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Asien

Der König und die Loya Dschirga

Die am Montag (10.6.) in Kabul zusammentretende Loja Dschirga (Große Versammlung) wird die Weichen für die Zukunft Afghanistans stellen. Ein Hintergrund von DW-WORLD.

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Respektierte Integrationsfigur: Mohammed Sahir Schah

Für Mohammed Sahir Schah dürfte es ein sehr bewegender Moment werden, wenn er am kommenden Montag (10. Juni) in Kabul offiziell die Eröffnungs-Ansprache der "Loja Dschirga" halten wird, der großen Stammes- und Volksversammlung Afghanistans. Vor 38 Jahren hatte Sahir Schah dies zum letzten Mal getan - 1964. Damals war der heute 88-jährige noch König von Afghanistan. Und er hatte die Vertreter der verschiedenen Stämme und Ethnien in die Hauptstadt gerufen, um sich ihrer Hilfe und Unterstützung zu versichern: Im Land war eine neue Verfassung verabschiedet worden und man schien am Beginn einer freieren Zeit zu stehen.

Das geschah zum zweiten Mal nach der Zeit des (besonders in Deutschland beliebten) König Amanullah, der 1929 von konservativen Kräften als zu modern gestürzt worden war. 1933 war Sahir Schah König geworden. Er tat sich nicht gerade durch liberales Herrschen hervor. Der neuen Verfassung nach dem Krieg stimmte er wohl nur mißmutig zu. Die Zeiten hatten sich geändert, auch in Afghanistan. Der eigene königliche Reformversuch kam aber bereits zu spät: Unruhen brachen aus und 1973 musste Sahir Schah das Land verlassen.

Verklärter Blick zurück in schwerer Zeit

Aus dem römischen Exil ist er erst vor einigen Wochen zurückgekehrt, denn in Afghanistan soll ein neuer Anfang gemacht werden, der König als Symbolfigur mit dabei sein. Das Land hat in den letzten 23 Jahren so viel Negatives erlebt, dass die absolutistische Herrschaft des Exilkönigs vielen Afghanen plötzlich in der Erinnerung als eine wunderbare Zeit erschien. Sonst hätte man Sahir Schah sicher nicht zurückgebeten. Aber Afghanistan braucht jetzt politische Integrationsfiguren, wenn es überhaupt eine Chance haben soll, wieder zu einem geeinten Land zu werden.

Vielleicht gibt es überhaupt jetzt zum ersten Mal die Chance auf eine nationale Einigung. Denn Afghanistan zeichnet sich historisch dadurch aus, dass die Macht der Zentralregierung - und ebenso lange Zeit die des Königs - auf die Hauptstadt Kabul beschränkt war. Wer in Kabul herrschte, musste sich die Stammesfürsten und lokalen "war lords" in den verschiedenen Gegenden und Provinzen des Landes mit Aufmerksamkeiten und Privilegien gefügig und ergeben machen.

Den letzten Versuch, dieses System zu ändern, hatten die Taliban unternommen, indem sie versuchten, all die örtlichen und regionalen Herrscher auszuschalten. Was ihnen ja auch weitgehend gelang – hätten sie nicht ihre ebenso mittelalterliche wie pseudo-islamische Gesellschaftsordnung erzwungen und damit ihr eigenes politisches Ende heraufbeschworen.