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Asien

Der jüngste Staat

Keine Schlagzeilen sind gute Schlagzeilen. Seit Osttimor seine Unabhängigkeit erhalten hat, ist es dort friedlich. Als Vorzeigeprojekt wird der Staat jetzt Mitglied der UNO.

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Unabhängigkeitstag - Grund zum Feiern für die Osttimoresen

Vor vier Monaten wurde die ehemalige portugiesische Kolonie Osttimor unabhängig, am 27. September 2002 wird die jüngste Nation der Welt das 191. Mitglied der Vereinten Nationen (UNO). Osttimor, eine kleine Inselhälfte in Südostasien, war seit 1975 vom großen Nachbarn Indonesien besetzt. Vor drei Jahren zogen Jakartas Soldaten ab, dabei zerstörten sie das Land mit Hilfe von Milizen. Blauhelm-Truppen kamen und sorgten für Sicherheit, UNO-Beamte verwalteten das Gebiet bis zur Unabhängigkeit. Seitdem hört man wenig aus Osttimor.

Das ist die beste Nachricht der vergangenen Monate aus dem asiatischen Land. Es ist friedlich. Das bringt zwar keine Schlagzeilen, aber nach Jahrhunderten der Fremdbestimmung mit Hunderttausenden Toten sind Frieden und politische Unabhängigkeit für die Osttimoresen das Wichtigste.

Im Großen und Ganzen ein Erfolg

Rund die Hälfte der ursprünglich 10.000 UNO-Soldaten und fast alle UNO-Verwaltungsbeamte sind abgezogen. Die Osttimoresen leiten ihre Geschicke bislang erfolgreich. Die von den Vereinten Nationen geschaffenen demokratischen Institutionen funktionierten weitgehend, meint der ehemalige Sozialminister Pater Filomeno Jakop: "Wir haben einen Präsidenten, eine Regierung, ein Parlament, eine Flagge, wir haben Lieder, Kinder für die Zukunft - wir haben alles, wovon wir vor einigen Jahren geträumt haben.“ Deshalb ist die Unabhängigkeit für ihn im Großen und Ganzen ein wirklicher Erfolg.

Vieles klappt - nichts ist perfekt. Mit der neuen Amtssprache Portugiesisch kommen nur Wenige zurecht. Rund die Hälfte aller Gebäude sind immer noch zerstört. Das Unrecht der Vergangenheit soll teilweise mit Hilfe einer Wahrheits- und Versöhnungskommission aufgearbeitet werden. Schwere Vergehen bleiben allerdings der Justiz überlassen. Doch die ist überfordert, es fehlen Staatsanwälte und Richter. Mehr als 150 ausgebrochene Gefängnisinsassen demonstrierten

vor dem Gebäude, weil sie seit Monaten oder Jahren auf ihre Verfahren warten.

Asiens ärmstes Land

Ebenfalls unzufrieden sind Veteranen der ehemaligen, bewaffneten Unabhängigkeitsbewegung. Nur Wenige können in die neue, kleine Armee aufgenommen werden. Wer zu kurz kommt, hat wenige Alternativen: Rund 70 Prozent aller Osttimoresen sind arbeitslos, ihr Land ist laut UNO das ärmste Asiens. Das will Ministerpräsident Mari Alkatiri ändern: "Die Armut zu bekämpfen hat oberste Priorität. Das bedeutet, wir werden den Großteil unseres Budgets in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur stecken."

Ob das gelingt, hängt zu einem großen Teil davon ab, wie viel Geld in Zukunft durch Gas und Öl eingenommen wird, das zwischen Osttimor und Australien im Meer liegt. Bislang wird sehr wenig gefördert, beide Länder verhandeln noch über Erschließungsmodalitäten und die Aufteilung der Einnahmen. Noch hat Osttimor etwas Zeit: In den kommenden drei Jahren wird es weiterhin von der Staatengemeinschaft mit Blauhelmen und Polizisten unterstützt. Geberländer helfen mit 440 Millionen US-Dollar Entwicklungsgeld.

Aushängeschild der UNO

Die Weltbank verwaltet den Hilfsfond, ihr Osttimor-Beauftragte Klaus Rohland glaubt, dass das Land ab 2005 auch wirtschaftlich unabhängig sein wird: "Es wird nicht wie Dänemark oder Singapur sein in zehn Jahren. Aber es wird in der Lage sein, seine Leute zu ernähren und alle seine Kinder in die Schule zu schicken.“ Auch die Kindersterblichkeit soll halbiert und ein Gesundheitssystem aufgebaut werden. „Aber Wunder kann keiner vollbringen", sagt Rohland.

Das neue UNO-Mitglied ist klein und arm, aber sehr wichtig für die Vereinten Nationen: Bislang ist Osttimor Aushängeschild in Sachen Staatsbildung. Nie zuvor hatte die UNO in einem Gebiet vorrübergehend Legislative, Exekutive und Justiz übernommen - und später alles an einen unabhängigen Staat übergeben. Bislang klappt das Experiment.