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Asien

Der Kampf der Chinesen um deutsche Visa

China ist einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Doch so manches Geschäft scheitert an der deutschen Bürokratie: Chinesische Geschäftsleute müssen oft wochenlang auf ein Visum warten.

China ist für Deutschland ein hochinteressanter Handelspartner. Seit 2002 ist die Volksrepublik der zweitwichtigste deutsche Exportmarkt außerhalb Europas - nach den USA und noch vor Japan. Deutschland ist mit Abstand Chinas größter Handelspartner in Europa und steht in der Rangfolge der weltweiten Handelspartner Chinas auf Platz fünf.

Deutsche Unternehmer nutzen China als Produktionsstandort, chinesische Investitionen fördern die deutsche Wirtschaft. Und vor allem: China ist mit seinen 1,3 Milliarden Menschen und seinem anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung ein vielversprechender Absatzmarkt für deutsche Produzenten.

Visum im November beantragt - und im Februar bekommen?

Barbara Geldermann, Unternehmensberaterin und Organisatorin beim Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (Foto: BWA)

Barbara Geldermann beklagt die schleppende Visa-Vergabe

Sind beide Seiten ins Geschäft gekommen, gibt es jedoch ein Ärgernis für die Unternehmer beider Länder. Chinesen müssen sehr lange auf ein Visum für die Einreise nach Deutschland warten. "Sie müssen persönlich einen Termin beim Konsulat vereinbaren, um die notwendigen Unterlagen abzugeben. Auf diesen Termin müssen sie manchmal bis zu sechs Wochen warten." So beschreibt Barbara Geldermann vom Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA) das Problem.

Und dabei bleibt es nicht, betont Geldermann im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Wenn sie die Unterlagen eingereicht haben, müssen sie unter Umständen noch einmal sechs Wochen auf die Bewilligung warten. Dann ist ihr Termin hier in Deutschland möglicherweise schon vorbei".

Deutschlands Konsulate sind überlastet

Flugtickets und Hotelzimmer müssen die Chinesen allerdings schon buchen, bevor sie das Visum überhaupt erteilt bekommen haben. Denn ohne diese Dokumente gibt es keine Einreisegenehmigung. Und kommt diese dann zu spät, bleiben die Unternehmer auf den Flug- und Hotelkosten sitzen.

Offiziell dauert die Bearbeitungszeit der Visa nur fünf Tage. Das klappt jedoch selten. Der Grund: die Überlastung der zuständigen Visa-Stellen in Shanghai, Kanton, Peking und Chengdu. Das deutsche Außenministerium rechtfertigt die schwierige Situation: "Seit 2010 verzeichnen die deutschen Auslandsvertretungen in China in allen Bereichen einen kontinuierlichen Anstieg der Antragszahlen", sagt eine Sprecherin. "2012 war der Anstieg besonders hoch."

225.000 Anträge, Tendenz: steigend

Blick durch Flughafenschalter (Foto: AFP)

Auf den Abflug müssen Chinas Unternehmer oft lange warten

Im Jahr 2011 hatten in Chinas vier deutschen Visa-Stellen rund 225.000 Chinesen eine Einreisegenehmigung beantragt. Fast 190.000 wurden für Besuchs- und Geschäftsreisen vergeben. In diesem Jahr wird die Zahl deutlich höher liegen. Besonders bitter für chinesische Geschäftsleute: Deutsche Unternehmer bekommen ihr China-Visum binnen vier Tagen, unter Umständen sogar schneller.

Deutschlands Außenministerium verspricht, "mit Nachdruck daran zu arbeiten, die Visavergabe zu erleichtern und das Terminvergabesystem zu verbessern." Man wolle zusätzliches Personal einsetzen, um dem Anstieg zu begegnen. Außerdem wollen die Visa-Stellen die Wartezeit auf einen Termin verkürzen, indem ein privater Dienstleister die arbeitsaufwändigen Teile des Visumverfahrens übernimmt. Nur die Prüfung der Anträge und die Entscheidung soll dann den deutschen Beamten überlassen bleiben.

Barbara Geldermann vom BWA beklagt zwar sehr den derzeitigen Zustand, glaubt aber, dass es in Zukunft besser wird. Außerdem sei es in manchen anderen Ländern noch schwieriger für Chinesen, ein Visum zu bekommen: "Zum Beispiel Großbritannien. Gerade jetzt, zu den Olympischen Spielen, war es extrem schwierig für Chinesen, dahin zu reisen."

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