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Politik

Der Jemen für Anfänger

Nach dem vereitelten Anschlag auf ein US-Flugzeug ist das südarabische Land verstärkt in den Blick westlicher Geheimdienste geraten. Das Attentat soll im Jemen geplant worden sein.

Altstadt von Sanaa (Foto: AP)

Altstadt von Sanaa

Vom zweiten Jahrtausend vor Christus an entwickelte sich das Gebiet des heutigen Jemen zum politischen und kulturellen Zentrum Arabiens. Es war der wichtigste Umschlagplatz von Gewürzen und Edelsteinen. Die Erzeugnisse wurden nach Afrika, Indien und in den Mittelmeerraum geliefert. Aus diesem Grund nannten die alten Römer den Jemen "Arabia felix" - glückliches Arabien.

Damit war Anfang des sechsten Jahrhunderts nach Christus Schluss, als nämlich der äthiopische König den Jemen eroberte. Später war das Land eine Provinz des Persischen Reiches. Im zehnten Jahrhundert dann ein unabhängiges Imamat, das mal eigenständig, doch meistens unter Fremdherrschaft stand. Im 16. Jahrhundert kamen die Portugiesen kurz als Besatzer vorbei und im 19. Jahrhundert die Briten. Die Geschichte ging wechselvoll weiter.

Geteilt und Wiedervereint

Zwei jemenitische Frauen in Sanaa (Foto: AP)

Zwei jemenitische Frauen in Sanaa

1918 wurde der Nordjemen ein unabhängiges Königreich, später die Arabische Republik Jemen. Im Süden zog sich 1967 die Kolonialmacht Großbritannien zurück, nachdem sie fünf Jahre lang in einem Guerillakrieg mit der Nationalen Befreiungsfront verwickelt war. Anschließend wurde die Demokratische Volksrepublik ausgerufen.

Am 22. Mai 1990 vereinten sich beide Landeshälften wieder. Erster und bisher einziger gesamtjemenitischer Präsident ist Ali Abdallah Salah. Beliebt ist der Präsident nicht gerade, nimmt doch die Korruption an der Staatsspitze unentwegt zu.

Ein Land vor dem Zerfall

Die Republik Jemen ist heute das Armenhaus der arabischen Welt. Bevölkerungswachstum und Wasserknappheit verschärfen die soziale Lage. Ausgeprägte Stammesstrukturen behindern den Einfluss der Regierung. So kommt es immer wieder zur Entführung von Touristen, um gefangene Stammesangehörige freizupressen.

Ein großes wirtschaftliches Problem sind die schwindenden Ölvorräte - im Jahr 2017 sollen sie erschöpft sein. Darüber hinaus stützt sich das Bruttoinlandsprodukt zu einem Drittel auf den Export von Öl. Der Kollaps droht.

Zwist unter Glaubensbrüdern

Moschee und Lehmhäuser in Sanaa (Foto: DPA)

Moschee und Lehmhäuser in Sanaa

Die meisten der rund 22 Millionen Einwohner sind Moslems. Der Islam ist Staatsreligion und es gilt die Scharia. Doch unter den Glaubensbrüdern rumort es heftig. Seit 2004 führen die Huthis, eine schiitische Minderheit im Norden des Landes, Krieg gegen die eigene Zentralregierung. Sie fühlen sich wirtschaftlich benachteiligt und nehmen ihre Regierung als Verbündeten der USA wahr.

Doch auch im wohlhabenderen und weiter entwickelten Süden herrscht Unruhe. Viele sprechen sich für eine Loslösung des Südens vom Norden aus.

Und dann gibt es seit einem Jahr auch noch die "Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel" - ein Zusammenschluss von Extremisten aus dem Jemen und Saudi-Arabien. Ihr erklärtes Zeil ist die Errichtung eines islamischen Kalifats.

Autorin: Petra Nicklis

Redaktion: Kay-Alexander Scholz