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Politik

Der Kongo vor einem Neuanfang

Lange Jahre wüteten verschiedene Diktatoren im Kongo. Der Letzte von ihnen: Laurent Kabila. Nach seinem Tod keimt unter seinem Sohn Joseph Kabila wieder die Hoffnung auf Frieden.

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Kindersoldaten sind die Opfer

Um die heutige Situation im Kongo zu verstehen, hilft nur ein Blick auf das Erbe, das Joseph Kabila 2001 angetreten hat. Sein Vater Laurent Kabila hatte sich 1996 an die Macht geputscht und damit den vorhergehenden Diktator Mobutu abgelöst.

Der Kongo von 1996 – 2001

Der Kongo befand sich in einer katastrophalen Lage: Ein öffentliches Bildungssystem war nicht mehr vorhanden und das Gesundheitssystem war zusammengebrochen. Staatliche Leistungen konnten nicht mehr erbracht werden. In der Zentralbank waren die Geldreserven aufgebraucht. Die Infrastruktur war fast völlig zerstört, öffentliche Einrichtungen geplündert und die Inflationsrate erreichte bisweilen mehrere Hundert Prozent. Zudem mischten sich die Nachbarländer immer wieder militärisch in die Kämpfe und Unruhen ein.

Ein Name von Schall und Rauch

Laurent Kabila gab dem Land zwar wieder den Namen, den es vor Mobutus Herrschaft trug: Demokratische Republik Kongo – von Demokratie war allerdings nichts zu spüren. Dem Kongo erging es unter Kabila nicht besser als unter Mobutu. Korruption und Selbstbereicherung standen an der Tagesordnung.

Ein dreigeteiltes Land

1998 erschütterte eine neue Rebellion das Land. Seitdem ist der Kongo bis heute faktisch dreigeteilt: Im Osten herrscht die Rebellengruppe "Rassemblement Congolais pour la Démocratie" (RCD) mit militärischer Hilfe aus Ruanda. Im Norden wird die "Mouvement pour la Libération du Congo" (MLC) unter Jean-Pierre Bemba von Uganda unterstützt. Nur der Süden und Westen sind in der Hand Kabilas dank der Hilfe von Simbabwe, Angola und Namibia.

Der erste Grundstein für einen möglichen Frieden im Kongo wurde im Sommer 1999 gelegt. Die Rebellen vereinbarten mit Kabila im Lusaka-Abkommen einen Waffenstillstand in der Absicht, Versöhnungsgespräche zu führen. Die Waffen schwiegen trotzdem nicht. Im Januar 2001 wurde Laurent Kabila bei einem Attentat getötet. Das von ihm ernannte Parlament wählte seinen Sohn Joseph Kabila zum Nachfolger. Damit schien die lange Kette der Diktatoren unterbrochen zu sein.

Der Apfel fällt weit vom Stamm – der Kongo heute

Unter Joseph Kabila kam der Friedensprozess langsam wieder in Gang. Der junge Präsident bemühte sich, die verfeindeten Gruppen an einen Tisch zu bekommen. Er ließ vom ehemaligen Staatschef Botswanas den im Lusaka- Abkommen vereinbarten innerkongolesischen Dialog ausrichten. Außerdem stimmte Kabila zu, mit den Vereinten Nationen zusammen zu arbeiten und Militärbeobachter und UN-Truppen zu dulden. Im Juni 2001 verabschiedeten die UN eine Resolution, die den sofortigen Abzug nicht-kongolesischer Truppen fordert.

Schritte aufeinander zu

Im November trafen sich die verschiedenen politischen Gruppierungen zum ersten Mal im äthiopischen Addis Abeba. Einigen konnte man sich aber nicht. Das jüngste Treffen fand im südafrikanischen Sun City statt. Nach 50 Tagen zäher Verhandlung bot Kabila zuletzt der MLC, die den Norden des Kongos beherrscht, einen Separatfrieden an. Er schlug vor, dass er weiterhin Präsident bleibt und der Führer der MLC, Jean-Pierre Bemba Premierminister werden könnte. Die MLC willigte ein. Allerdings war die RCD, die im Osten des Kongos vorherrscht, mit dieser Lösung nicht einverstanden. Kabila und Bemba wollen ihren Plan trotzdem in die Tat umsetzen.

Oppositionsparteien, Menschenrechtsgruppen und Gewerkschaften bezeichnen das Abkommen zwischen Kabila und Bemba als Staatsstreich. Die RCD schwörte Rache und kündigte einen neuen Kongo-Krieg an. Während die Erwachsenen um die Macht streiten, sehnen sich ihre Nachkommen nach einem Ende des Bürgerkriegs: Anfang April lehnten sich Tausende Kindersoldaten gegen ihr trauriges Schicksal auf und demonstrierten in Kinshasa für Frieden.

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