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Nahost

Der Iran erhebt neue Vorwürfe gegen den Westen

Anschläge im Iran sind immer öfter politisch motiviert. Die Regierung in Teheran wirft den USA vor, militante Widerstandsgruppen zu unterstützen, um das Land zu schwächen.

Aufräumarbeiten nach Anschlag im Iran

Elf Soldaten starben bei dem jüngsten Anschlag im Iran

Für offizielle Stellen in Teheran war der Fall rasch klar: Ein schwerer Anschlag, bei dem am Mittwoch in der Stadt Zahedan mindestens elf Mitglieder der "Revolutionsgarden" umgekommen waren, könne nur die Tat von Verbrechern mit Unterstützung des Auslandes sein. Zumindest im ersten Teil ein nahe liegender Schluss, denn für Anschläge, Überfälle und Zusammenstöße mit Sicherheitsorganen in der Provinz Sistan-Belutschistan waren in den letzten Jahren meist Drogenschmuggler verantwortlich, die ihre heiße Ware im Dreiländereck Afghanistan-Pakistan-Iran ins Land bringen, und die sich seit Jahren einen blutigen Kleinkrieg mit den iranischen Behörden liefern.

Neue Sunniten-Organisation

Relativ neu hingegen ist, dass die Täter ihre Angriffe auch politisch motivieren. So tritt seit 2003 auch im Iran eine Organisation auf, die sich "Jund-Allah" ("Soldaten Gottes") nennt, und die mehr Rechte für die sunnitische Minderheit im überwiegend schiitischen Iran einfordert. Im Nachbarland Pakistan, wo der größere Teil Belutschistans liegt, ist „Jund-Allah“ schon länger aktiv. Auch hier geht es um mehr Rechte der Belutschen, die pakistanischen Behörden greifen aber hart gegen die Organisation durch, die sie als regionalen Zweig der „Qaida“ bezeichnen.

Eine Interpretation, die man in Teheran inzwischen übernimmt, obwohl man gleichzeitig versucht, die USA und Großbritannien als treibende Kräfte hinter der Organisation zu identifizieren. Was von Anhängern der Terroristen entschieden zurückgewiesen wird, zumindest teilweise aber auf amerikanischen Quellen beruht: So wusste der New Yorker Enthüllungsjournalist Seymour Hersh zu berichten, dass der amerikanische Geheimdienst diverse oppositionelle Gruppen im Iran unterstütze, um Unruhe und Unfrieden zu stiften und damit das Regime in Teheran zu schwächen.

Washington unterstützt angeblich die iranische Opposition

Irans Präsident Ahmadinedschad

Präsident Ahmadinedschad strikt an neuen Verschwörungstheorien

Die Belutschen waren nur eine der Gruppen, auf die Washington sich angeblich konzentrierte. Eine weitere Gruppe waren die Araber in der Provinz Khuzestan – in der es in den letzten Jahren auch wiederholt Anschläge gegeben hatte. Eine dritte Zielgruppe sind die Kurden: Jüngste Berichte gehen davon aus, dass die USA im nordirakischen Kurdistan Kämpfer ausbilden, um diese dann zu "Einsätzen" jenseits der iranischen Grenze zu entsenden.

Wirkliche Beweise sind bisher nicht vorgelegt worden. Da solche Verschwörungstheorien jedoch bestens in das außenpolitische und ideologische Konzept Teherans passen, gewinnen sie zumindest im Iran auch an Glaubwürdigkeit. Und der vielleicht wichtigere Grund für das Auftreten solcher Gruppen wird dabei verdrängt: dass minoritäre Gruppen wie Belutschen, Araber oder Kurden wirtschaftlich und politisch benachteiligt sind und den Grund dafür in ihrem ethnischen und auch religiösen Unterschied zur schiitisch-persischen Mehrheit sehen.

Freiheitskämpfer oder Terroristen?

Im Gegensatz zu Kurden und Arabern, die gelegentlich von einer Loslösung vom Iran träumten, hat die belutschische "Jund-Allah" in der Vergangenheit aber betont, dass man sich als Teil des Iran betrachte und lediglich für größere Chancengleichheit des armen Sistan-Belutschistan kämpfe.

Die Regierung in Teheran macht solche Unterschiede nicht: Während man – besonders im Nahen Osten – sonst meist von Freiheits- oder Widerstandskämpfern spricht, sind die Attentäter von Belutschistan und die Bombenleger von Khuzestan "Terroristen", gegen die man mit aller Entschlossenheit vorgehen müsse. So wurden am Tag des Überfalls von Zahedan in der Hauptstadt Khuzestans, Ahvaz, mindestens drei Araber hingerichtet, die dort im vergangenen Jahr Bombenanschläge verübt hatten.






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