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Amerika

"Der Klimagipfel war kein totaler Misserfolg"

Die Enttäuschung über die Ergebnisse des UN-Klimagipfels in Kopenhagen vergangenen Dezember sitzt tief. Klimaforscher Adil Najam spricht über die Schwierigkeit, eine globale Klimapolitik durchzusetzen.

Demonstranten

Demonstranten in Kopenhagen während der Klimakonferenz Dezember 2009 - sie forderten verbindliche Regelungen für den Klimaschutz

"Der Gipfel der Enttäuschung", "Klimagipfel in Kopenhagen faktisch gescheitert", "Gipfel-Ergebnis sorgt für Frust". So betitelten die Tageszeitungen das Desaster der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen vergangenen Dezember. Vertreter aus 193 Staaten verhandelten über ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls, das Ende 2012 ausläuft. Ziel der Verhandlungen war ein Abkommen, mit dem verhindert werden sollte, dass die Erderwärmung um mehr als zwei Grad ansteigt. Es konnten jedoch keine konkreten Zielvereinbarungen getroffen werden.

Adil Najam – Klimawandel-Experte zu Besuch in Bonn

Adil Najam

Adil Najam im Gespräch mit der Deutschen Welle

"Der Klimagipfel war kein Erfolg, aber auch kein totaler Misserfolg", behauptet Adil Najam, Professor für Global Public Policy, Internationale Beziehungen, Geografie und Umwelt an der Boston University. Zwar konnten keine konkreten Verträge ausgehandelt werden, doch zumindest ein Zeichen gesetzt werden, so der Klimaexperte.

Der in Pakistan geborene US-Amerikaner ist einer der führenden Umweltforscher und Klimawandel-Experten weltweit und einer der gefragtesten Kommentatoren rund um den Kopenhagener Klimagipfel. Najam war Hauptautor des Klimaberichts des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). Zusammen mit dem damaligen US-Vizepräsidenten Al Gore erhielt er 2007 den Friedensnobelpreis. Ein Jahr später holte ihn UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in das United Nations Committee on Development Policy.

USA zeigen Willensbereitschaft

Los Angeles

Los Angeles versinkt im Smog. Die USA gelten neben China als größter Umweltsünder

Najam teilt nicht nur die Ernüchterung die Ergebnisse der Klimakonferenz, sondern sieht auch die Gefahr: “Wie haben nicht die bindenden Vereinbahrungen getroffen, die wir wollten. Ich bin besonders besorgt darüber, dass viele Menschen den Glauben an

den UN-Prozess, den Prozess, der alle Länder einschließt, verlieren.“ Trotzdem ist laut Najam noch nicht alles verloren. Die sonst so klimascheuen Amerikaner hätten bei der Konferenz einen guten Eindruck hinterlassen: “Die US-amerikanische Außenministerin und der US-Präsident Barack Obama haben viel Zeit auf dem Gipfel verbracht. Ich glaube die politische Absicht dahinter war, der Welt mitzuteilen: Wir sind zurück und wir wollen ein Teil des Ganzen sein. Sie sind vielleicht noch nicht so involviert, wie es sich viele gewünscht hätten. Aber zumindest hat die größte Wirtschaftsmacht der Welt gezeigt, dass sie Teil des Ganzen sein möchte.“

Ein globales Problem ruft nach einer globalen Lösung

Klimakonferenz Kopenhagen

Nur die Vertreter der 30 wichtigsten und repräsentativ ausgewählten Staaten handelten das Abkommen aus...

Die Vereinigten Staaten von Amerika scheinen sich dem Problem des Klimawandels zu nähern. Doch was ist mit den anderen Staaten? Für einen verbindlichen Klimavertrag hätten alle 193 Staaten der UN zustimmen müssen. Doch die Vereinbarung in Kopenhagen war nur von den 30 wichtigsten und repräsentativ ausgewählten Staaten aushandelt worden: “Es ist ein globales Problem. Man darf niemanden von der Lösung ausschließen. Ich denke, dass jedes Land eine andere Rolle spielt und einen eigenen Beitrag leisten kann, um das Problem zu lösen. Die Gesamtlösung ist wie ein großes Puzzle, das aus den Teillösungen

zusammengesetzt wird. Die Idee, dass nur die wichtigsten Länder an der Lösung beteiligt sind, führt uns nur zu weiteren Schwierigkeiten“, so Najam.

afrikanische NGO

...obwohl Vertreter der Schwellen- und Entwicklungsländer auch an den Verhandlungen teilnehmen wollten.

Ärmere Länder leiden am meisten am Klimawandel

Vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer werden kaum in den

Lösungsprozess miteinbezogen. Doch gerade diese Länder bekämen oft auch die Folgen des Klimawandels am ehesten zu spüren, obwohl sie ihn selbst gar nicht verursachen. So komme es dazu, dass auch andere Naturgewalten vor allem ärmere Länder am stärksten treffen.

Najam ist überzeugt davon, dass beim Erdbeben in Haiti nicht 200 000 Menschen aufgrund einer Naturkatastrophe gestorben sind, sondern vor allem als Folge der Armut: “Die Naturkatastrophe führt dazu, dass die Erde wackelt. Aber die Menschen sterben daran, weil ihre Häuser einstürzen. Die Häuser stürzen ein, weil sie schwach gebaut sind. Sie sind schwach gebaut, weil die Menschen arm sind. Diese Art von Erdbeben passiert auch woanders und bringt Zerstörung, aber nicht auf dem gleichen Niveau.“

Neuer Hoffungsschimmer – UN-Klimakonferenz in Bonn

UN-Tagungssaal Bonn

Im Juni wird in Bonn in einer weiteren UN-Klimatagung an einem Nachfolgevertrag von Kyoto gearbeitet

Nach dem Scheitern des UN-Klimagipfels in Kopenhagen wird bereits an einer Fortsetzung des Prozesses getüftelt. Mitte des Jahres wird in Bonn ein weiterer UN-Klimagipfel stattfinden, um an dem Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll weiterzuarbeiten. Die Gefahr bestehe darin, so Najam, dass die eigentlichen Verhandlungen von den düsteren Ergebnissen von Kopenhagen überschatten werden könnten. Daher sieht er dem Gipfel in Bonn nicht allzu optimistisch gegenüber: “Ich glaube nicht unbedingt, dass wir nach Bonn einen richtigen Vertrag mit Zahlen und Zielen vor Augen haben werden. Aber zumindest das Gefühl, dass noch nicht alles verloren ist. Ich bin bereit dazu, geduldig zu sein, solange der Prozess anhält. Auch wenn die Zeit wirklich davon rennt."

Autorin: Daniela Späth

Redaktion: Mirjam Gehrke