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Wirtschaft

"Der Kanzler ist ein Türöffner"

Bundeskanzler Schröder fährt nach China - im Schlepptau eine hochkarätige Wirtschaftsdelegation. Der frühere VW-Chef in Schanghai, Martin Posth, verrät im DW-WORLD-Interview, wie es bei solchen Treffen zugeht.

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China-Pionier Martin Posth

Von Montag bis Mittwoch (1. bis 3.12.2003) ist Kanzler Gerhard Schröder mit einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation in China unterwegs. Wie es bei solchen Treffen zugeht, fragte DW-WORLD Martin Posth. Der frühere Automobil-Manager baute in den 1980er-Jahren das VW-Werk in Schanghai auf und gilt als Pionier im China-Geschäft. Er ist Präsident des Asien-Pazifik-Forums (APF) in Berlin und gibt als Berater seine Erfahrungen an deutsche Unternehmen weiter.

DW-WORLD: Sind solche Reisen eine reine Werbeveranstaltung für den Kanzler, oder kommt wirklich etwas handfestes für die mitreisenden Unternehmer heraus?

Martin Posth: Der Kreis der mitreisenden Wirtschaftsvertreter ist sehr eng. Es fahren keine Verbandsfunktionäre mit - im Gegenteil: Die Unternehmer, die der Kanzler mit auf die Reise nimmt, sind alles Top-Entscheider - ob das jetzt der Chef eines Weltunternehmens wie Siemens-Chef Heinrich von Pierer ist oder der Inhaber eines Mittelstandsbetriebes mit ein paar hundert Mitarbeitern. Gerade Gerhard Schröder legt Wert darauf, dass mittelständische Unternehmer in den Wirtschaftsdelegationen auf den Kanzler-Reisen gut vertreten sind. Diese Reisen sind straff durchorganisiert und am Ende kommt es zum Vertragsabschluss für konkrete Projekte.

Welche Rolle spielt dabei der Bundeskanzler?

Der Kanzler fungiert als Türöffner. Die Wirtschaftsvertreter erhalten durch ihn Zugang zu den Top-Entscheidern in Peking. Sie kommen mit dem chinesischen Ministerpräsidenten, dem Wirtschaftsminister oder dem Chef der Planungsbehörde zusammen. Es wird von den Chinesen alles aufgeboten, was Rang und Namen hat. Dann gibt es die so genannten gemischten Kommissionen. In halbtägigen Sitzungen tagen dort die deutschen Unternehmer und der Bundeswirtschaftsminister mit seinem chinesischen Gegenpart und Top-Beamten. Da wird auch knallhart angesprochen, wo es hakt. Und es finden die so genannten Matchings statt, eine Art Partnervermittlung für Firmen-Kooperationen. Da werden etwa Mittelständler mit potenziellen chinesischen Geschäftspartnern zusammengebracht.

Welchen Stellenwert hat die Kanzler-Visite für die Chinesen?

Die deutsch-chinesischen Beziehungen sind noch nie so gut gewesen wie jetzt. Das ist zu einem großen Teil das Verdienst des Bundeskanzlers. Gerhard Schröder bemüht sich, mindestens einmal im Jahr nach China zu reisen. Er hat China zur Chefsache gemacht. Und während der SARS-Krise hat er den Chinesen mit seinem Besuch signalisiert: Deutschland ist als euer Partner immer da - auch in der Krise.

Sie waren in den 1980er-Jahren, als Sie das VW-Werk in Schanghai aufgebaut haben, ein Pionier des deutschen China-Engagements. Was hat sich seitdem geändert?

Damals waren es nur die ganz Großen, die sich auf den chinesischen Markt getraut haben. Dann - quasi im Huckepack der Autobauer - kamen immer mehr Zulieferer, also meistens Mittelständler nach China. Heute kommen auch die Maschinenbauer. Die hatten lange Angst davor, den Schritt auf diesen Markt zu wagen. Ganz nach dem Motto: 'Die Chinesen wollen nur von unserem technischen Know-how profitieren und am Ende kupfern sie alles ab.' Das ist jetzt anders. Auch technologielastige Maschinenbauer oder Unternehmen aus der Elektrotechnik haben begriffen, dass in den nächsten 20 bis 30 Jahren Asien die erste Geige in der Weltwirtschaft spielen wird. Allein schon, um an dem riesigen interregionalen Handel in Südostasien teilzunehmen, muss man vor Ort produzieren. Alle anderen bleiben außen vor.

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