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Deutschland

Der Kampf gegen die Masern

Die Kinderkrankheit Masern ist in einigen Ländern ausgerottet - in Deutschland nicht. Gerade gibt es hierzulande wieder eine Welle von Erkrankungen und eine Diskussion über eine Impfpflicht.

Ein bräunlich-rosafarbener Hautausschlag ist das typische Symptom von Masern, aber nicht das einzige und schlimmste. Hinzu kommen hohes Fieber, Schnupfen und Husten. Am gefährlichsten ist aber, dass die Viren das Immunsystem schwächen und Infizierte leichter eine schlimmere Krankheit bekommen können, etwa eine Mittelohr-, Lungen- oder Gehirnentzündung. Besonders letztere endet in nicht wenigen Fällen tödlich. Weltweit sterben pro Jahr 200.000 Menschen an den Masern und ihren Folgen.

Während die Masern etwa in den USA als ausgerottet gelten, gab es in Deutschland zuletzt zwischen 122 und 2308 Fälle jährlich. Einige Menschen starben. Derzeit grassieren die Viren vor allem in Berlin und in Bayern. Mehr als 900 Erkrankungen verzeichnete das Bundesgesundheitsministerium im ersten Halbjahr 2013.

Wie kann das sein, wo doch seit mehr als 30 Jahren gegen Masern geimpft werden kann? Zwar ist die Quote für die sogenannte MMR-Impfung, die gegen Masern, Mumps und Röteln immun machen soll, in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Weil aber vor allem in den 1990er Jahren weniger geimpft wurde, seien heute insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren gefährdet, sagt die Leiterin des Nationalen Referenzzentrums für Masern, Mumps und Röteln am Robert-Koch-Institut (RKI), Annette Mankertz.

Muss eine Impfpflicht kommen?

Annette Mankertz ist Leiterin des Nationalen Referenzzentrums für Masern, Mumps und Röteln am Robert-Koch-Institut. (Foto: RKI)

Annette Mankertz plädiert eindeutig für die Masernimpfung

Laut Bundesärztekammer sollte zwei Mal geimpft werden: Die erste Impfung sollten Kinder 11 bis 14 Monate nach der Geburt bekommen, die zweite vier bis sechs Wochen später. 2011 lag die Quote bei der ersten Masernimpfung bei 96,6 Prozent, bei der zweiten bei 92,1 Prozent. Eine zweite Impfung erhöht den Schutz vor einer Infektion auf nahezu 100 Prozent. Eine Quote von 95 Prozent weltweit könnte die Masern nach Expertenmeinung endgültig ausrotten.

Um Masernausbrüche in Deutschland künftig unmöglich zu machen, hat Gesundheitsminister Daniel Bahr eine Impfpflicht ins Spiel gebracht. Die gab es in Deutschland schon einmal für Pocken. Anregungen gibt es im Ausland: In den USA müssen Kinder bei Schuleintritt eine zweifache MMR-Impfung vorweisen. In skandinavischen Ländern gebe es eine freiwillige Variante, bei der sogenannte Gesundheitsschwestern das Thema mit Familien besprechen und für eine Impfung werben, erklärt Mankertz.

Eindeutig für eine Masern-Impfpflicht plädiert der Präsident des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann. Die aktuelle Masernwelle zeige, dass Ärzte nicht mehr nur auf die Freiwilligkeit bei den Eltern setzen könnten. Die gesetzliche Grundlage biete das Infektionsschutzgesetz. Der Bund habe die Möglichkeit, bei sehr gefährlichen Viren eine Impfpflicht für Kinder einzuführen.

Kinderkrankheiten wichtig fürs Immunsystem?

Gegen eine Impfpflicht ist hingegen der Vorsitzende des Vereins Ärzte für individuelle Impfentscheidung, Michael Friedl. Da Krankheit stets ein individueller Prozess sei, müsse die Entscheidung über den Umgang damit in der Hand des Einzelnen bleiben.

Der Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin ist nicht generell gegen Masernimpfungen, sieht aber Impfungen im Kindesalter kritisch. Seiner Ansicht nach hat die Krankheit - wie andere Kinderkrankheiten, die mit hohem Fieber einhergehen - wichtige Funktionen. Zum Einen führe das Durchleben einer solchen Krankheit zu einem besseren Verhältnis des Kindes zu seinem Körper. Zum Anderen sei sie wichtig zur Stärkung des Immunsystems. Kinder bis sieben Jahre könnten gut mit Fieber umgehen. "Bei vielen Krankheiten, die Erwachsenen große Probleme machen können, ist die Komplikationsrate im Kindesalter bei richtiger Behandlung - dazu gehört für mich auch das Zulassen von hohem Fieber - extrem niedrig", sagt Friedl.

Auch eine Impfung hat gewisse Risiken

Annette Mankertz sagt zu dem Punkt "Stärkung des Immunsystems", dass es nicht unbedingt das Training durch Masernviren brauche. Wichtiger sei, dass die Impfung Tausenden Menschen das Leben retten könne. Zudem schützten Geimpfte nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (Foto: Getty Images)

Daniel Bahr sieht "die Diskussion über eine Impfpflicht kommen"

Da bei der Masernimpfung abgeschwächte Lebendviren geimpft werden, kann es zu Nebenwirkungen kommen. In einem von zehn Fällen können Fieber und Kopfschmerzen auftreten, seltener Fieberkrämpfe. "Es gibt bei einer Impfung auch das Risiko, an einer Gehirnentzündung zu erkranken", sagt Mankertz. Das Risiko liege aber nur eins zu einer Million - das heißt, etwa um ein Tausendfaches geringer als bei einer richtigen Maserninfektion.

Masern sind sehr ansteckend. Sie werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, beim Sprechen, Husten oder Niesen. Dabei muss die Übertragung nicht unmittelbar sein: Die Viren könnten mitunter über mehrere Stunden aktiv bleiben.

Besonders verheerend seien Maserinfektionen bei Säuglingen unter einem Jahr, erklärt die Expertin. "Einer von 5000 Säuglingen entwickelt eine subakute sklerosierende Panenzephalitis. Diese degenerative Erkrankung des Gehirns verläuft immer tödlich. Eltern, deren Kind eine solche Diagnose bekommt, können ihm nur noch beim Sterben zusehen."