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Asien

"Der Iran Job"- Ein US-Basketballer im Iran

Im Jahr 2008, während der zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran, wechselt ein US-Basketballer in die iranische Superliga. Stoff für den Regisseur Till Schauder und seinen Dokumentarfilm "Der Iran Job".

Es handelt sich um die Dreharbeiten und Szenen des Filmes „The Iran Job“ vom Till Schauder über Kevin Sheppard, amerikanischer Basketballspieler im Iran. Dort hat Sheppard für A.S. Shiraz gespielt. Teamfoto mit Kevin Sheppard. Copyright: Till Schauder Bilder und Copyright Erklärung geliefert per mail von DW/Samira Nikaeen.

Filmszenen The Iran Job von Till Schauder

Für den afro-amerikanischen Basketball-Profi Kevin Sheppard war die Vorstellung, in der iranischen Basketball-Liga anzuheuern, nicht besonders reizvoll. Als ihm der Job im Iran angeboten wurde, war seine erste Reaktion: "Zum Teufel! Das werde ich nicht tun." Aber dann wagte er doch den Sprung ins kalte Wasser und begab sich im Jahr 2008 auf "feindliches" Territorium, um die Mannschaft des Vereins A.S. Shiraz in die Ausscheidungsspiele der Iranischen Superliga zu führen.

Leben in islamischer Kultur

Der US-Basketballer Kevin Sheppard mit iranischen Teamkollegen (Foto: DW)

Kevin Sheppard avancierte zum Superstar der iranischen Liga

Während seines Aufenthalts im Iran avanciert Kevin zum Superstar der Liga. Er taucht ein in eine für ihn vollkommen andere Welt. Er erfährt, was es heißt, in einer islamischen Kultur zu leben. Dabei hilft ihm ein Bündnis mit drei jungen und gebildeten Iranerinnen. Kevins Wohnung wird zu einer Oase, in der offene Diskussionen möglich sind über Politik, Geschlechterrollen, Liebe und Sex in den unterschiedlichen Kulturen.

Kevins Sheppards Leben und sein sportlicher Erfolg im Iran kommt vier Jahre später auf die Leinwand. "Der Iran Job" heißt der Dokumentarfilm des deutschen Regisseurs Till Schauder, der Mitte 2012 auf dem Los Angeles Filmfestival vorgestellt und gefeiert wurde. Ab 21. Februar 2013 ist er auch in den deutschen Kinos zu sehen.

Suche nach einem Helden

Till Schauder ist selber Basketballfan und mit einer Amerikanerin iranischer Abstammung verheiratet. 2008 hörte er zum ersten Mal davon, dass seit einigen Jahren immer wieder amerikanische Basketballspielern in der iranischen Liga spielen. "Als ich das hörte, dass Amerikaner einen urtypisch amerikanischen Sport im Iran spielen, dachte ich sofort an die sogenannte Ping-Pong Diplomatie aus den 70er Jahren", so Schauder. In den 1970er Jahren spielten chinesische und amerikanische Tischtennisspieler eine bedeutende Rolle bei der politischen Annährung zwischen China und den USA.

Dem deutschen Regisseur stellte sich die Frage, ob vielleicht auch amerikanische Basketballspieler im Iran zur Völkerverständigung zwischen den beiden Ländern beitragen können. Er entschloss sich, über einen dieser US-Basketballer einen Film zu drehen, um der Realität im Land des "Gegners" näher zu kommen und mögliche Vorurteile zu korrigieren.

Basketballspiel im Iran mit Kevin Sheppard

Filmszene aus "Der Iran Job": Basketball-Spiel, links Kevin Sheppard

Zusammen mit seiner Frau Sara Nodjoumi, die ihm als Produzentin zur Seite stand, machte sich Schauder auf die Suche nach einem Spieler. Während seiner ersten Recherchereise im Iran im Jahr 2008 musste Schauder jedoch feststellen, dass dies nicht so einfach war, wie er gedacht hatte: "Die fünf oder sechs Amerikaner, die ich damals kennengelernt habe, waren ganz und gar nicht interessiert, sich filmen zu lassen. Denn in mehreren Fällen hatten Amerikaner legale Probleme bekommen, als sie aus dem Iran in die USA zurückgekehrt sind. Ihnen wurde vorgeworfen, das das Embargo gegen den Iran gebrochen zu haben, indem sie als professionelle Sportler im Iran Geld verdient haben", so der Regisseur.

Lange blieb die Suche erfolglos. Doch nach einem Jahr nahm Till Schauder über Skype Kontakt mit Kevin Sheppard auf – und lernte seinen Helden kennen: einen von den Virgin Islands stammenden, dunkelhäutigen, humorvollen und coolen Basketballspieler.

Heimliche Filmaufnahmen

Doch das Filmen im Iran erwies sich als schwierig. Es musste im Geheimen geschehen, denn Till Schauder erhielt kein Journalistenvisum und musste als Tourist in den Iran reisen. Ausgestattet mit einer winzigen Kamera und einem Funkmikro, alles in einem Rucksack, begann dann die Herausforderung.

Till Schauder sitzt auf einer Mauer neben zwei schwarz verhüllten Iranerinnen (Foto:DW)

Der deutsche Regisseur Till Schauder mit Iranerinnen

Als er die Physiotherapeutin Hilda und deren Freundinnen Laleh und Elaheh in Kevins Wohnung zum ersten Mal traf, war er von ihrem Mut und ihrem starken und außergewöhnlichen Charakter sehr beeindruckt. "Die Frauen im Iran haben ein unglaubliches Potenzial und das wird nicht ganz genutzt. Es wird im Prinzip verschwendet, weil sie - anders als die Männer - viele Herausforderungen im Alltag überstehen müssen", sagt Schauder.

"Der Iran Job" ist im Winter 2008/2009 im Laufe mehrerer Besuche im Iran entstanden. 2009 war das Jahr der umstrittenen Präsidentschaftswahlen, die Massendemonstrationen der Oppositionsbewegung nach sich zogen. Jedes Mal wenn er das Land verlassen wollte, musste Schauder Videokassetten in seiner Unterwäsche verstecken. Manche Kassetten schickte er seiner Mutter nach Deutschland, die sie wiederum nach New York weitersandte, wo Schauder gemeinsam mit seiner Frau lebt.

Glücksfall Ausreise

Filmaufnahmen vor einem Geschäft im Iran (Foto: DW)

Till Schauder bei den Dreharbeiten

Bei seiner letzten Einreise, kurz vor den Präsidentschaftswahlen, stellte sich heraus, dass Till Schauders Name auf der schwarzen Liste stand. Er musste eine Nacht in einer Art Gefängnis-Hotel am Teheraner Flughafen verbringen und am nächsten Morgen das Land verlassen. Rückblickend bezeichnet er es als einen Glücksfall, dass er noch ausreisen konnte, in Anbetracht der Tatsache, dass viele Journalisten und Filmemacher damals zu Gefängnisstrafe verurteilt wurden.

Im Jahr 2012, als der Film fertig gestellt wurde, hatte sich die Lage im Iran so verschlechtert, dass viele Iraner, wenn nur irgend möglich, das Land verließen - so auch zwei der drei weiblichen Protagonisten in "Der Iran Job".