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Wissen & Umwelt

Der Juniorprofessor und das Zuckermolekül

Der Immunbiologe Falk Nimmerjahn erhält den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis. Er ist Vater eines zweijährigen Mädchens und spielt gerne Gitarre ..... wenn sein enges Zeitbudget es mal zulässt.

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Erst 36 Jahre alt und auf bestem Wege zum Nobelpreis

Falk Nimmerjahn und sein Team haben herausgefunden, dass bestimmte Zuckermoleküle darüber entscheiden, ob Antikörper – also die körpereigenen Gesundheitspolizisten – zu Autoantikörpern werden, die das Gegenteil tun, nämlich zerstörerisch gegen den eigenen Körper vorgehen. Für die Diagnostik und die Therapie von Autoimmunerkrankungen, wie Arthritis oder Multipler Sklerose, ist diese Erkenntnis bahnbrechend. Und für Falk Nimmerjahn Grund genug, ordentlich zu feiern. Denn sagen zu können: "Ich hab jetzt eine Entdeckung gemacht, die so relevant ist, dass ich auch die Möglichkeit bekomme, sie in der Klinik umzusetzen", das passiere im Leben eines Biologen oder Immunologen relativ selten, erklärt er.

Labormaus Klaus, Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin der Universität Erlangen-Nürnberg, aufgenommen am 10.3.2009

Diese Labormaus Klaus ist bereits im Ruhestand

Vom Mausmodell zum Menschen

Antikörper bestehen aus Eiweißbausteinen und Zuckerseitenketten. Zuckerseitenketten wiederum sind aus mehreren Zuckerresten wie Sialinsäure und Galaktose aufgebaut. Fehlen diese Zuckerreste an den Antikörpern, verstärkt dies ihr zerstörerisches Potential. Genau das hat Falk Nimmerjahn mit Experimenten an Mäusen herausgefunden. Aber das, sagt er, sei nur der erste Schritt gewesen. Gerade werde ein Therapeutikum so modifiziert, dass es vermehrt Zuckerseitenketten aufweist. "Ende des Jahres", plant Nimmerjahn, "soll dann in ersten klinischen Tests an einer kleinen Gruppe von Patienten überprüft werden, welche Effekte und Nebenwirkungen das Therapeutikum hat".

Prof. Dr. Falk Nimmerjahn, Juniorprofessor am Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin der Universität

DW-Reporterin Ricarda Otte mit Falk Nimmerjahn in seinem Labor

60.000 Euro für die Forschung

Falk Nimmerjahns "herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Immunologie" waren für den Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung der Grund, ihn mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2009 auszuzeichnen. Dieser Preis ist mit 60.000 Euro dotiert und wird seit 2006 einmal jährlich an Nachwuchswissenschaftler verliehen, die an einer Forschungseinrichtung in Deutschland Besonderes in der biomedizinischen Forschung geleistet haben. Seit 2007 ist Nimmerjahn zurück in Erlangen und leitet am Nikolaus-Fiebiger-Zentrum für Molekulare Medizin eine siebenköpfige Foschungsgruppe.

Zwischen Bayern und New York

Der gebürtige Oberfranke hat in Bayreuth und Erlangen Biologie studiert. Nach der Doktorarbeit in München zog es ihn in die USA, an die Rockefeller-Universität nach New York als Post-Doktorand. "Ohne diesen Schritt wäre ich heute nicht hier, wo ich bin", sagt er und erklärt, Forschung sei heutzutage weltweit so stark vernetzt, dass es ganz wichtig sei, Leute und Arbeitsweisen anderer Labore - auch auf anderen Kontinenten - kennenzulernen. Noch heute arbeitet er sehr eng mit dem Labor seiner Kollegen in New York zusammen. Zurück nach Deutschland lockte ihn 2007 das Angebot, ein ganz neues Forschungsteam aufzubauen.

Beim Thema Autoantikörper gebe es noch viel zu tun. "Ich denke, das wird uns die nächsten zehn, 20 Jahre noch in Anspruch nehmen", sagt er lächelnd und fügt nach kurzem Zögern hinzu: "Wo das Ganze passieren wird, ist nicht vorhersagbar. Ich würde mich freuen, wenn es weiterhin in Deutschland wäre."

Die Zuckerseitenkette des Antikörpers, die eine wichtige Rolle für die unterschiedlichen Aktivitäten dieses Eiweisstoffes hat, ist stäbchenförmig dargestellt Quelle: Peter Sondermann und Falk Nimmerj

Die Zuckerseitenkette des Antikörpers, die eine wichtige Rolle für die unterschiedlichen Aktivitäten dieses Eiweisstoffes hat, ist hier stäbchenförmig dargestellt

Autorin: Ricarda Otte

Redaktion: Judith Hartl

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