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Global Ideas

Der Kampf ums "blaue Gold"

Wasser ist im Nahen Osten ein knappes Gut. Manche fürchten, es könne Grund für einen Krieg werden. In Jordanien werben deutsche Entwicklungshelfer für einen effizienten Umgang mit dem "blauen Gold".

Der Jordan (Copyright: Fotolia.com / Rudolf Tepfenhart)

Der Jordan: Aus einem malerischen Fluss wird ein kümmerliches Rinnsaal

Jordanien zählt mit einer verfügbaren Wassermenge von 180 Kubikmetern pro Person und Jahr zu den wasserärmsten Ländern der Erde. Aufgrund der Knappheit des "blauen Goldes" werden die wenigen Wasservorkommen des Landes so stark ausgebeutet, dass eine langfristige Versorgung von Haushalten, Industrie und Landwirtschaft gefährdet ist. Wenn Art und Umfang des Wasserverbrauchs sich nicht drastisch ändern, drohen verheerende Konsequenzen für Bevölkerung und Umwelt, warnen Entwicklungshelfer und Umweltschützer.

Eine Legende trocknet aus

Zwei Männer stehen vor einem fast leeren Staudamm, einer deutet auf den Damm, der anderen zeigt mit den Händen den Wasserverlust an, Jordanien (Copyright: KfW-Bildarchiv / Fotoagentur: photothek.net)

Seht her, zeigen diese beiden Jordanier: so stark ist der Wasserspiegel schon gesunken

Mancherorts sind die Folgen der Wasserknappheit schon deutlich sichtbar, zum Beispiel am Jordan. In dem legendären Fluss ist laut christlicher Überlieferung einst Jesus getauft worden. Seit unzähligen Generationen ist der Jordan die wichtigste Wasserquelle des Landes. Bis zum Eingreifen des Menschen in das Ökosystem in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts war der Jordan ein bis zu 65 Meter breiter Strom. Heute ist davon an einigen Stellen nur ein schmutziges Rinnsal übrig, kritisiert die Nichtregierungsorganisation "Freunde der Erde" (FoEME). Der Strom sei zu "einem einfachen Bach geworden, ausgetrocknet durch die übertriebene Nutzung seines Wassers und verwüstet durch die Verschmutzung". Wegen des hohen Salzgehalts seien Bäume wie Pappeln oder Weiden und Tierarten wie Otter völlig verschwunden. Die Artenvielfalt habe sich halbiert.

Fehlverhalten in der Landwirtschaft

Karte vom Jordan und seinen Anrainerländern (Grafik: DW)

Der Jordan bildet die Grenze zwischen Israel und Jordanien

Auch deutsche Entwicklungshelfer, die in Nahost im Einsatz sind, kennen das Wasserproblem des Landes ebenso wie den kümmerlichen Zustand des Jordans. Und sie versuchen zu helfen. Einer von ihnen ist Rudolf Rogg. Er ist Landesdirektor des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) in den Palästinensergebieten und in Jordanien. Nach Roggs Angaben schadet vor allem die bewässerungsintensive Landwirtschaft dem empfindlichen Wasserhaushalt. Die Bauern nutzen einen großen Teil des verfügbaren Wassers zur Bewässerung ihrer Felder, erzielen mit ihrer Arbeit aber nur einen verschwindend geringen Teil der nationalen Wirtschaftsleistung. Das kritisiert auch Munqeth Mehyar, der jordanische Direktor von FoEME. "Je weniger Landwirtschaft, desto besser", meint er und freut sich über die "moralische Unterstützung", die seine Organisation von deutscher Seite erhalte.

Der DED unterstützt das Landwirtschaftsministeriums und das Wasserministerium von Jordanien, um mit Bauern Konzepte für Wasser sparende Produkte zu erarbeiten. Im Jordantal werden beispielsweise im großen Stil Bananen angebaut. Diese brauchen sehr viel Wasser - zu viel, meint Rogg. "Deshalb muss man sich vom Bananenanbau verabschieden, so wie man sich im Hochland von der Bewässerung überhaupt verabschieden muss und wieder zurückkehren muss zur Weidewirtschaft", sagt der Entwicklungshelfer. Dazu fänden Gespräche mit den Bauern statt, damit diese Pläne entwickeln, wie sie Landwirtschaft betreiben und gleichzeitig Wasser sparen können.

"Da haben wir jetzt die Erfahrung gemacht", sagt Rogg, "dass die Wasserpolitik sich ändert und in einem sehr fortschrittlichen Wasserbewirtschaftungsplan Niederschlag gefunden hat: nämlich Rückbau der intensiven Landwirtschaft und Reduktion des Wasserverbrauchs in den Städten."

CO2-Ausstoß senken

Jordanische Bauern bei einer Beratung zur Wassernutzung im Jordantal. (Fotografiert von Jörg Böthling in Jordanien. © GTZ / Jörg Böthling)

Zuhören, verstehen, verändern: Jordanische Bauern werden von deutschen Entwicklungshelfern beraten

Auch die Verteilung des Wassers im Land bereitet ein großes Problem. Der DED setzt sich deshalb gemeinsam mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und einem deutschen Pumpenhersteller für eine Verbesserung des Leitungs- und Pumpsystems in Jordanien ein. Das Wasser aus dem unterhalb des Meeresspiegels liegenden Jordantal muss beim Transport in die Metropole Amman eine Steigung von mehr als tausend Höhenmetern überwinden. Das erfordert einen hohen Energieaufwand. Und die eingesetzten Pumpen sind zum großen Teil veraltet. Das macht die jordanische Wasserbehörde nicht nur zu einem der größten Stromverbraucher des Landes sondern auch zu einem üblen CO2-Sünder, denn der Strom wird in erster Linie mit fossilen Brennstoffen erzeugt. Effiziente Pumpen und stabile Leitungen würden also einen doppelten Vorteil bringen: sie schonen den Jordan und das Klima.

Autor: Martin Schrader
Redaktion: Ranty Islam

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