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Europa

Der "keltische Tiger" ist am Zug

Zum Auftakt seiner EU-Ratspräsidentschaft sagte Irlands Ministerpräsident Bertie Ahern, das kleine Land wolle zeigen, dass es so erfolgreich wie jedes andere Land sein könne. Was hat dieser Mann zu bieten?

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Irlands Premierminister Bertie Ahern muss eine Fülle von Aufgaben bewältigen


Bertie Ahern wurde am 12. September 1951 in Dublin geboren und wuchs dort in einem Arbeiterviertel auf. Er besuchte in Drumcondra und Whitehall katholische Schulen und dann das Rathmines College of Commerce. Finanz- und Wirtschaftswissenschaften studierte er an der Universität Dublin und erwarb zudem einen Abschluss an der renommierten London School of Economics.

Der Wirtschafstwissenschaftler engagierte sich in den 1970er Jahren in der Fianna Fáil-Partei ("Soldaten des Schicksals"). Mit 26 Jahren wurde er 1977 erstmals ins irische Parlament (Dáil) gewählt. 1981 wurde er Sprecher der Partei in Jugendfragen. Ahern war 1982 im kurzlebigen zweiten Kabinett von Charles Haughey, einer Minderheitsregierung der Fianna Fáil, Fraktionsgeschäftsführer und Staatsminister im Amt des Regierungschefs und im Verteidigungsministerium.

Mann mit vielen Gesichtern

Als Charles Haughey nach der Parlamentswahl 1987 sein drittes Minderheits-Kabinett bildete, übernahm Ahern die Leitung des Arbeitsministeriums. In diesem Amt agierte er als geschickter Vermittler und konnte mehrere Streiks friedlich beilegen. Anschließend ernannte Reynolds Ahern zum Finanzminister. Als Ressortchef war er Mitglied des Board of Governors des Weltwährungsfonds, der Weltbank und zeitweilig Vorsitzender der Europäischen Investitionsbank.

1994 erklärte Reynolds wegen einer Serie von Korruptionskandalen seinen Rücktritt. Daraufhin wurde Ahern als einziger Kandidat von der Fraktion einstimmig zum neuen Parteivorsitzenden gewählt. Bei der Parlamentswahl 1997 siegte die bis dahin oppositionelle Fianna Fáil. Der neue Dáil wählte Ahern zum Premierminister. Prioritäten räumte Ahern der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Korruption sowie dem Friedensprozess in Nordirland ein.

Beginn einer neuen politischen Ära

An der Seite des britischen Premierministers Tony Blair nahm Ahern an den Verhandlungen mit den Konfliktparteien in Nordirland teil. Als Beginn einer neuen politischen Ära wurde das sogenannte Karfreitagsabkommen von 1998 gefeiert, das die Grundlage für eine Allparteienregierung von Protestanten und Katholiken schuf. Blockiert wurde die weitere Umsetzung des Abkommens durch die nicht vollzogene Entwaffnung der nordirischen Untergrundarmee IRA, die schließlich 2001 mit einer eigenen Initiative zur "Unschädlichmachung" der Waffen vorübergehend Bewegung in die festgefahrenen Friedensgespräche brachte.

2002 ging Bertie Ahern aus den Parlamentswahlen als Sieger hervor, wobei er die prognostizierte absolute Mehrheit knapp verpasste. Ahern ist in über 30 Jahren der erste Regierungschef, der in einer Wahl im Amt bestätigt wurde.

Kompromissbereiter Friedensbringer

Der britische Premierminister Tony Blair und der 52-jährige Ahern legten Anfang 2003 in Belfast einen 28-seitigen Kompromissentwurf vor, der als umfassendste Vereinbarung seit dem nordirischen Friedensabkommen von 1998 gilt. Die Verhandlungen kamen dennoch nicht voran. Das größte Problem blieb die Entwaffnung der irischen IRA, die von den nordirischen Protestanten zur Bedingung für eine Zusammenarbeit mit der IRA-nahen Partei Sinn Féin in der nordirischen Regionalregierung gemacht wurde.

Die Konfliktparteien in Nordirland einigten sich auf Wahlen zur Regionalversammlung am 26.11.2003. Sinn-Féin-Chef Gerry Adams und Unionistenanführer David Trimble bekräftigen dabei nach wochenlangen Geheimverhandlungen ihren Willen zu einem Neubeginn. Zugleich gab die IRA die "Entsorgung" eines weiteren Teiles ihres Waffenarsenals bekannt.

Aherens Erfolgsbilanz ist jedoch leicht getrübt. Auf europäischer Ebene kam der Vater zweier Kinder in Bedrängnis, als die Iren unter seiner Regierung in einem Volksentscheid aus dem Jahr 2001 den EU-Vertrag von Nizza ablehnten. Das Verhältnis zwischen Brüssel und Dublin entspannte sich erst wieder, als die Iren ein Jahr später den Nizza-Vertrag unterstützten und damit den Weg für die Osterweiterung freimachten. (ali)

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