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Wirtschaft

Der Klimawandel wird zum Geschäftsfeld für Versicherungen

Der Klimawandel ist Realität und wird immer mehr zu einer wirtschaftlichen Größe - auch für Versicherungsunternehmen. Die Münchener Rück bietet bereits entsprechende Produkte an.

Ein schmelzender Eisberg in Grönland

Schmelzender Eisberg in Grönland

Der Ökonom Sir Nicholas Stern

Der Ökonom Sir Nicholas Stern

Spätestens seit der jüngst vorgestellten Studie des renommierten britischen Wirtschaftswissenschaftlers Sir Nicholas Stern ist klar: Der Klimawandel ist nicht nur ein ökologisches Problem, sondern auch ein ökonomisches. Wenn die Kosten für die Schäden in unermessliche Höhen steigen, dann sind auch Unternehmen betroffen. Vor allem natürlich die Versicherer: Katrina, der Wirbelsturm der Superlative vom vergangenen Jahr beispielsweise, hat die Branche rund 45 Milliarden US-Dollar gekostet: für zerstörte Häuser, Ölplattformen und Fabriken.

Jedes Jahr höhere Schäden

Peter Höppe erforscht beim weltweit zweitgrößten Rückversicherer, der Münchener Rück die Folgen des Klimawandels. "Wir sind als Versicherungsunternehmen direkt betroffen vom Klimawandel, da wir von Jahr zu Jahr höhere Schäden aus wetterbedingten Naturkatastrophen bezahlen müssen", erzählt er. "Unsere Analysen zeigen ganz klar, dass die großen wetterbedingten Naturkatastrophen von etwa zwei weltweit im Jahr auf mehr als sieben zugenommen haben."

Mit Hilfe von Simulationsmodellen kalkulieren die Versicherer ihre Preise. Dazu kommen ganz simple Wetterbeobachtungen: Beispielsweise tropische Wirbelstürme in Gegenden, wo es sie sonst nicht gab: 2004 im Südatlantik, ein Jahr später in der Nähe Europas, vor der Iberischen Halbinsel.

Katastrophe als Chance

Doch der Klimawandel birgt nicht nur Risiken, sondern auch Chancen für die Wirtschaft. Wo die Industrie beispielsweise abgasärmere Technologien entwickeln kann, ist es für die Versicherer ein anderer Weg. Bei der Münchner Rück hat man den so genannten "Clean Development Mechanism" entdeckt - ein Bestandteil des Kyoto-Protokolls. Der ermöglicht es Industrieländern, in nachhaltige Projekte in Entwicklungsländern zu investieren - und somit ihre eigene Klimabilanz zu verbessern.

Haupteingang der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AGHaupteingang der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG in Schwabing

Haupteingang der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG in Schwabing

Doch noch scheuen viele das damit verbundene Risiko - und genau hier setzt ein neues Produkt des Münchener Versicherungs-Riesen an: Der Konzern deckt Risiken ab, die sich etwa ergeben können, wenn ein Investor aus einem industrialisierten Land in einem Entwicklungsland investiert, um dort Kohlendioxid zu reduzieren. "Das ist meist sehr viel billiger, als dies in einem Industrieland zu tun. Es dient also insgesamt dem Klimaschutz", erklärt Höppe. "Der Investor macht das aber nur, wenn die Risiken, die damit verbunden sind, irgendwie abgesichert sind." In der jüngsten Zeit habe die Zahl der Anträge für solche Projekte sehr stark zugenommen.

Kleinversicherungen gegen Wetterschäden

Doch nicht nur auf diesem Gebiet gehen die Münchener neue Wege. Angelehnt an das äußerst erfolgreiche Modell so genannter Mikrokredite, bei denen oftmals schon ein paar Dollar einer kleinen Geschäftsidee auf die Beine helfen, gibt es jetzt auch Mikro-Versicherungen. Das Prinzip: Sehr niedrige Prämien - und natürlich auch sehr niedrige Zahlungen. "Die aber ermöglichen Betroffenen, ihre Existenz zu erhalten oder wieder aufzubauen - ein Fischer, der sich ein neues Boot kaufen kann oder sein Haus wieder zumindest notdürftig reparieren kann", so Höppe.

Um diese Idee voranzutreiben, wird Peter Höppe vom Klimagipfel in Nairobi aus direkt nach Südafrika weiterfliegen. Dort will er bei einem Workshop die Idee der Mikroversicherung neuen Interessenten vorstellen. Hier in Nairobi hat Höppe, übrigens einer der angesehensten Geo-Risiko-Forscher, eine andere, bislang einzigartige Initiative vorgestellt: Mit einer Klima-Versicherung will man armen Ländern helfen, die besonders vom Klimawandel betroffen sind - und bisher keinen Zugang zu Versicherungen haben. Entwickelt wurde das Ganze zusammen mit der Weltbank und Umweltschutz-Organisationen.

Das Problem besteht allerdings darin, dass die Prämien von jemandem bezahlt werden müssen - und die Betroffenen haben nicht die Mittel dafür. Höppe sieht deshalb die Industrieländer in der Pflicht: "Es wäre ja nur mehr als gerecht, dass diejenigen, die die Verursacher des Klimawandels sind auch etwas bezahlen, um die Schäden dort, wo jene Menschen wohnen, die nichts für den Klimawandel können, beheben zu können."

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