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Erderwärmung

Der Klimawandel kommt - aber es ist noch nicht zu spät

Die Erderwärmung ist nicht nur ein Problem für die Umwelt - sie wird jeden Aspekt unseres Lebens betreffen. Unsere Antwort muss allumfassend sein. Laut Experten können wir das Ruder noch rumreißen.

Die Welt wird immer heißer. Das wissen Bauern, deren Ernten durch Hitzewellen in Südeuropa, Asien und in den USA diesen Sommer geschädigt wurden. Das ist auch Krankenhausmitarbeitern klar, die sich vermehrt um Hitzeopfer kümmern müssen. Und für die, die ihre Häuser in Waldbränden in Südeuropa und den USA verloren haben, ist es längst Realität.

Das Wetter hat sich zu einer tödlichen Macht entwickelt, wie die jüngsten Rekord-Hurrikane in der Karibik und im Golf von Mexiko eindrucksvoll zeigten. Und nach lang anhaltenden Dürren in großen Teilen Ostafrikas sind 800.000 Kinder vom Hungertod bedroht, warnen Hilfsorganisationen.

Dominica Hurrikan Maria (Getty Images/AFP/Str)

Im September verwüstete Hurrikan Maria den karibischen Inselstaat Dominica

Ein Anstieg der weltweiten Temperatur gilt unter Klimaforschern als ein Auslöser dieser Dürren - mit potentiell tödlichen Konsequenzen. Lebensmittelknappheit kann zu Massenmigration führen und Konflikte anheizen. Im Oktober warnte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK): "Wenn sich das Klima destabilisiert, kann das auch die Gesellschaft destabilisieren". Die Erderwärmung werde nicht wirtschaftlichen Schaden anrichten, "sondern auch unsere Gesundheit angreifen, zu mehr Migration führen und die Entwicklungschancen der Ärmsten der Welt gefährden."

Theorie wird zur knallharten Realität

Der Klimaforscher Wallace Broecker hat bereits 1975 den Begriff "globale Erwärmung" geprägt. Damals veröffentlichte er seine Forschungsergebnisse unter dem Titel "Klimatischer Wandel: Stehen wir am Rande einer ausgeprägten globalen Erwärmung?"

Wie groß das Ausmaß sein würde, war damals noch nicht klar. Nur eine Handvoll Wissenschaftler und Aktivisten beschäftigte sich damit. Vier Jahrzehnte später steht jedoch fest, dass die Erderwärmung ein echtes ökologisches Problem ist - und ein gesundheitliches, gesellschaftliches, politisches und wirtschaftliches.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen werden längst nicht mehr nur von Wissenschaftlern diskutiert. Sie sind im Mainstream angekommen. Und die internationale Gemeinschaft will gemeinsam dagegen kämpfen. Ab dem 6. November treffen sich auf der Weltklimakonferenz in Bonn Regierungsvertreter und Staatschefs aus fast 200 Ländern, um konkrete Maßnahmen zur Anwendung des Pariser Abkommens auszuarbeiten. Vor fast zwei Jahren hatten sich fast alle Regierungen der Welt dazu verpflichtet, Emissionsausstöße zu reduzieren und somit den globalen Temperaturanstieg zu verlangsamen.

Die Verabschiedung des Abkommens wurde als großer Durchbruch gefeiert, als Zeichen dafür, wie weit die internationale Staatengemeinschaft gekommen ist. Doch noch gibt es viel zu tun. Bisher reichen die Versprechen bei Weitem nicht aus, um einen Anstieg der globalen Temperatur unter 2 Grad Celsius zu halten.

Konferenzen wie die COP23 allein können aber eine Klimakatastrophe nicht verhindern. Dale Jamieson, Professor für Umweltstudien und Philosophie an der New York University warnt davor, die Hoffnungen der gesamten Welt auf "große Männer, die sich in Bonn tief in die Augen schauen," zu setzen.

"COP ist nicht der Ort, wo Dinge in Bewegung gesetzt werden," sagt Jamieson. Veränderungen passieren durch demokratischen Druck auf diese "großen Männer" und Frauen. Gleichzeitig müssten wir alle darüber nachdenken, in was für einer Welt wir eigentlich leben wollen.

Regionale Regierungen als Vorreiter

Nachdem Präsident Donald Trump den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt hatte sind Städte und Bundesstaaten in die Bresche gesprungen. Sie haben versprochen, die vorgegebenen CO2-Einsparziele für die USA trotzdem zu erreichen.

Und sie sind nicht allein: Kommunale und regionale Regierungen auf der ganzen Welt haben sich ihre eigenen Ziele zur Emissionsreduzierung gesteckt. Viele wollen sich von der Kohle und Öl unabhängig machen. Oft sind die lokalen Ziele fortschrittlicher als die der Regierungen.

Kürzlich haben Städte wie London, Los Angeles, Paris, Mexiko-Stadt, Kopenhagen, Barcelona, Vancouver und Kapstadt sich festgelegt, Verbrennungsmotoren teilweise oder komplett auf ihren Straßen zu verbieten.

Für Robert Costanza, Umweltökonom an der Crawford School of Public Policy in Australien, findet der Kampf gegen den Klimawandel regional statt, weil "örtliche Initiativen wesentliche Vorteile haben." Städte können "als Beispiele für andere Orte dienen und die Machbarkeit und Attraktivität alternativer Strategien zeigen," sagt er.

Kalifornien hat sich etwa ein ambitioniertes politisches Programm gegeben, um in Zukunft auf klimafreundliche Energien umzusteigen. In der "Transition-Town-Bewegung" haben sich hingegen kleine Kommunen zusammengeschlossen. Sie versuchen Abfälle zu reduzieren oder einer Kreislaufwirtschaft aufzubauen. Auf lokaler Ebene können Ideen getestet und dann woanders nachgeahmt werden.

Zukunft in die Hand nehmen

Während einige Menschen bereits mit neuen radikalen Lebensentwürfen experimentieren, fällt es vielen Menschen schwer, alltägliches Handeln mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen. Ein leckerer Hamburger, die Kinder kurz zum Fußballtraining fahren - all das trägt zur Umweltverschmutzung bei, warnt der Umweltökonom. Manchmal scheine das Problem zu groß und furchteinflößend zu sein, als dass man es lösen könnte.

Laut Costanza brauchen wir eine radikale Veränderung - weg von einer konsum- und wachstumsbesessenen Gesellschaft hin zu einer, die sich den endlichen Ressourcen auf unserem Planeten bewusst ist. Aber er hat eine gute Nachricht: Das, was wir aufgeben müssen - das endlose Anhäufen von Reichtum und Kraftwerken, die die Luft verschmutzen - macht uns eh nicht glücklich.

Anstatt von Angst getrieben zu werden, sollten wir uns lieber eine Zukunft ausmalen, in der wir leben wollen, und dafür arbeiten, rät Costanza. Das passiere bereits: Zum Beispiel in den zahlreichen Diskussionen, ob das Bruttoinlandsprodukt weiterhin als Maßstab für Wohlstand dienen solle, oder an dem wachsenden Interesse an einer Sharing Economy und daran, wie indigene Völker ihre Ressourcen verwenden. Es sei auch sichtbar daran, dass immer mehr Aktieninhaber ihre Anteile etwa von Energieunternehmen abstoßen, die mit Kohle, Gas und Öl arbeiten. Auch wachse der öffentliche Druck auf die Regierungschefs, in Bonn konkrete Ergebnisse zu erzielen.

Mut zu handeln

Aber können die Klimaschützer ihre Zukunftsvision verwirklichen? Das hängt sowohl davon ab, wie das Klima sich entwickelt, als auch von uns - als globale Gesellschaft. "In den nächsten 40 Jahren wird die Natur ihre Karten ausspielen - unser politisches und kulturelles System wird entweder gut darauf Antworten oder eben nicht," sagt Peter Timmerman, Professor für Umweltstudien an der York University Toronto. 

Klimaforscher weisen darauf hin, dass noch vieles unsicher ist. Worst-Case-Szenarien seien aber nicht auszuschließen: eine Welt mit katastrophalem Wetter, massivem Anstieg des Meeresspiegels, Unordnung und Krieg.

So oder so müssen wir handeln, sagt Timmermann. Angst solle aber nicht die Motivation sein: "Was mich motiviert ist der Gedanke, dass dies der beste Planet überhaupt ist. Und es wird keinen zweiten so tollen Planeten geben."

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