte schrieb, kommt dann 2012. Anfang nächsten Jahres wird das Publikum zum letzten Mal live "Holiday" mitsingen können. Und die Scorpions werden auch noch einmal beim Metalfestival in Wacken auftreten - dort, wo die Band neu geboren wurde.
 
Autor: Uli José Anders
Redaktion: Rick Fulker
 

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