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Kultur

Der Krieg in den Köpfen

Die Stadt Weimar gilt als deutscher Identifikationsort. Die neue Ausstellung "Krieg der Geister" zeichnet nun den nationalen Rausch der Weimarer Kulturschaffenden vor dem Ersten Weltkrieg nach.

Gemälde : zwei Sodaten versuchen im Schützengraben sitzend zu schlafen (Im Schützengraben, Gert H. Wollheim, 1918) (Foto: Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf)

Zwischen Euphorie und Entsetzen: Der Erste Weltkrieg in Kunst und Kultur

Weimar steht wie kaum eine andere Stadt für deutsche Kultur: Goethe, Schiller, Herder, Liszt und Böcklin sind nur einige der illustren Namen, die eng an die Geschichte der thüringischen Stadt geknüpft sind. Am 1. August, dem offiziellen Gedenktag zum Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, eröffnet die Weimarer Klassik-Stiftung ihre Jahresausstellung mit dem Titel "Krieg der Geister – Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914". Es ist die erste Ausstellung in Deutschland, die sich ausschließlich mit der Rolle der deutschen Kultur in jenen Jahren beschäftigt. Sie zeigt in mehreren Etappen, wie Weltanschauung und Kultur aufeinanderprallten.

Intellektuelle und der nahende Krieg

Bereits lange vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs waren es Künstler und Intellektuelle, die mit ihren Werken und Schriften – meist unfreiwillig – ideologischen Nährboden für den kommenden Konflikt lieferten.

Hans Thoma, Der Krieg, 1907 (Foto: Städel Museum)

Hans Thoma, "Der Krieg", 1907

In der Rückschau ist es beklemmend zu sehen, wie deutlich sich die Katastrophe in Bildern, Büsten und Schriften jener Zeit abzeichnet. Besonders in der Kulturstadt Weimar, Dreh- und Angelpunkt deutscher Kunst und Befindlichkeit zugleich, ist die aufkommende Kriegsstimmung spürbar: "Wie unter dem Brennglas verdichten sich hier die ästhetischen und kulturpolitischen Konfrontationen, lässt sich die intellektuelle Aufrüstung im Zeichen der Nationalisierung der Künste beobachten", so die Pressemitteilung der Weimarer Klassik-Stiftung.

Die Ausstellung, eine Zusammenarbeit der Klassik-Stiftung mit dem Stadtmuseum, dem Stadtarchiv und dem Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar, konzentriert sich auf die Zeit von 1900 bis 1918. Ihrem hoch komplexen Thema – nicht weniger als eine Mentalitätsgeschichte – nähert sie sich mit Gemälden, Plakaten, Fotografien und plastischen Arbeiten bis hin zu propagandistischen Hetzschriften, Aufrufen und Feldpostsendungen.

Fragen nach der deutschen Identität

Innenansicht des Donndorf-Museums mit Denkmalgruppe: Luther, Schiller, Bismarck, um 1908 (Foto: Louis Held/Renno)

Innenansicht des Donndorf-Museums mit Denkmalgruppe: Luther, Schiller, Bismarck, um 1908

Der nationale Rausch der deutschen Eliten jener Zeit wird anhand von acht Persönlichkeiten aus Weimar und Jena greifbar gemacht, darunter Wilhelm Ernst, der letzte Großherzog von Sachsen, und Elisabeth Förster-Nietzsche, die Schwester und Nachlassverwalterin Friedrich Nietzsches.

Ziel des multiperspektivischen Ansatzes der Ausstellung sei es laut Pressemitteilung der Klassik-Stiftung Weimar, zentrale Fragen nach der deutschen Identität zu stellen und so auf noch immer aktuelle Debatten zu verweisen.

Die Ausstellung "Krieg der Geister - Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914" ist vom 1. August bis zum 9. November 2014 im Neuen Museum in Weimar zu sehen.

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