1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Der Kunst-Feminist

Der Künstler Wolfgang Klaus Maria Friedrich kämpft für die Rechte der Frauen - vor allem in der Kunst. So darf er auch als einziger Mann im Frauenmuseum in Bonn ausstellen.

Zwei runde Tische, darauf appetitanregende Schokoladenbrunnen, aus denen dunkle, zartbittere "Herrenschokolade" sprudelt. Um die Brunnen herum sind Kekse drapiert, die zum Naschen einladen. Beim genaueren Hinsehen sind es kleine Plätzchen in Penisform. Das Ganze heißt: "In aller Munde". Ein netter zweideutiger Witz, denkt man, bis sich der wahre Hintergrund erschließt: Es geht um den Kampf gegen Kinderschänder. "Zartbitter" nennt sich eine Kölner Organisation gegen Kindesmissbrauch. 

Das ist der Anfang einer Ausstellung im Bonner Frauenmuseum. "Schwarze Schokolade" heißt sie. Namensgeberin ist eine Künstlerinnengruppe, die sich vor gut 30 Jahren in Berlin-Kreuzberg formierte und ein Zeichen gegen die männliche Übermacht in der Kunstszene setzte. Die Ausstellung dreht sich um die Frauenbewegung in der Kunst, sie zeigt weibliche Kunst, geschaffen von Künstlerinnen, die sich die männliche Übermacht in der Kunst nicht mehr gefallen lassen wollten.

Einen Mann haben die Künstlerinnen in der Ausstellung dennoch an ihrer Seite: Es ist der Kölner Künstler Wolfgang Klaus Maria Friedrich, der sich selbst das Kürzel WKMF als Künstlername zugelegt hat. Seine Werke begrüßen die BesucherInnen direkt im Eingangsbereich. Dort hängen vier mit Schokolade bearbeitete Siebdrucke, die verschiedene Frauenschicksale zeigen. Und vor dieser Wand: die Schokoladenbrunnen.

Schokoladenbrunnen des Künstlers Wolfgang Friedrich. Foto: Vytené Stasaityté

Diese speziellen Kekse können einem schnell im Halse stecken bleiben

Mit seiner Schoko-Installation will WKMF zum Nachdenken anregen, "weil die Leute das Thema Kindesmissbrauch nicht angehen. Und Männer erst recht nicht. Deswegen bin ich sehr gerne hier im Frauenmuseum und fühle mich hier richtig wohl."

Von anderen Männern angefeindet

Natürlich wird WKMF von anderen Männern, gerade in der Kunstszene, argwöhnisch beäugt. "Ich bin von meinen Künstlerkollegen angefeindet worden, weil ich in ihren Augen die Position einer Frau angenommen habe", erzählt er im Interview mit der Deutschen Welle. "Aber ich bin wirklich ein Mann und mache das aus Überzeugung. Wenn ich sehe, welche Ungleichheiten herrschen, dann muss ich dagegen angehen. Das ist meine Hauptaufgabe als Künstler. Man muss sich immer wieder wehren. Das mache ich mit großer Freude jeden Tag."

WKMF ist davon überzeugt, dass, wenn mehr Frauen auf der Welt das Sagen hätten, Zustände wie beispielweise die Finanzkrise gar nicht erst eintreten würden. "Wir kennen dieses alte Ding 'It's a man's world'. Männer haben es beruflich immer noch wesentlich leichter. Wenn sich da nicht bald was ändert, dann gehen die Frauen nicht nur frustriert nach Hause, sondern der gesamten Wirtschaft geht etwas verloren."

Der Prachtkerl, der die Frauen liebt

Die Chefin des Frauenmuseums Marianne Pitzen und Wolfgang Friedrich auf der Ausstellung Schwarze Schokolade in Bonn. Foto: Vytenė Stašaitytė

Für dieses Foto mit Museumschefin Marianne Pitzen musste sich der Künstler klein machen

Der 55-jährige Künstler will sich nicht in eine bestimmte Ecke drängen lassen: Er ist nicht homosexuell, war verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder. Er ist ein "Turm von einem Mann, ein zwei Meter hoher Prachtkerl", wie ihn ein befreundeter Galerist beschreibt - ist aber dennoch überzeugter Feminist. "Ich liebe die Frauen, und ich bin feministisch angesetzt, aber ich bin ein Mann", betont er immer wieder. "Ich möchte aber gerne, dass alles gerecht verteilt wird - 50:50." In seinem Freundeskreis gibt es dennoch mehr Männer als Frauen. "Aber in der Freundschaftsfrage lege ich auf das Geschlecht nicht so viel Wert. Es gibt ja Frauen, die wie Männer saufen können. Es gibt aber auch Männer, die etepetete sind."

Ausgerechnet dieser "Traummann" ist nun mitten in einer Ausstellung präsent, die sich dem Aufbegehren der Frauen gegen die dominante Männerwelt widmet. Auch das ist eine kleine Provokation: Denn WKMF will mit seinen Werken auf Missstände hinweisen.

So haben nicht nur die Schokoladenbrunnen mit den männlichen Geschlechtsteilen eine Signalwirkung, sondern auch die Siebdrucke im Hintergrund an der Wand: Frauenporträts aus unterschiedlichen Milieus. Eine Bettlerin mit Kind am Straßenrand, daneben ein Mutter-Kind-Porträt wie aus einem Heile-Welt-Werbespot der 1950er Jahre. Außerdem stellt sich der feministische Maler die Frage: "Welches Geschlecht hat Gott?" Eine Frage, an der schon viele verzweifelt sind, deren Antwort man in der Kunst vielleicht am nächsten kommen kann.

Das litauische Nachrichtenportal delfi.lt nimmt am journalistischen Austauschprogramm "Nahaufnahme", organisiert vom Goethe-Institut, teil. Während dieses Projektes tauschen Journalisten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern für kurze Zeit (2-4 Wochen) ihre Arbeitsplätze. Im Dezember 2012 war die DELFI-Journalistin Vytenė Stašaitytė zu Gast in der Redaktion der Deutschen Welle. Die Deutsche Welle schickt im März die Reporterin Monika Griebeler nach Vilnius. Weitere Informationen über dieses Projekt finden Sie HIER.

WWW-Links