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Politik

Der Joker

Der Kampf um das US-Präsidentenamt hat längst begonnen. Bei den Demokraten führen Hillary Clinton und Barack Obama das Feld an. Doch glaubt man den Medien, wartet die Nation auf jemand anderen.

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Er ist auf den Titelseiten von Zeitungen und Zeitschriften, in Fernsehshows und auf Webseiten: Al Gore, zweimaliger Vizepräsident und Kämpfer gegen die menschgemachte Klimakatastrophe. Auf CNN konnte er in der berühmten Show von Talkmaster Larry King präsidial die Probleme der Welt erörtern, das Time-Magazine titelt in dieser Woche blasphemisch "Die letzte Versuchung des Al Gore", und in den Blogs flehen sie ihn an: Mr. Gore, bitte werden Sie unser Präsident. Webseiten wie algore.org oder draftgore.com rühmen sich, zehntausende Unterschriften zu diesem Zweck gesammelt zu haben.

Warum sollte er?

Doch es gibt ein Problem: Der Mann selbst will nicht. Und ganz ehrlich: Warum sollte er auch. Er hat mit seinem Film zwei Oscars geholt und wird hier als ernsthafter Kandidat für den Friedensnobelpreis gehandelt. Geld hat er ebenfalls genug, Öffentlichkeit auch. Nach dem Erfolg von "Eine unbequeme Wahrheit" ist jetzt sein neuestes Buch erschienen "The Assault on Reason" - der Angriff auf die Vernunft -, in dem er mit der der amerikanischen Politik im Allgemeinen und mit der derzeitigen US-Regierung im Besonderen abrechnet. Warum sich also wieder in diese Niederungen herablassen? Nur um möglicherweise Genugtuung zu finden für die Niederlage von 2000, die eigentlich keine war?

Andererseits: In den Meinungsumfragen der demokratischen Präsidentschaftsbewerber liegt Gore zwar hinter Clinton und Obama, aber etwa gleich auf mit John Edwards - nicht schlecht für jemanden, der eigentlich gar nicht im Rennen ist. Zeit sich zu erklären hat er noch viele Monate.

Er sagt nie "nie"

Geld für seine Kampagne zu sammeln dürfte ihm nicht schwer fallen. Unter anderem durch seinen frühen Einstieg bei Apple und Google hat er selbst genug - und die Silicon-Valley-Elite, so heißt es, würde nur darauf warten, ihn zu sponsorn. Bekannt ist er ebenfalls und sein Thema braucht er sich nicht mehr zu suchen. Er ist klug genug, eine Präsidentschaftskandidatur in allen Interviews nie ganz auszuschließen.

So kommt es also vermutlich darauf an, wie der Wahlkampf in den nächsten Monaten verläuft. Sollten Hillary Clinton und Barack Obama ins Trudeln geraten oder sich gegenseitig neutralisieren, wäre der Weg frei für "Goracle". Ihm nahe stehende Beobachter sagen, sollte er wieder ins Rennen gehen wollen, dann würde er sich vorher ein Fitnessprogramm verpassen - denn das entspannte Leben ohne Politik hat seine Spuren hinterlassen. Und war er nicht bei Larry King deutlich schmaler im Gesicht als noch bei der Oscarverleihung im Februar?