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Nahost

"Der IS hat in Kirkuk keine Chance"

Der Angriff des sogenannten Islamischen Staats auf die nordirakische Stadt Kirkuk ist zwar gescheitert. Doch dem IS sei es hier gar nicht um die Eroberung der Ölfelder gegangen, sagt Nahost-Experte Günter Meyer.

Ölfelder in Kirkuk (Foto: AP)

Die Peschmerga wollen auch die Ölfelder in Kirkuk vor dem IS retten

Welche strategische Bedeutung hat denn Kirkuk für den so genannten Islamischen Staat (IS)?

Es geht hier in erster Linie darum, dass der Islamische Staat versucht, von Mossul abzulenken. Die Peschmerga waren in den letzten Wochen gegen Mossul vorgerückt, sie haben die Stadt angegriffen und große Geländegewinne im Umland erzielt. Durch den Gegenangriff des IS auf Kirkuk erwarten sie, dass die Peschmerga Kirkuk zur Hilfe kommen. Dieser Angriff des Islamischen Staates muss gesehen werden als Versuch, von Mossul abzulenken.

Kirkuk ist im Nordirak aber auch eine der ölreichsten Städte. Hat der IS kein Interesse an der Eroberung der Ölfelder?

Da geht es um die geostrategische Gesamtsituation. Aber dort dürfte im Augenblick nicht das Hauptinteresse des IS bestehen, sondern hier geht es wirklich um die Bedrohung von Mossul. Mossul ist das Zentrum des Islamischen Staates. Hier hat der Islamische Staat auch die Rückendeckung der sunnitischen Bevölkerung. Und man will den Angriff der Peschmerga auf Mossul stoppen.

Günter Meyer (Foto: DPA)

Günter Meyer ist Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt

Welche Bedeutung hat denn Kirkuk für die Kurden?

Die Kurden sind zurzeit die stärkste Macht im Irak. Sie werden vom Westen unterstützt. Das primäre Ziel der Kurden ist ein unabhängiger Staat mit der Hauptstadt Kirkuk. Sie wollen dieses Ziel erreichen. Und seit dem Abzug der irakischen Truppen im Juni 2014 rückt es auch immer näher. Die irakischen Truppen haben sich damals kampflos zurück gezogen. Diese ideale Position werden sie auf keinen Fall aufgeben wollen. Insofern haben sie Recht: Im kurdischen Interesse liegen natürlich auch die Erdölfelder. Kirkuk ist die wirtschaftliche Basis und die Hauptstadt für die Kurden.

Hat denn der Islamische Staat eine Chance, Kirkuk einzunehmen?

Wenn man sich die Vorgehensweise des IS anschaut, dann sind es vor allem Eroberungen, die in den sunnitischen Gebieten gemacht worden sind. Und in Kirkuk haben wir die Situation, dass die Mehrheit der Menschen eben Kurden sind. Und die stellen sich an die Seite der Peschmerga. Der Islamische Staat hat keine Chance, Kirkuk einzunehmen. Der Islamische Staat weiß sehr genau, dass er es nicht schafft, eine überwiegend kurdische Großstadt einzunehmen. Angesichts dieser Machtverhältnisse ist es relativ eindeutig, dass der IS den Angriff auf Mossul abwehren will.

Dennoch hat der IS es bis nach Kirkuk geschafft. Ist da Bagdad noch weit?

Sie stehen bereits vor den Toren von Bagdad - sowohl westlich als auch nördlich der irakischen Hauptstadt. Die Regierung hat bereits eine Pufferzone errichtet, aus der die Bevölkerung abgezogen worden ist. Der IS und die irakischen Truppen stehen sich dort bereits unmittelbar gegenüber. Aber der IS ist sich im Klaren darüber, dass er nur in den sunnitischen Stadtteilen Unterstützung bekommen würde. Eine Mehrheit der Bevölkerung Bagdads ist aber immer noch schiitisch. Und bisher konnten alle Angriffe des IS abgewehrt werden.

Professor Günter Meyer lehrt an der Universität in Mainz. Dort leitet er das Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt.

Das Gespräch führte Diana Hodali

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