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Politik

Der Klimakompromiss wird sehr unterschiedlich bewertet

Die Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus: Während Angela Merkel und George W. Bush die Erklärung als Erfolg feierten, zeigt sich Frankreich wenig euphorisch. Heftige Kritik kommt von Presse und Umweltverbänden.

Angela Merkel und George W. Bush bei einer Pressekonferenz 7.6.2007, (dpa)

Wäre da mehr drin gewesen, Frau Merkel?

Die G8-Staaten haben sich nach hartem Ringen und Widerständen vor allem aus den USA auf ein gemeinsames Vorgehen beim Klimaschutz geeinigt. In der Gipfel-Erklärung vom Donnerstag (7.6.2007) heißt es, die G8-Staaten wollten die Vorgaben der Europäischen Union, Kanadas und Japans "ernsthaft in Betracht" ziehen, die eine Halbierung der weltweiten Emissionen bis 2050 als Ziel haben. Die G8-Staaten wollten sich dafür einsetzen, diese Ziele zu erreichen und dazu die großen aufstrebenden Volkswirtschaften einladen, sich an dem Vorhaben zu beteiligen.

Im Gegensatz zu der ursprünglichen Haltung von US-Präsident George W. Bush wird nun auch betont, dass die Klimaverhandlungen in erster Linie unter dem Dach der UN stattfinden sollen. Die US-Regierung wertete den Kompromiss als sehr positiv. Merkel habe eine "bemerkenswerte Arbeit" beim Zusammenbringen der verschiedenen Positionen geleistet, sagte US-Sicherheitsberater Stephen Hadley. Eine Einigung in Heiligendamm auf konkrete Ziele sei nicht möglich gewesen, da wichtige Staaten wie Indien oder China nicht zur G8 gehören.

Merkel spricht von "Durchbruch"

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy beim G8-Gipfel

Demonstrieren Einigkeit: Angela Merkel und Nicolas Sarkozy beim G8-Gipfel, AP

Die Bundesregierung sprach in einer offiziellen Erklärung von einem "Durchbruch beim Klimaschutz". Merkel würdigte die Bereitschaft von Bush, Zugeständnisse bei der Klimaschutzpolitik zu machen. Die Amerikaner hätten sich sichtlich bewegt, sagte sie am Donnerstagabend. Als Grund dafür nannte sie aber auch den Druck der Europäer.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy äußerte sich zurückhaltend. Es handle sich zwar um ein "ziemlich bedeutsames Vorankommen", sagte er. "Ich hätte es vorgezogen, dass ein zwingendes Ziel vereinbart worden wäre." Japans Regierungschef Shinzo Abe sieht in dem Kompromiss eine "solide Basis". Japan erwarte auf Grund vorausgegangener Konsultationen mit China und Indien, dass die Schwellenländer "eine positive Antwort" auf die Einigung geben werden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte den Beschluss "mit ganzem Herzen".

Pressestimmen: "kein Triumph"

Foto der Erde aus dem All

Die Presse ist enttäuscht von der Klimaerklärung, AP

Das internationale Presseecho fiel wenig positiv aus: Die französische Tageszeitung "La Tribune" schrieb: "Ohne Angela Merkel beleidigen zu wollen: Der nach schwerem Kampf in Heiligendamm erreichte Fortschritt beim Klimaschutz hat nichts von einem Triumph." Verständnisvoll hingegen zeigt sich die Zeitung "La Stampa" aus Rom. Es sei "schwierig" gewesen, "auf einem Gipfel mehr zu erreichen, der von einer derart tiefen Spaltung in Sachen Klima zwischen den Europäern - unterstützt von Japanern und Kanadiern – auf der einen Seite sowie Amerikanern und Russen auf der anderen Seite beherrscht" worden sei. Der "Tagesanzeiger" aus Genf urteilte, dass das "was die Mächtigen (...) als Erfolg verkauften", primär der "Gesichtswahrung" diene.

Attac: "zynisch, heuchlerisch, ein Witz"

Greenpeaceaktivisten in der Sperrzone

Greenpeaceaktivisten in der Sperrzone, dpa

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigte sich enttäuscht: "Das ist absolut zu wenig." Die globalisierungskritische Organisation Attac nannte die Einigung zynisch und heuchlerisch. Die Formulierung, man ziehe in Betracht, die CO2-Emissionen bis 2050 um 50 Prozent zu reduzieren, seien als Zielvorgaben "ein Witz".

Über die Einzelheiten, wie die globalen Reduktionsziele erreicht werden sollen, soll jetzt im Dezember auf Bali verhandelt werden. Auf der Weltklimakonferenz soll eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll vereinbart werden, das 2012 ausläuft. Merkel hob hervor, dass es gelungen sei, dass alle G8-Staaten den internationalen Klimabericht IPCC anerkennen, in dem dramatische Folgen des Klimawandels und Wege aus der Krise aufgezeigt werden. (vem)

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